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„Heutiges München macht mir Angst“: Frau seit Ende März in fünf Unfälle verwickelt - Ihr bitteres Protokoll

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Von: Andreas Thieme

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Elli Aldag in ihrer Wohnung in Neuhausen. Die Seniorin leidet an Parkinson und beklagt zunehmende Rücksichtslosigkeit
Elli Aldag (78) in ihrer Wohnung in Neuhausen. Die Seniorin leidet an Parkinson und beklagt zunehmende Rücksichtslosigkeit © SIGI JANTZ

Ein langes Leben in Würde: Davon träumen viele Münchner, die jahrzehntelang gearbeitet und zum Wohlstand der Landeshauptstadt beigetragen haben. Doch ist das im Alltag möglich? „Leider oft nicht“, sagt Elli Aldag (78) aus Neuhausen. Sie beschreibt die Probleme der Münchner Senioren.

München - Elli Aldag (78) hat sich mit einem Brief an unsere Redaktion gewendet, um die Probleme von Senioren zu beschreiben, die immer wieder auftauchen. Vor der Haustür, auf Gehwegen oder in der Innenstadt. Vor allem Rücksichtslosigkeit beklagt die Seniorin, die an Morbus Parkinson leidet und seit Jahren am Stock geht. Allein in diesem Jahr wurde Elli Aldag fünf Mal in Zusammenstöße verwickelt. Die schlimme Folge: „Ich habe mir einen Rippenbruch zugezogen“, sagt die 78-Jährige. Und zeigt ihr Protokoll des Schreckens:

München: 78-Jährige in fünf Unfälle verwickelt - hier zeigt sie ihr Protokoll des Schreckens

- 22. März: Auf dem Bürgersteig in der Volkartstraße raste ein Radfahrer von hinten knapp an der Seniorin vorbei. „Aufgrund der nervlichen Anspannung stürzte ich eine halbe Stunde später ohne Fremdeinwirkung auf der Nymphenburger Straße auf das Trottoir“, sagt Elli Aldag. Tags drauf muss sie mit Schmerzen ins Rotkreuzklinikum.

- 2. Mai: Am Hohenzollernplatz schließen sich die Türen, während die 78-Jährige aus der U1 aussteigt. „Ich stürzte auf den Bahnsteig“, sagt sie. „Der Fahrer hat leider nicht reagiert.“

- 7. Mai: Aldag steigt aus der Tram 20 an der Heideckstraße. „Das Aufstehen aus dem Sitzen ist für mich besonders mühsam“, sagt sie. „Ein Mitfahrer mittleren Alters half mir beim Aussteigen und geleitete mich eng hinter mir über die Dachauer Strasse.“ Zuhause bemerkt die Seniorin: Ihre Geldbörse mit 1000 Euro ist weg. Gestohlen! Das Geld hatte sie kurz zuvor erst abgehoben.

- 27. Mai: Am Rotkreuzplatz wird Aldag in der Tür eingeklemmt, als sie aus der Tram 12 steigt.

- 30. Juni: Vor der Eisdiele Sarcletti wird Aldag fast von einem Geister-Radler mit Anhänger fast „abgeschossen“, wie sie sagt. Er fuhr auf der falschen Seite. Gegenüber überquert sie die Nymphenburger Straße. „Die Grünphase hat für mich nicht gereicht. Das war richtig Stress“, sagt Elli Aldag und fügt traurig hinzu: „Wen wundert es, wenn man sich als älterer Mensch nicht mehr auf die Straße traut? Das heutige München macht mir Angst und vielen anderen Senioren auch.“   

Von Stadt und Polizei fordert die 78-Jährige Unterstützung - und härtere Strafen für Rüpel-Radler. „Die Situation wird immer schlimmer“, sagt Aldag. „Durch so einen Gehweg-Unfall können wir Senioren nicht nur die Gesundheit, sondern auch unsere Selbstständigkeit verlieren.“

Früher robust, heute „wackelig“, beschreibt sich Aldag selbst. „Umso mehr bitte ich, dass stärker auf uns Senioren geachtet wird.“

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