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Keine Regenbogenflagge auf der Theresienwiese: Entscheidung sorgt für Wirbel - Wiesn-Chef rechtfertigt sich

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Von: Bettina Ulrichs

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Am Christopher Street Day war die Theresienwiese bunt.
Am Christopher Street Day war die Theresienwiese bunt: Es bleibt der einzige Tag, an dem dort Regenbogenflaggen zu sehen sind. © picture alliance/dpa | Sven Hoppe

Wiesn-Chef Baumgärtner hat den Antrag, die Theresienwiese mit einer riesengroßen Regenbogenflagge zu schmücken, abgelehnt. Die Initiatoren wollen seine Argumente nicht gelten lassen.

München - Leuchtet auf der Theresienwiese bald eine überdimensionale Regenbogenflagge? Der Bezirksausschuss (BA) Ludwigs-/Isarvorstadt hatte die Idee, eine asphaltierte Straße auf der Theresienwiese in München* mit bunter Farbe zu gestalten. Das rekordverdächtige Werk mit bis zu 5000 Quadratmetern Größe und 100 Metern Länge sollte für Vielfalt und Akzeptanz in der Stadt werben. Vorgeschlagen wurde dafür die Matthias-Pschorr-Straße oder eine der asphaltierten Nord-Süd-Querungen der Theresienwiese.

Doch jetzt hat Clemens Baumgärtner (CSU), Wirtschaftsreferent und Chef des Oktoberfests, den Antrag abgelehnt*. „Ich persönlich finde die Regenbogenflagge sehr schön und das Projekt hätte sicher eine internationale Strahlkraft“, sagt er. „Aber ich glaube, dass es am Geld scheitern wird.“

München: Aus für Regenbogenflagge auf der Theresienwiese – das sind die Gründe

Baumgrärtner begründet: Eine Bodenmarkierung müsse verkehrssicher sein und einer intensiven Nutzung der Straße standhalten. Die Kosten würden wohl mehr als 100.000 Euro betragen. Das sei aus dem Budget des Referats für Arbeit und Wirtschaft nicht darstellbar. Das Kulturreferat könne ebenfalls keine finanziellen Mittel zur Verfügung stellen.

Bedenken gegen eine dauerhafte Straßenmarkierung gibt es laut der Stellungnahme auch aus Denkmalschutz- und Marketinggründen*. Eine solche Gestaltung dürfe Veranstaltungen nicht behindern und müsse entfernt werden können.

Keine Regenbogenflagge auf der Theresienwiese – Denkmalschutz als „Willkür-Argument“?

Dieser Argumentation will der BA nicht folgen. „Denkmalschutz kann kein Willkür-Argument sein, das man auspackt, um etwas zu verhindern“, heißt es. Auf der Theresienwiese* gebe es „einen dauerhaft installierten Skate-Park, Streetballkörbe und einen ebenfalls auf dem Asphalt markierten Verkehrsübungsbereich, der insgesamt deutlich größer ist als die von uns geforderte Regenbogenflagge“, erklärte Arne Brach (Grüne).

Dafür soll die Regenbogenflagge auf der Theresienwiese stehen

Die große Regenbogenflagge soll ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen. Weiterer wichtiger Effekt bis vor einigen Wochen: Werbung für die Bewerbung der Gay Games 2026. Doch daraus wird erst einmal nichts. Das weltweit größte queere Sport- und Kulturfestival wird im spanischen Valencia stattfinden. Das wurde am 11. November im englischen Brighton bekannt (tz berichtete). Dabei war alles vorbereitet: OB Dieter Reiter hatte für den Fall eines Zuschlags bereits einen Zuschuss von 2,3 Millionen Euro versprochen; auch große Sponsoren standen bereit.

„Diese Installationen sind ein echter Mehrwert für die Bürger. Wieso ein Zeichen für Toleranz auf grauem Asphalt dem Denkmalschutz ein Dorn im Auge ist, verstehe ich nicht.“ So wie Straßenmittelstreifen oder Zebrastreifen den Verkehr nicht behinderten, störe die bunte Flagge den Aufbau des Oktoberfests nicht.

Theresienwiese: Befürworter der Regenbogenflagge sind enttäuscht

„Gerade weil die Wiesn mit Friedlichkeit, Toleranz und Lebensgefühl wirbt, ist das auch kein markengefährdender Widerspruch“, sagte Andreas Klose, Rosa Liste, BA-Beauftragter für queere Lebensweisen. Die Regenbogenflagge solle auch nicht vom Wirtschafts- oder Kulturreferat co-finanziert werden, sondern würde über Patenschaften aus der LSBTQ-Community ermöglicht, argumentieren die Befürworter weiter. (bus) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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