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Bilder aus der Überwachungskamera zeigen, wie zwei Tatverdächtige im Februar 2018 mit Mütze, Hut und Koffern in die Filiale gehen und sie eine halbe Stunde später wieder verlassen. Am Ende fehlten 4,62 Millionen Euro

War es ein Familien-Komplott?

Überraschende Wendung beim Millionen-Raub am Promenadeplatz in München

Im Fall der geraubten Schließfach-Millionen in München steht eine Mitarbeiterin der Commerzbank unter Tatverdacht - aber es gibt eine irre Wendung.

Update vom 17. Mai 2019: Überraschende Wendung im Fall des Millionen-Diebstahls in der Commerzbank! Die Hauptverdächtige Maria M. (57, Name geändert) wird aus der Untersuchungshaft entlassen. „Ich kann bestätigen, dass der Haftbefehl gegen meine Mandantin außer Vollzug gesetzt wurde“, sagt ihr Verteidiger Markus Schollmeyer. Am Freitag entschied das Landgericht über die Haftbeschwerde des Anwalts, die seit acht Wochen lief. Ergebnis: Maria M. kommt frei. Oberstaatsanwältin Anne Leiding zur tz: „Wir hatten zwar die Verwerfung der Haftbeschwerde beantragt, treten aber im Hinblick auf den psychischen Gesundheitszustand der Beschuldigten der Außervollzugsetzung nicht entgegen.“

Irre Wende: Bankkauffrau wird aus Untersuchungshaft entlassen 

Am 25. Juni 2018 war die Bankkaufrau verhaftet worden und kam erstmals nach Stadelheim. Sie stand im Verdacht, interne Informationen aus der Bank weitergegeben zu haben. Den Ermittlungen zufolge soll eine Bande dann zwischen Dezember 2017 und März 2018 den Diebstahl ausgeführt und insgesamt 4,62 Millionen Euro aus dem Schließfach einer reichen Russin geklaut haben. Maria M. hatte das Schließfach mit der Nummer 4715 am 29. November 2016 für die Russin eröffnet. Aber auch mindestens zwei weitere Mitarbeiter waren direkt mit dem Vorgang betraut, den auch der Niederlassungsleiter absegnen musste. 

Grund: Die insgesamt 32 Millionen Euro der Russin mussten auf sieben Schließfächer verteilt werden, weil sie in 200 und 500 Euro Noten vorlagen. Selbst in der noblen Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz war das „eine außergewöhnliche Geldeinlagerung“, so eine Mitarbeiterin. Zwar sei der Vorgang vertraulich gewesen, dennoch hätten die Angestellten sich darüber ausgetauscht. „Bei einer solchen Summe spricht man natürlich darüber“, gibt die Mitarbeiterin zu. Nachtz-Informationen gibt es bis zu sieben weitere Verdächtige in dem Fall, die sich den Ermittlungen zufolge im Dezember 2017 als Bande zusammengeschlossen hatten. 

Auch der Sohn der Bankkauffrau wird aus Untersuchungshaft entlassen 

Auch Paul M., der Sohn von Maria M., kommt nun aber überraschend aus der U-Haft frei, bestätigt die Staatsanwaltschaft. Ihm wird zur Auflage gemacht, sich um seine zehnjährige Tochter zu kümmern. Eine Fluchtgefahr wird demnach ausgeschlossen. Zwei Hauptverdächtige plötzlich frei - ist das die Wende in dem Fall? Zwar laufen die Ermittlungen gegen Maria und Paul M. weiter, der Tatverdacht gegen beide scheint nun aber nicht mehr so dringend zu sein wie zunächst angenommen. Wer die Panzerknacker sind, die die Millionen der reichen Russin gestohlen haben, müssen die Ermittler noch klären - ebenso wie die Rolle der Bank in dem spektakulären Fall, die zunehmend in den Fokus gerät. 

Unklar bleibt weiter, wo die Millionenbeute ist. Sicher ist bislang nur: Einer der Täter hatte am 4. Dezember 2017 ein Konto und danach ein Schließfach in der Commerzbank am Promenadeplatz eröffnet. Nur vier Tage später waren zwei seiner Komplizen in der Bank, wo die Überwachungskamera sie aufgezeichnet hatte. Die Männer versuchten mehrere Schließfächer der Russin zu knacken. Zwei weitere Taten liefen am 2. Februar 2018 und am 1. März 2018. Am Ende fehlten 4,62 Millionen Euro. Nach tz-Informationen lag das Schließfach der Bande übrigens unmittelbar unter dem der reichen Russin.

Update 16. Mai 2019:  Es ist eines der spektakulärsten Verbrechen der letzten Jahrzehnte: Mitten in München verschwanden 4,62 Millionen Euro aus der Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz. Gleich drei Mal sollen Gangster in der Bank gewesen sein, um das Geld einer reichen Russin zu stehlen – sie hatte Ende 2016 insgesamt 32 Millionen Euro in sieben Schließfächern gebunkert (tz berichtete). Der Fall kommt erst jetzt ans Licht, doch die Ermittlungen laufen schon seit mehr als einem Jahr auf Hochtouren. 

Im Visier der Staatsanwaltschaft steht vor allem die Bankangestellte Maria M. (57, Name geändert). Nach tz-Informationen hatte sie Ende November 2016 die Schließfach-Eröffnung für die reiche Russin geregelt. Seit 1992 ist M. bei der Commerzbank angestellt und galt immer als sehr vertrauenswürdig. Doch kurz nachdem die Millionen-Summe aus dem Tresorraum verschwunden war, wurde die Bankkauffrau am 25. Juni 2018 verhaftet.

Den Ermittlungen zufolge soll sie eine zentrale Rolle bei dem Bankraub eingenommen haben. Die Hintergründe dazu sind abenteuerlich: Noch am Abend der Millionen-Einzahlung soll Maria M. einem ihrer Söhne, Paul M., von der reichen Kundin erzählt haben. Er steht nun im Verdacht, einigen Freunden von der Millionensumme im Schließfach berichtet zu haben. Ermittler gehen davon aus, dass sich im Dezember 2017 eine Bande von mehreren Personen zusammentat, um das Geld zu klauen. Insgesamt wurde gegen sieben Männer ermittelt. 

Maria M. soll sie mit internen Informationen aus der Bank-Filiale versorgt haben. Daraufhin eröffnete einer der Tatverdächtigen am 1. Dezember 2017 zunächst ein Girokonto und am 4. Dezember 2017 auch ein Schließfach in der Commerzbank. In diesem Zusammenhang erhielt er auch eine Zugangskarte für den Tresorraum der Bank. Mit einem Komplizen soll er nur vier Tage später zum ersten Mal versucht haben, das Schließfach der reichen Russin zu knacken.

Auch am 2. Februar und 1. März 2018 waren beide wieder in der Bank – am Ende fehlten 4,62 Millionen Euro. Doch auch nach diversen Wohnungsdurchsuchungen tauchte das Geld bislang nicht wieder auf! Auffällig ist: Auch andere Bankangestellte wussten von den Millionen. „Bei so einer außergewöhnlichen Summe hatte sich das herumgesprochen“, sagt eine Mitarbeiterin. 

Kein Wunder: Denn nur jeweils fünf Millionen Euro darf ein Geldtransporter zur Bank anliefern. Insgesamt brauchte es sieben gepanzerte Fahrzeuge, um die rund 32 Millionen Euro in der Filiale am Promenadeplatz einzulagern. Nach tz-Informationen hatten neben Maria M. noch mindestens zwei weitere Mitarbeiter mit der Schließfacheröffnung zu tun. Aber: Nur gegen die Bankkauffrau richtete sich der Tatverdacht. Sie sitzt aktuell in Untersuchungshaft in der JVA Stadelheim.

Die tz fragte bei ihrem Anwalt Markus Schollmeyer nach – doch dieser gibt keine Auskunft: „Zum jetzigen Stand des Verfahrens möchte ich mich nicht äußern.“ Ob auch gegen die Commerzbank ermittelt wird, verrät die Staatsanwaltschaft nicht. Auch die Bank schweigt dazu. Ausgeschlossen sind Ermittlungen in diesem Kontext nicht. Denn sollte klar werden, dass Aufsichtsmaßnahmen unterlassen wurden, drohen Geldbußen bis zu einer Million Euro.

Derweil hält die Münchner Polizei eine schwere Körperverletzung in Atem: Ein Streit an einer Laimer Bushaltestelle ist komplett eskaliert. Mit schweren Verletzungen wurde ein Beteiligter ins Krankenhaus eingeliefert.

Ein Mann wurde in München von einem Trio brutal attackiert. Dabei verlor er das Bewusstsein. An einen Täter kann sich der 23-Jährige besonders gut erinnern.

Millionen-Raum in München: Angestellte bemerken zunächst nichts

Erstmeldung vom 14. Mai 2019:

München - Der Promenadeplatz ist eine der feinsten Adressen in der Stadt. Hier liegt, zwischen dem Bayerischen Hof und der Frauenkirche, die Vorzeige-Filiale der Münchner Commerzbank. Nach tz-Informationen hat sich darin einer der größten Bankraube der letzten Jahrzehnte abgespielt – ganz unbemerkt von der Öffentlichkeit. Insgesamt 4,62 Millionen Euro wurden aus einem Bankschließfach der Filiale gestohlen. Und noch immer gibt es von dem Geld keine Spur…

Überfall auf Commerzbank in München: Die geheimnisvolle Russen-Millionärin 

Die unglaubliche Geschichte beginnt am 29. November 2016: An diesem Tag kam eine Russin zum Promenadeplatz und bat bei der Commerzbank um ein Schließfach: Sie wolle Geld einzahlen. Viel Geld. Insgesamt 36 Millionen US-Dollar (also gut 32 Millionen Euro). In der Bank wurde es schnell hektisch, denn die reiche Kundin wollte das Geld auch noch versichern. Das war nicht möglich. Die Einlagerung ihres Geldes aber schon. Kaum zu glauben: Insgesamt sieben Schließfächer hat es gebraucht, um die ganzen Scheine in Noten zu 200 und 500 Euro einzulagern. Ganz heimlich brachte ein Geldtransporter die Millionen der Dame zur Bank, wo sie sicher verschlossen wurden. Dazu musste nach tz-Informationen sogar der Niederlassungsleiter zustimmen.

Banküberfall in München: Angestellte bemerken nichts

Etwas mehr als ein Jahr später war ein Teil des Geldes plötzlich weg. Geklaut aus einem der Schließfächer, das mutmaßlich zwei Verbrecher aufgebrochen hatten. Überwachungskameras dokumentierten den Bankraub: Erstmals am 8. Dezember 2017 betraten die beiden Männer die Filiale tagsüber und waren später auch im Tresorraum zu sehen. Mit einem roten Trolley-Koffer verließen sie die Commerzbank wieder – ohne, dass ein Mitarbeiter etwas bemerkte. ­Unfassbar: Zwei weitere Male, am 2. Februar und 1. März 2018, hatten dieselben Männer erneut die Bank betreten, wie die Kamera-Auswertung ergab. Neben ihnen ist in einer Aufnahme sogar noch eine Kundin zu sehen, die erstaunt schaut. Doch gefasst wurden die Täter bis heute nicht. Nicht mal im offiziellen Polizeibericht war der Bankraub aufgetaucht. Auch die Bank selbst hielt ihn geheim. 

Behörden ermitteln zu Bankraub am Münchner Promenadenplatz

Auf Nachfrage bestätigt die Staatsanwaltschaft München I laufende Ermittlungen in dem Fall, hält sich zum Inhalt jedoch bedeckt. „Zu diesem Verfahren kann ich aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit keine Auskunft geben“, sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Nach tz-Informationen gibt es mehrere Verdächtige, die teilweise schon in U-Haft in Stadelheim sitzen. Offen bleibt, wie so viel Geld einfach aus der Bank verschwinden konnte. 

Tatort: Die Commerzbank am Promenadeplatz.

Denn wer in den Tresor- und Schließfachraum der Filiale will, muss erst durch den Schalter-Bereich an verschiedenen Kassen vorbeigehen und anschließend in einem separaten Gang zwei Türen mit Magnet-Lesegeräten passieren. Zum Eintritt braucht man eine spezielle PIN-Nummer, zudem wird jeder Kunde mit Karte und per Video registriert. Wie konnten die Täter also unbemerkt hineinkommen und die Bank später völlig unbehelligt wieder verlassen – und das ganze drei Mal in Folge? Zu dem Millionen-Verlust sagt Commerzbank-Sprecherin Renate Christ knapp: „Zu laufenden Verfahren können wir keine Stellung nehmen.“

Stichwort Bankschließfach

Bankschließfächer werden immer beliebter – bei der Stadtsparkasse München etwa sind 99 Prozent der 6300 Schließfächer belegt. Ähnlich sieht es bei der VR-Bank München Land aus: In mehr als der Hälfte ihrer Geschäftsstellen gibt es keine freien Fächer mehr. Das liege daran, dass Banken auf Erspartes kaum noch Zinsen zahlen und immer mehr Menschen in Edelmetalle investierten, so die Sprecher der beiden Banken. „Viele Kunden sagen, sie haben zu Hause Angst vor Einbrüchen“, erklärt ein ­Sprecher der Stadtsparkasse. In beiden ­Banken habe noch nie jemand versucht, die Fächer aufzubrechen. In Schließfächern dürfen Bargeld, Schmuck, Edelmetalle, Urkunden, Wertpapiere, Briefmarken, Sparbücher und Dokumente gelagert werden. Aber: Die Bank-Mitarbeiter wissen selbst nicht, was drin ist. Da gilt das Bankgeheimnis.

Ein Banküberfall am Münchner Hauptbahnhof hält die Polizei auf Trab, sie musste sogar Hubschrauber zur Fahndung nach dem Täter einsetzen.

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