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Die Abschlussklasse von 1957.

Erkennen Sie, wer wer ist?

Münchnerinnen laden zum Klassentreffen nach 60 Jahren

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60 Jahre sind vergangen, und aus den Mädchen von einst sind Frauen geworden. Die Schülerinnen des Abschlussjahrgangs 1957 der damaligen Mittelschule der Armen Schulschwestern am Mariahilfplatz haben geladen: Zum Klassentreffen nach sechs Jahrzehnten.

München - „Weißt du noch…?“ Diese Frage fällt wohl am häufigsten bei diesem ganz besonderen Treffen. Die Frauen, die 1957 ihren Abschluss an der Mittelschule der Armen Schulschwestern am Mariahilfplatz gemacht haben, sehen sich jetzt mit gesammelter Lebenserfahrung wieder. 

36 junge Damen schafften damals den Abschluss an der Mädchenschule, die heute Erzbischöfliche Theresia-Gerhardinger-Mädchenrealschule heißt. Rund die Hälfte der Frauen ist nun, inzwischen 76 Jahre alt, in ein Restaurant in der Münchner Innenstadt zum Klassentreffen gekommen. Zu lachen hatten die Golden Girls auch heute noch viel. „Über Krankheiten haben wir nicht geredet“, berichten Edith Müller aus München und Heidemarie Marek aus Eichenau (Landkreis Fürstenfeldbruck). Sie haben das Klassentreffen organisiert.

In den 50er-Jahren sei es auf der Mädchenschule streng zugegangen, erinnern sich die beiden Damen. „Hosen waren nicht erlaubt, die Röcke mussten lang sein – und ärmellose Blusen waren nicht gestattet.“

Nur einmal rebellierten die jungen Frauen

Aufbegehrt haben die jungen Frauen gegen die strengen Regeln kaum. Halt, eine Ausnahme gab es. Eine Mitschülerin war kurz vor dem Abschluss schwanger geworden – und hatte die Schule verlassen müssen. „Zum Faschingsball sind wir daraufhin alle in Schwarz erschienen.“

Der Protest zeigte Wirkung: Die Schulleitung drückte ein Auge zu, und die junge Frau durfte ihren Abschluss nachholen. Die meisten der Klassenkameradinnen von 1957 wohnen auch heute noch in München und Umgebung. Eine hat es aber bis nach Kanada verschlagen. Sie lernte ihren Mann, einen Engländer, beim Skifahren im österreichischen Lermoos kennen. Sein Arbeitgeber bot dem Banker einen Job in Kanada an. Heute lebt das Paar in der Nähe von Toronto.

Auch Ingrid Moesges wollte schon immer ins Ausland. Doch nach der Schule habe sie zuerst eine Ausbildung zur Kindergärtnerin gemacht, erzählt sie bei dem Treffen. Danach ging sie nach Rom. Italienisch sprach sie nicht. „Doch zur damaligen Zeit war es in Italien Mode, deutsche Erzieherinnen zu haben.“ Und so lernte sie nach und nach die Sprache. Ingrid Moesges’ Leben in Italien war streng. Einen Nachmittag in der Woche hatte sie frei, spätestens um 10 Uhr musste sie zu Hause sein. So ging sie nach einem Jahr nach Bologna. „Die Lichter gingen dort nie aus“ sagte sie. Sie arbeitete im Büro einer Cognac-Firma und lernte dort auch ihren Mann kennen. Als er einen neuen Job in Rimini bekam, zog das Paar dorthin. Dort arbeitete Moesges in der Pressestelle des Tourismusamts. 

Wie die meisten der Frauen hat auch Edeltraud Zefferer schon viel erlebt. Nach der Schule kümmerte sie sich beim Suchdienst des Bayerischen Roten Kreuzes vor allem um die Familienzusammenführung von Russlandgefangenen. Danach arbeitete Zefferer mehrere Jahre lang bei der Landesversicherungsanstalt Oberbayern. Mit Anfang 20 lernte sie ihren ersten Mann Karl kennen – und musste einen schweren Schicksalsschlag verkraften: Karl starb mit mit nur 36 Jahren an einem Herzinfarkt. Zefferer lebte 20 Jahre lang alleine. 1985 dann lernte sie ihre zweite große Liebe Günter bei der Arbeit kennen und baute mit ihm sechs Jahre später ein Haus in Neuried (Landkreis München). Heuer feierten die beiden Silberhochzeit. 

„Altwerden ist nichts für Feiglinge“, fasst Organisatorin Edith Müller zusammen, was viele der Frauen erlebt haben. Und so denken die Klassenkameradinnen von damals bei aller Wiedersehensfreude auch an die, die heute nicht bei ihnen sein können. 29 der damals 36 Abschlussschülerinnen leben noch. Für jede der sieben mittlerweile verstorbenen Ex-Mitschülerinnen zündeten die Frauen bei ihrem Treffen eine Kerze an.

Achim Schmidt und Ramona Weise

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