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Julia Horstmann wollte mit Töchterchen Anna im Kinderwagen in die Tram einsteigen.

Kinderwagen oder Radlanhänger?

Mutter sauer auf MVG: Der Fahrer warf uns aus der Tram

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München - Julia Horstmann (36) ist sauer auf die MVG. Ihre Stimme bebt am Telefon: „Der Fahrer hat mich gerade einfach aus der Tram geschmissen“, sagt sie.

Es ist Donnerstagmittag, sie war mit Töchterchen Anna (2) einkaufen. Jetzt steht Julia Horstmann, behängt mit Einkaufstüten, am Rotkreuzplatz, und ihre Anna quengelt im Kinderwagen. „Das ist doch ein absolutes Unding uns Müttern gegenüber!“

Nach dem Einkauf wollte Julia Horstmann mit der 12er-Tram nach Hause zum Romanplatz. So wie jeden Tag, sieben Minuten Fahrzeit. Als sie vorn in die Tram einsteigt, hält sie der Fahrer zurück. Der Grund: Fahrradanhänger seien nicht erlaubt, habe der gesagt. Bitte aussteigen. „Seit Jahren fahre ich mit diesem Kinderwagen Tram“, sagt Julia Horstmann.

Das „Corpus delicti“ ist ein Modell, das sowohl als Kinderwagen als auch als Fahrradanhänger verwendet werden kann. Julia Horstmann verwendete ihn gestern als Kinderwagen. Die MVG sieht das anders. „Das ist keine neue Regelung“, betont Sprecher Michael Solic. „Fahrradanhänger sind grundsätzlich in allen unseren Verkehrsmitteln von der Beförderung ausgeschlossen.“

Damit habe der Fahrer richtig entschieden, auch wenn es in manchen Einzelfällen für die Betroffenen schwer nachvollziehbar sei. „Unsere Fahrer müssen Regeln haben, anhand derer sie entscheiden.“

Julia Horstmann versteht die Regel nicht. „Die Tram war fast leer“, sagt sie. „Da hätten wir locker reingepasst – und niemanden gestört.“ MVG-Sprecher Solic verweist darauf, dass Größe und Zweckbestimmung des Anhängers keine Rolle spielten. Nur so sei eine eindeutige Regelung möglich und auch umzusetzen. „Und allen Beteiligten – Fahrern wie Fahrgästen – leicht vermittelbar.“

Es gebe in den Verkehrsmitteln eben immer weniger Platz, erklärt Solic, weil es immer mehr Fahrgäste gebe. „Die technischen Möglichkeiten, mehr Platz auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen zu schaffen, sind ausgeschöpft.“ Das hat unangenehme Folgen: „Fakt ist schon heute, dass regelmäßig mobilitätseingeschränkte Fahrgäste – etwa mit Kinderwagen oder Rollstuhl – zurückgelassen werden müssen, weil die Kapazitäten im Fahrzeug nicht ausreichen.“ Selbst, wenn die Tram so gut wie leer ist. Julia Horstmann lief gestern mit ihren schweren Tüten und ihrem Töchterchen zu Fuß nach Hause. 35 Minuten Gehzeit für eine Strecke, für die sie bisher sieben Minuten gebraucht hat.

Was ist in der Tram erlaubt?

Die MVG befördert Sachen nur, wenn dadurch die Sicherheit und Ordnung des Betriebes nicht gefährdet und andere Fahrgäste nicht belästigt werden können.

Erlaubt sind:

  • Rollstühle und motorisierte Rollstühle (bis 300 Kilogramm)
  • Gehhilfen und Kinderwägen
  • Kinderräder (bis 12,5 Zoll Reifengröße) sowie Falt- und Klappräder
  • Handgepäck (max. 90 x 80 Zentimeter und 25 Kilogramm)

Verboten sind:

  • Segways und Radlanhänger

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