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Vor allem junge Leute kommen mit den ersten warmen Sonnenstrahlen in die Isarauen. Das, beklagen Naturschützer, mindere die Artenvielfalt.

Nach Renaturierung

Naturschützer warnen: Wie viel Party verträgt die Isar?

München - Wird aus der Isar-Renaturierung ein Trauerspiel für den Naturschutz? Davor warnen jetzt jedenfalls der Landesbund für Vogelschutz und der Bund Naturschutz. Die Isarufer würden im Sommer zu intensiv genutzt, lautet der Vorwurf.

Fast alle Naturschutz-Erfolge der Renaturierung seien durch die extreme Freizeitnutzung, Müll, Lärm, wilde Trampel- und Mountainbike-Pfade sowie jährliche Abholzaktionen hinfällig geworden, beklagen die Umweltverbände. Naturnahe Ufer, keine Betonschwellen mehr – so schön die Isar durch die Renaturierung geworden sei, so problematisch sei dies auch. „Die Attraktivität der Isar, die durch die Renaturierung erreicht wurde, geht gerade wieder verloren – und zwar genau wegen dieser Attraktivität“, erklärt Christian Hierneis, Vorsitzender des Bund Naturschutz München (BN).

Aktuelle Untersuchungen des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) haben ergeben: Die Artenvielfalt ist stark zurückgegangen. Störanfällige Vogelarten wie der Flussregenpfeifer haben laut LBV nicht nur das Brüten an der Isar eingestellt, wegen der starken Freizeitnutzung würden sie die Kiesbänke nicht mal mehr als Rastplatz nutzen. Am Flaucher wurden im vergangenen Jahr nur 42 Nacht- und Kleinschmetterlingsarten festgestellt. Zum Vergleich: In einer ehemaligen Kiesgrube in Riem hat man 254 Arten gefunden. „Normalerweise müssten die Auenbiotope die artenreichsten sein“, wundert sich LBV-Geschäftsführer Heinz Sedlmeier. Gefährdet seien auch Mandel- und Lavendel-Weide, die typischerweise auf Kiesbänken und an Gebirgsflüssen wachsen. Entweder würden sie zertrampelt oder gefällt. Dennn die Stadt entferne rigoros jedes Hindernis im Hochwasserbett.

„Der Weidenschnitt muss jedes Jahr erfolgen, um die angrenzenden Stadtviertel vor Hochwasser zu schützen“, erklärt Baureferatssprecherin Dagmar Rümenapf. Die Maßnahme diene dem Schutz von Menschen und Sachwerten. „Das ist vollkommen übertrieben, es sind nur Büsche“, hält Sedlmeier dagegen. Die Fällungen müssten auf das absolut notwendige Maß reduziert werden. Sonst nehme man auch dem Biber die Nahrung, der sich dann wie in Thalkirchen an deutlich größere Bäume halte. Es würden weder Nahrungsquellen noch Lebensräume zerstört, widerspricht das Baureferat. Zudem sei alles mit Naturschutzbehörde, Wasserwirtschaftsamt und Umweltreferat abgestimmt.

Dass die Naturschutzverbände das Thema gerade jetzt auf den Tisch legen, hat einen Grund: Der Frühling naht und damit die Zeit der Feierwilligen. Und die sind den Naturschützern ein Dorn im Auge. Die Isar sei ein Naturschatz und dürfe nicht zur Partymeile verkommen, fordert BN-Chef Hierneis. „Wir wollen, dass sich die Natur entwickeln kann, die Menschen diese Natur genießen und sich an der Isar erholen können.“ Daher rufe man alle Isarbesucher auf, Rücksicht auf den Fluss und die Auen zu nehmen. Tiere bräuchten Ruhe und Rückzugsräume statt Partylärm und Grillrauch. Auch Jogger und Radler, die nachts mit Stirnlampen und Scheinwerfern unterwegs seien, sieht Hierneis kritisch. Natürlich dürfe am Fluss auch gefeiert werden. Doch dafür brauche es klare Regeln, wo und wie das zulässig ist. Das ist laut Baureferat längst erledigt. Die Grillregeln würden auf vielfältige Weise kommuniziert, große Schilder würden auf die erlaubten Grillzonen hinweisen die Einhaltung werde regelmäßig kontrolliert.

Die Naturschützer fordern den Stadtrat auf, sich erneut mit dem Thema zu befassen. Das Hinterlassen von Müll und die Zerstörung der Vegetation seien keine Kavaliersdelikte. Eine Kommerzialisierung der Isarauen wird von den Umweltverbänden strikt abgelehnt. Noch sei nichts verloren, erklärt LBV_Chef Sedlmeier. Die Isar und ihre Auen seien sehr lebendig. Eine Regeneration sei möglich, wenn man entsprechende Maßnahmen einleite. „Und nicht immer noch verrücktere Sachen obendrauf sattelt.“

Carmen Ick-Dietl

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