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Der verwüstete Tatort des Oktoberfest-Attentats 1980

1980 starben bei dem Anschlag dreizehn Menschen

Oktoberfest-Attentat: Ermittlungen ziehen sich doch noch hin

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    Marc Dimitriu
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2014 wurden die Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat von 1980 wieder aufgenommen. Es gab Hinweise auf mögliche Hintermänner. Die Ermittlungen stehen nun vor dem Aus.

Update vom 20. Mai 2019: Das Verfahren um das Oktoberfest-Attentat von 1980 wird sich nach Einschätzung des Opferanwalts Werner Dietrich vor einem endgültigen Abschluss noch mehrere Monate hinziehen. Vor einer möglichen Abschlussverfügung habe er als offizieller Vertreter von 15 Opfern die Möglichkeit zur Akteneinsicht und zur Stellungnahme, sagte Dietrich am Montag. Die Bundesanwaltschaft äußerte sich nicht zum Zeithorizont. „Die Ermittlungen dauern an“, sagte ein Sprecher der Behörde. Am Freitag war bekannt geworden, dass die Ermittlungen nach fast fünf Jahren vor einem Ende stehen. „Es gibt keine letztliche Klärung“, hatte die „Süddeutsche Zeitung“ einen Fahnder zitiert.

Dietrich hatte das neue Verfahren in Gang gebracht. Er hatte über Jahrzehnte weiter recherchiert und Wiederaufnahmeanträge gestellt, der dritte war 2014 erfolgreich. Bei dem Anschlag am 26. September 1980 starben 13 Menschen, darunter der Bombenleger und Rechtsextremist Gundolf Köhler. 211 Menschen wurden verletzt. Das Verfahren wurde damals rasch eingestellt: Die Behörden sprachen von einem Einzeltäter, der aus rein privaten Motiven handelte. Angehörige und Opfervertreter bezweifelten das stets. Zeugen berichteten, dass Köhler, der zeitweise mit der rechtsextremistischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ trainierte, am Abend des Attentats nicht allein war.

Zu Ergebnissen der neuen Ermittlungen äußerte sich Dietrich nicht. „Ich bin mitten in der Akteneinsicht.“ Insbesondere habe er noch keine Einsicht in Verschlusssachen und Geheimdienstunterlagen gehabt, die nur in Karlsruhe einsehbar seien.

Oktoberfest-Attentat: Ermittlungen werden demnächst eingestellt

Update vom 17. Mai 2019: Fast 40 Jahre ist das Attentat auf dem Oktoberfest, bei dem 13 Menschen gestorben sind, her. Damals gingen die Ermittler davon aus, dass der Attentäter Gundolf Köhler alleine gehandelt hat. Jedoch gab es immer Zweifel, da er mit der rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann trainiert hatte und bekennender Rechtsradikaler war.

2014 wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen, weil eine Zeugin 2013 angab, sie habe am Tag nach dem Anschlag in München ein Bekennerschreiben bei einem Bekannten entdeckt. Ihre Angaben ließen sich aber nicht erhärten, es handelte sich um eine zeitliche Verwechslung.

Trotzdem wurden noch einmal über 1000 Zeugen befragt. Die Ermittler sind 766 neuen Spuren nachgegangen und haben Wohnungen in Deutschland und in der Schweiz durchsucht. Auch alte Akten der deutschen Geheimdienste und des Staatssicherheitsdiensts der DDR wurden nach Hinweisen auf mögliche Hintermänner durchsucht. Insgesamt wurden 420.000 Seiten an Material gesichtet. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung will die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen zu möglichen Hintermännern bald einstellen.

Erstmeldung: Oktoberfest-Attentat: Verfassungsschutz gibt brisante Info preis

Mehr als 36 Jahre nach dem verheerenden Anschlag auf das Münchner Oktoberfest sind offenbar neue Informationen öffentlich geworden. Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge hat das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) jetzt erstmals offiziell zugegeben: Es verfügt über Anhaltspunkte für weitere Täter neben dem lange Jahre als Alleinschuldigen vermuteten Rechtsextremen Gundolf Köhler.

„Es gibt in der beim BfV geführten Sachakte ‚Sprengstoffanschlag am 26. September 1980‘ Hinweise auf und Recherchen nach weiteren Tätern außer Gundolf Köhler“, habe das Bundesamt nun mitgeteilt, schreibt das Blatt.

Bundesamt hatte geschwiegen

Neu ist die These von mehreren Tätern an sich nicht. Angehörige, Opfervertreter, aber auch Politiker verschiedener Parteien hatten stets bezweifelt, dass ein einzelner Täter am Werk war. Allerdings hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz lange geschwiegen.

Nach Angaben der Bild gab das Amt die nun veröffentlichten Informationen erst nach einem Rechtsstreit und einem entsprechenden Urteil des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen preis. Brisant ist seit langem die Frage nach möglichen V-Leute im Umfeld des oder der Attentäter. Informationen dazu veröffentlichte das Bundesamt allerdings nicht.

Fall neu aufgerollt - Querelen gehen weiter

Der Fall des Oktoberfest-Attentats war nach langen Jahren Ende 2014 neu aufgerollt worden. Als Grund gab die Bundesanwaltschaft an, es gebe neue Aussagen einer Zeugin. Die Frau hatte am Tag nach dem Anschlag Flugblätter gesehen, die Köhler als Helden feiern – dabei war dessen Name noch gar nicht bekannt gegeben worden. Generalbundesanwalt Harald Range wertete dies als Hinweis auf mögliche Mittäter.

Ursprünglich hatten die Ermittler den Studenten Köhler als Einzeltäter ermittelt und ihm private Motive für die Bluttat attestiert. Der Anhänger der neonazistischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ war bei dem Anschlag ums Leben gekommen.

Auch nach der Wiederaufnahme der Ermittlungen rissen die Querelen allerdings nicht ab. Im Dezember 2016 wurde der Leiter der zuständigen Soko abgesetzt - gegen ihn wurde in einem anderen Verfahren selbst ermittelt. „Der Wechsel erfolgte unter Einbindung des Generalbundesanwalts und mit ausdrücklicher Zustimmung des Soko-Leiters“, hieß es.

Das Oktoberfest-Attentat 1980:

Am 26. September 1980 hatte eine Bombe am Oktoberfest-Haupteingang zwölf  Wiesn-Besucher in den Tod gerissen und mehr als 200 verletzt. Es war der blutigste rechtsradikale Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik.

Eine interaktive Karte von merkur.de informiert Sie anschaulich über den Hergang der Tat.

Beim Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland in Christchurch waren 50 Menschen getötet worden. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter hat begonnen. Er plädierte auf „nicht schuldig“.

fn (mit dpa)

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