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Keine Kunst, sondern Verfall: In der Paul-Heyse-Unterführung am Hauptbahnhof fallen die Kacheln ab. 

Nur die Tauben fühlen sich wohl

Paul-Heyse-Unterführung: Wer kümmert sich ums Schmuddelkind?

München - Die Paul-Heyse-Unterführung am Hauptbahnhof ist alles andere als ein Schmuckstück. Die Röhre ist düster, riecht streng, Dreck sammelt sich, an den Wänden verabschiedet sich eine Kachel nach den anderen. Die einzigen Stadtbewohner, die sich hier wohl fühlen, sind die Tauben.

Immer wieder wird der Zustand der Unterführung bemängelt. Der anklagende Finger zeigte in der Vergangenheit häufig auf die Deutsche Bahn. Auch aus dem Münchner Stadtrat und der Bundestags-CSU war zuletzt zu hören, das Verkehrsunternehmen kümmere sich nicht ausreichend um seine Unterführung. Erst vor einer Woche schrieb die Bundestags-CSU Bahn-Chef Rüdiger Grube an mit der Bitte, die 1908 errichtete Unterführung in Schuss bringen zu lassen. Bewirken dürfte das wenig, denn die Bahn hält den Tunnel für verkehrssicher. Die Optik ist für die Bahn eher nebensächlich. Tatsächlich ist sie auch nicht alleine zuständig. Die Gemengelage ist komplexer, als sie auf den ersten Blick scheint, und zumindest teilweise liegt der Zustand des Tunnels auch in der Verantwortung der Stadt. Was das in der Praxis heißt, lässt sich an einigen Beispielen aus dem Tunnel verdeutlichen.

Die Fliesen

Sie sind einer der sichtbarsten Makel: An mehreren Stellen sind die Fliesen abgeplatzt, darunter kommt der Putz zum Vorschein. Der Grund für die losen Fliesen sei die feuchte Bausubstanz darunter, sagte ein Bahnsprecher unserer Zeitung. Die Tunnelwände gegen die Feuchtigkeit abzudichten ist Aufgabe der Bahn. Neue Fliesen an den Wänden anzubringen fällt laut Bahn in den Aufgabenbereich der Stadt. Von Seiten der Bahn heißt es, man arbeite bereits an der Entfeuchtung der Wände – und mit der Stadt zusammen daran, dass der Tunnel bald wieder lückenlos verkachelt sei.

Licht und Belüftung

In der Unterführung ist es düster – und es muffelt, da sich Autoabgase stauen. Man sei aber weder für die Beleuchtung von Straßen und Gehsteigen noch für die Luftqualität im Tunnel zuständig, lässt die Bahn verlauten. All das seien Aufgaben der Stadt. Die Bahn wäre lediglich mit zuständig, wenn Änderungen an den bestehenden Anlagen die Bausubstanz des Tunnels und somit das Eigentum des Verkehrsunternehmens beträfen. In solchen Fällen würden Absprachen nötig.

Die Tauben

Das Gurren der Tauben ist allgegenwärtig. Die Tiere sitzen in den Zwischenräumen und verschmutzen den ohnehin schon schmuddeligen Tunnel weiter. Taubennetze könnten Abhilfe schaffen, doch auch hier sind die Zuständigkeiten nicht trennscharf. Die Netze zu beschaffen ist Aufgabe der Stadt, da sie aber am Bahngebäude angebracht werden müssten, müssten sich auch hier beide Stellen koordinieren.

Insgesamt, so die Bahn, wisse man von den vielen Kritikpunkten. Man sei auch bereit, bei der Instandhaltung und der Verbesserung des Erscheinungsbildes mitzuhelfen. Schon heute sitze man häufig mit der Stadt zusammen, um an den Problemen im Tunnel zu arbeiten. Für einen Neubau allerdings sieht das Unternehmen keinen Anlass. Denn auch wenn die Röhre nicht schön sei, sei sie trotzdem verkehrssicher, sowohl für den darüber laufenden Eisenbahnverkehr als auch für Autofahrer und Fußgänger darunter.

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Annika Schall

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