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„Die Wiesn ist etwas Herrliches“: Pfarrer Rainer Maria Schießler will wieder als Bedienung arbeiten.

Er will wieder kellnern

Pfarrer Schießler kommt zurück auf die Wiesn

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München - Nach zwei Jahren Abstinenz will Pfarrer Rainer Maria Schießler wieder als Bedienung zurück auf die Wiesn. Im Interview verrät er, was ihn dazu bewegt hat.

Der Pfarrer ist zurück auf der Wiesn! Rainer Maria Schießler, 54, Seelsorger der Gemeinden St. Maximilian im Glockenbachviertel und Heilig Geist am Viktualienmarkt, wird nach zwei Jahren Abstinenz wieder als Bedienung fürs Schottenhamel-Zelt arbeiten. Im Interview erzählt er, wieso die Zeit ohne Wiesn schrecklich für ihn war, wem er das verdiente Geld spenden will und wieso er heuer nicht mehr in den Biergarten raus mag.

Im Gottesdienst haben Sie jüngst angekündigt, heuer wieder auf der Wiesn arbeiten zu wollen. Erst 2012 hatten Sie sich verabschiedet. Lange ausgehalten haben Sie’s ja nicht...

So würde ich das ned sagen. Das war vielmehr eine schöpferische Pause. Ich hatte 2012 ein Projekt abgeschlossen, das Spendenprojekt mit der Lotti Latrous für die Aidswaisen in Afrika. Und ich bin ja ned jemand, der auf die Wiesn rausgeht, weil er Geld verdienen muss. Ich verbinde das mit einem gewissen Sendungsauftrag. Und der war damals fertig. Des war wie ein Haus, das du baust, und irgendwann steht’s. Ich hatte aber damals schon mit den Schottenhamels ausgemacht, wenn eine neue Motivation da ist, dann kann man wieder drüber reden.

Welche ist denn ihre neue Motivation? 

Ich bin seit Jahren eng mit dem Christian Springer (Kabarettist, lange Jahre als „Fonsi“ bekannt, der sich mit dem Verein „Orienthelfer“ für Menschen in Krisenregionen einsetzt; Anmerkung der Redaktion) befreundet. Seit letztem Jahr holen uns die Flüchtlingsereignisse ein. Der Christian nimmt sich dieser Menschen in vorbildlicher Art und Weise an, weil er zu ihnen hinfährt. Er bringt den Menschen nicht nur Geld und Nahrungsmittel, sondern vor allem Würde. Des gefällt mir so wahnsinnig. Ich hab’ zu ihm gesagt: „Christian, was hälst du davon, ich geh wieder auf die Wiesn raus – und dann habe ich viele Möglichkeiten, von dir und deinen Orienthelfern zu erzählen.“ Natürlich kriegt er auch das Geld, das ich auf der Wiesn verdiene. Aber es geht um mehr als Geld. Nämlich darum, ihn zu bestärken, dass er da nicht locker lässt. Ich fahre Anfang November mit ihm runter in den Libanon in ein Flüchtlingslager.

Krieg und Flüchtlinge auf der einen, die Wiesn auf der anderen Seite. Wie geht das zusammen?

 Die Wiesn ist etwas Herrliches, es ist so eine Freude, Menschen zu sehen, die feiern. Die ganze Welt müsste ein einziges Oktoberfest sein! Jetzt erleben wir aber, dass es in der Welt hinten und vorn kracht und brennt – und da braucht es ein Zeichen. Diese Feier, die wir machen, ist nicht ein widerwärtiges Abwenden von der Welt und ihren Missständen, sondern ein Ausrufezeichen: Freude teilen! So wie man den Verdienst weitergibt, so kann man auch die Freude teilen. Das möchte ich auch als Mann der Kirche da draußen tun.

Wie waren die vergangenen zwei Jahre ohne Wiesn für Sie? 

Schrecklich! Wenn du einmal auf der Wiesn gearbeitet hast, bist du ein Teil davon geworden. Ich wollte am liebsten durch den Biergarten gehen und die Krüge einsammeln. Und wenn du da nur rumsitzt, kommst du dir vor wie ein Aussätziger. Das erste Jahr habe ich noch irgendwie überstanden, im zweiten Jahr ist’s immer schwerer gefallen. Ich hab’ letztes Jahr schon gemerkt: Das halt ich nimmer lang aus. So lange es kein stichhaltiges körperliches Argument gibt, wie einen Rollatorzwang, hab’ ich keinen Grund, nicht mitzuwirken.

Und sonst ist alles wie gehabt?

Ja, ich bin halt im Schottenhamel. Nur mit einem Unterschied. Ich brauch’ nicht nur eine neue Motivation, sondern auch eine neue Herausforderung. Ich mach’ natürlich nicht da weiter, wo ich aufgehört hab’, im Biergarten. Ich bin ab heuer im Zelt. Im Reservierungsbereich. Das ist ein ganz anderes Arbeiten als draußen. Ned nur von der Atmosphäre, sondern auch von den Abläufen. Ich muss wie ganz am Anfang von den Bedienungen lernen. Wie deckt man ein? Wie läuft die Abrechnung? Darauf freue ich mich auch: wieder etwas Neues zu lernen.

Es wird sicherlich stressig im Zelt. Müssen Sie sich da extra vorbereiten?

Nein. Ich geh’ raus und fang an. Die einzige Vorbereitung ist die Freude. Ich zähle jetzt schon die Tage rückwärts.

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