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Whirlpool-Kino auf der Praterinsel - aber die Düsen müssen mit Filmbeginn abgestellt werden.
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Whirlpool-Kino auf der Praterinsel - aber die Düsen müssen mit Filmbeginn abgestellt werden.

Whirlpool-Cinema auf der Praterinsel

Kino-Erlebnis mal anders: "Pulp Fiction" im Hitze-Pool

München - Etwa 150 Menschen schauen gemeinsam „Pulp Fiction“ - an einem heißen Sommerabend in fast 40 Grad heißen Whirlpools.

Früher hat man sich so die Hölle vorgestellt: Runde, blubbernde Bottiche, in denen ganz langsam die Sünder garen. Es sind genau 30 Stück, in losen Reihen im Innenhof der ehemaligen Likörfabrik auf der Münchner Praterinsel aufgereiht. Sie sind nicht aus glühendem Eisen, sondern aufblasbar, aus Gummi, und das Wasser darin kocht nicht. Die Insassen können die Temperatur sogar selbst regulieren. An der Stirnseite des Innenhofs steht der Air-Screen: eine Leinwand, ebenfalls aufblasbar.

150 Tickets hat das Team von Whirlpool-Cinema für die München-Premiere ihres Events am Freitagabend verkauft. Um 19 Uhr ist ein Großteil der Gäste schon da. Für die Vorführung von „Pulp Fiction“ ist es noch zu hell. Und mit über 30 Grad Lufttemperatur eigentlich auch viel zu heiß. Die Leute sollen erstmal ankommen, sich etwas zu trinken holen, in Ruhe quatschen, erklärt Paul S. aus dem Team von Whirlpool-Cinema. Die Organisatoren des Abends sind daran zu erkennen, dass sie angezogen sind.

Das Risiko, den Pool teilen zu müssen, gehört dazu

Cornelia Nöst (48) und ihre zwei Jahre ältere „Busenfreundin“ haben kaum gezögert, bis sie sich für einen der Pools in der letzten Reihe entschieden haben. „Schön warm ist es“, sagt Nöst und grinst. Ihre Tochter hat sie auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht, die war bei Facebook drauf gestoßen. Sie wird sich bald zu den beiden Frauen gesellen. Den Film kennen sie nicht: „Irgendwas mit Drogen“, sagt Nöst. „Und mit John Travolta“, ergänzt ihre Sitznachbarin. „Der ist ja eher unsere Generation!“

Weiter vorne sitzt Steffen Wächter (25) mit seiner Freundin. Im Vergleich zu den beiden überschwänglichen Damen ist er noch etwas skeptisch: Auf der Karte stand, es geht um 19 Uhr los, jetzt muss er noch zwei Stunden warten. Außerdem stört die Düse des Gummipools, weil sie an der Rückseite platziert ist. „Und wenn jetzt auch noch vier Leute kommen...“, knurrt er. Es könnte eng werden.

Das Risiko gehört dazu: Manch glückliches Pärchen schafft es tatsächlich, einen Pool zu verteidigen und für sich zu behaupten. Die meisten müssen teilen oder rücken gleich zu sechst an. Wächter und seine Freundin bekommen bald Gesellschaft von einem zweiten Pärchen. Und es dauert auch nicht lange, bis sich ein eifriges Gespräch entwickelt.

Filmauswahl per Facebook

In weniger als einem Jahr hat sich aus dem Privatvergnügen Whirlpool-Kino ein kleines Unternehmen entwickelt. „Das war so ein Freundeskreis-Event“, erzählt Paul S. Der Kern des Teams stammt aus Berlin. Für alle, die dazugehören, ist das Whirlpool-Cinema momentan nur ein Nebenprojekt. S. schreibt gerade an seiner Masterarbeit, andere arbeiten im Event-Management oder in der IT. „Es ist einfach eine Leidenschaft“, strahlt der 29-jährige und schnell wird klar, dass die Organisatoren selbst ihre größten Fans sind.

Nach einer Location mit schwimmender Leinwand in Berlin und dem Skyline-Garden in Frankfurt ist München die dritte Station des Whirlpool-Cinemas. Zwei Tage hat das Team hier aufgebaut. Über die Filmauswahl wurde bei Facebook abgestimmt. Kurz nach 21 Uhr werden die Gäste aufgefordert, die Düsen abzudrehen. Die blubbern sonst zu laut. Die mächtigen Kastanien des Hofs sind bunt illuminiert. Bald hallen die Schüsse aus Jules Winnfields (Samuel L. Jacksons) Waffe durch den Innenhof. Die Badenden zucken zusammen.

Cornelia Nöst sitzt mal auf dem Rand des Pools, dann lässt sie sich wieder hineingleiten. Die Aufforderung, die Düse auszuschalten, hat sie frech ignoriert. Der Pool blubbert fröhlich vor sich hin. In einer Hand hält sie ein Sektglas, in der anderen eine Zigarette. „Wunderbar ist es, total lustig!“, lautet ihr Urteil. Und wie gefällt der Film? „Der Film ist wurscht!“

dpa

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