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Rammstein in München: Ärger vor Mega-Spektakel - Kulturverband geht auf Wirtschaftsreferenten los

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Von: Sascha Karowski

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Rammstein auf der Wiesn? Der Stadtrat entscheidet am Mittwoch. © Axel Heimken / dpa

Vor der Entscheidung über ein Rammstein-Konzert auf der Theresienwiese gibt es Anschuldigungen gegen Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU). Der Verband der Münchener Kulturveranstalter wirft ihm vor, der Konzertagentur Leutgeb Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

München - Das mögliche Rammstein-Konzert an Silvester auf der Theresienwiese mit 145 000 Besuchern erhitzt weiter die Gemüter. Am Dienstag schaltete sich der Verband der Münchener Kulturveranstalter (VDMK) mit einem offenen Brief in die Debatte ein. Darin greift der Verband, der 110 Hallenbetreiber und Kulturveranstalter vertritt, Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) an. Vorsitzender des VDMK ist David Süß, der für die Grünen im Stadtrat sitzt.

Rammstein in München: Verband der Kulturveranstalter greift Wirtschaftsreferent Baumgärtner an

Der Verband schreibt unter anderem, er habe das Referat für Arbeit und Wirtschaft wiederholt angefragt, ob für Open-Air-Veranstaltungen zusätzliche Flächen zur Verfügung gestellt werden könnten. „Das Referat wollte helfen, diese Flächen zu ermöglichen. Besonders diskutiert wurde die Galopprennbahn in Riem.“ Die Messe in Riem sollte als möglicher Ausweichort für die Zeit der Sanierung des Olympiastadions möglich gemacht werden, sollten keine anderen Orte gefunden werden. „Zur großen Überraschung des Verbandes“ seien im Sommer 2021 dann Pläne für drei Großkonzerte – Andreas Gabalier, Helene Fischer und Robbie Williams – im Jahr 2022 in der Messe bekannt geworden. Veranstalter: die Leutgeb Entertainment Group, die zuvor nicht in München veranstaltet habe. Auf die erbetene Stellungnahme des Referats dazu warte man bis heute.

Zuvor habe das Referat die Mitglieder des Verbandes aufgefordert, Großkonzerte nur im Olympiastadion durchzuführen. Von Anfragen zur Nutzung der Theresienwiese sei wegen der zu erwartenden Beschwerden durch Anwohner und die Einwände der Bezirksausschüsse abgeraten worden. Umso überraschender sei nun, dass Referent Baumgärtner die Agentur Leutgeb auch darin unterstütze, mit dem Rammstein-Konzert eine Veranstaltung auf der Theresienwiese durchzuführen. „Diese Veranstaltungsgesellschaft ist in die Lage versetzt worden, einen ungleichen Wettbewerb zu führen.“ Zumal Mitglieder des Verbandes selbst „bis zu vier Konzerte“ von Rammstein im Juni 2023 im Olympiapark vorbereiteten. Das Konzert auf der Theresienwiese torpediere diese Planungen völlig, und das Referat begründe die Silvesterveranstaltung auch noch „mit einer herausragenden Bedeutung für die Münchner Wirtschaft“.

Baumgärtner zu Rammstein in München: „Bevor ich solch ein Konzert an eine andere Stadt verliere ...“

Referent Baumgärtner erwidert, dass es vonseiten des Verbandes niemals eine konkrete Anfrage für eine Veranstaltung dieser Größenordnung gegeben habe. „Konzerte, die auf dem Olympiagelände möglich sind, sollen auch weiterhin dort stattfinden. Das Olympiastadion ist fraglos der Veranstaltungsort Nummer eins.“ Bei Helene Fischer seien 130 000 Besucher angekündigt, so Baumgärtner, „das geht nur auf dem Messegelände“. Zur Rammstein-Anfrage sagt der Referent: „Bevor ich solch ein Konzert an eine andere Stadt verliere, versuche ich es möglich zu machen. Aber letztlich muss es in dem Fall der Stadtrat entscheiden.“

Wie berichtet, gibt es eine Mehrheit aus SPD und CSU. Allerdings auch Vorbehalte. Die Genossen haben am Dienstag einen Änderungsantrag eingebracht. Darin wird zwar grundsätzlich Zustimmung signalisiert, allerdings obliege die endgültige Entscheidung der Genehmigung den Sicherheitsbehörden. „Wir würden uns freuen, wenn es klappt“, sagt SPD-Chefin Anne Hübner. „Aber natürlich hat die Sicherheit der Veranstaltung für uns höchste Priorität.“

Rammstein in München: Polizei und Kreisverwaltungsreferat lehnten Großveranstaltung bisher ab

Wie berichtet, sehen sowohl das Kreisverwaltungsreferat als auch die Polizei das Konzert sehr kritisch. KVR-Chefin Hanna Sammüller-Gradl (Grüne) sah vor allem die Kurzfristigkeit als Problem. Die übrigen Konzerte der Agentur hätten zum Teil ein Jahr Vorlauf.

Leutgeb war mit der Idee des Silvester-Konzertes an die Stadt herangetreten und hatte um Zustimmung bis 10. August gebeten. Andernfalls würde ein Ausweichstandort in Nordrhein-Westfalen gesucht. Den scheint es indes zumindest in Essen nicht mehr zu geben. Die Stadt lehnt die Pläne ab, wie die WAZ berichtet. Zwar gebe es Interesse, das Areal der Zeche Zollverein zu nutzen, die Größenordnung sei aber nicht zu bewältigen, sagte der Geschäftsführer von Essen Marketing, Richard Röhrhoff, dem Blatt. „Zwei Personen pro Quadratmeter – da wäre man bei 75 000 Quadratmetern.“ Und damit nicht genug: Hinzu kämen dann noch Flächen für Logistik, Gastronomie sowie Ausgleisfläche. „Das wären so 100 000 Quadratmeter. Das hat Nürburgring-Charakter.“ Deswegen sei solch eine Veranstaltung in Essen nicht denkbar.

Und in München – zumindest aus Sicht der Grünen– eher schwierig. „Für ein derartig großes Konzert auf der Theresienwiese gibt es keine Erfahrungswerte“, sagte Grünen-Chefin Mona Fuchs. Es müsste nun sorgfältig geplant werden. „Es ist zudem irritierend, dass die von vielen Behörden vorgetragene Kritik am Fehlen Sicherheits- und Emissionsschutzkonzepte vom Referenten einfach ignoriert wird.“ Solange kein Konzept vorliege, wie gefährliche Ballungen von Menschen vermieden werden können, und auch kein umfassendes Verkehrskonzept, seien diese Pläne nicht zustimmungsreif.

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