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Rechnungshof prüft Olympiabewerbung

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München - Der Bericht soll noch in diesem Monat vorliegen. Von Anfang an litt die Kampagne unter finanziellen Problemen.

Die Olympiabewerbung für 2018 hat vier Jahre nach ihrem Scheitern womöglich ein Nachspiel. Der Bayerische Rechnungshof will diesen Monat das Ergebnis einer langwierigen Überprüfung der Bewerbungsgesellschaft vorlegen. „Konkreter Anlass für die Prüfung war das finanzielle Risiko des Freistaats für den nicht von privaten Mitteln gedeckten Finanzierungsaufwand der Gesellschaft“, teilte der Rechnungshof auf Anfrage mit. Eigentlich befindet sich die Gesellschaft schon seit September 2011 in Liquidation, nach Recherchen des WDR-Magazins „Sport inside“ hat der Deutsche Sportbund bis heute aber keinen Bericht vorgelegt.

Der DOSB war mit 51 Prozent an der Gesellschaft beteiligt, München mit 30, der Freistaat mit neun Prozent. Auch die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen und der Kreis Berchtesgadener Land hielten mit acht beziehungsweise zwei Prozent Anteile. Von Anfang an kämpfte die Bewerbung mit Finanzproblemen: Sponsoren sprangen nicht so begeistert auf den Olympiazug auf, wie sich die Organisatoren erhofft hatten. Freistaat und Stadt mussten mit Finanzspritzen beispringen. Drei Monate vor dem Vergabetermin fehlten sieben Millionen im Budget. Mitte 2010 schlug der damalige Bewerbungschef Willy Bogner Alarm. „Wir bewegen uns an der Grenze zur Überschuldung und des Konkurses“, schrieb der ehemalige Sportstar in einem Brandbrief.

Nach heftigem internen Streit wurde das Budget um drei Millionen auf 33 erhöht. Bogner, der mehr wollte, zog sich wenige Monate später von der Spitze der Gesellschaft zurück – aus gesundheitlichen Gründen, wie es offiziell hieß. Der Rechnungshof prüft nun sowohl die Einnahmen wie die Ausgaben der Gesellschaft. Es wäre nicht die erste Bewerbung, bei der die Prüfer fündig würden: Der Berliner Bewerbung für 2000 attestierte der dortige Rechnungshof später, acht Millionen Euro verschwendet zu haben.

In München warfen Olympia-Gegner den Organisatoren im wieder vor, selbst unter den Sponsoren auf Betriebe der öffentlichen Hand zurückzugreifen: von Lotto Bayern über Olympiapark und Flughafen bis zu den Stadtwerken. Die Arbeit der Kassenprüfer, die die Geschäftsjahre 2008 bis 2012 unter die Lupe nahmen, zog sich in die Länge, auch weil die Mitarbeiter der Gesellschaft heute in alle Himmelsrichtungen verstreut sind. Es sei „schwierig und sehr zeitaufwändig“ gewesen, alles aufzuklären. Immerhin: Der letzte Geschäftsführer war leicht zu finden: Bernhard Schwank ist heute im DOSB-Vorstand zuständig für Olympiabewerbungen.

Mike Schier

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