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Tierarzt Markus Baur von der Reptilienauffangstation mit 20 kleinen Pantherschildkröten.

Verzweifelter Appell der Tierschützer an die Politik

Reptilienauffangstation vor dem Aus: "Dann bleibt nur Einschläfern"

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München - Die Reptilienauffangstation steht vor dem Aus. Die Tierschützer richten nun einen verzweifelten Appell an die Politik.

Markus Baur hat den Biss einer Kobra überlebt. Der Leiter der Reptilienauffangstation, ein kerniger Typ mit Pferdeschwanz und Ziegenbart, ist hart im Nehmen. Von seinen Schützlingen – Schildkröten, Kaimanen, Pythons – erzählt er mit sanfter Stimme. Doch wenn es darum geht, wie es um die Auffangstation bestellt ist, wird er laut, gerät in Rage. Ein Ausdruck seiner Verzweiflung.

Baur berichtet von den 100 Giftschlangen, die im Keller zusammengepfercht auf 15 Quadratmetern hausen. Von der 5,20 Meter großen Python, die in der Damentoilette kauert. Unhaltbare Zustände – für die Tiere und die Mitarbeiter. „Die Sicherheit für das Personal ist hier nicht mehr gegeben“, sagt er. Nun droht der Reptilienstation das Aus – weil der Freistaat das Geld für den dringend benötigten Neubau nicht im Haushalt eingeplant hat (wir berichteten). Am Montag hat Baur alle Geschütze aufgefahren, um nochmals auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen. Er hat eine Pressekonferenz einberufen, mit der Unterstützung von vielen anderen Tierschützern: Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes ist gekommen, der Direktor des Tierparks Hellabrunns, die Leiterin des Münchner Tierheims. Sie alle betonen, welch wichtige Arbeit die Auffangstation an der Kaulbachstraße leistet – nicht nur für München, sondern bundesweit.

Baby-Pantherschildkröten - ausgewachsen bis zu ein Meter groß

Zur Konferenz hat Baur kurzerhand ein paar seiner Problemkinder mitgebracht: 20 kleine Pantherschildkröten, artgeschützt, noch kein Jahr alt – ausgewachsen werden die süßen Babys bis zu einen Meter groß. Die Tiere wurden vergangene Woche an der österreichischen Grenze beschlagnahmt, zusammen mit 217 Hundewelpen. Die Tierschützer werfen dem Umweltministerium vor, angeordnet zu haben, die Tiere wieder in ihre Heimatländer zurückzuschicken. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, forderte in diesem Kontext gar den Rücktritt von Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU).

Die Tiere durften dann doch bleiben – doch nun müssen die ohnehin überfüllten Tierheime und Auffangstationen schauen, wo sie sie unterbringen. „Die Politik brüstet sich mit dem Tierschutz“, sagt Sandra Giltner, Leiterin des Münchner Tierheims. „Die Tiere werden weggenommen, aber wo werden sie dann untergebracht?“ Die Verantwortung werde auf den Schultern privater Initiativen abgeladen. Und nun stehe eine eben solche, die Reptilienauffangstation, vor der Schließung – „ein absoluter Wahnsinn“, findet Giltner. Und wählt drastische Worte: „Dann bleibt nur Einschläfern.“

"Ein absoluter Wahnsinn"

Die Tötung der Tiere habe man ihnen schon öfter nahegelegt, erzählt Patrick Boncourt, Sprecher der Reptilienauffangstation. Wenn auch indirekt. Er sagt: „Unter der Hand hieß es oft: Könnt ihr das Füttern nicht einstellen?“ Boncourt nennt keine Namen. Der Präsident des Deutschen Tierschutzverbandes, Thomas Schröder, wird etwas deutlicher: „Im Umweltministerium hieß es: Muss man die Tiere denn so lange leben lassen, wenn sie nicht vermittelbar sind?“ Ein Vorwurf der schwer wiegt, schließlich ist der Tierschutz im Grundgesetz verankert.

Schröder will mit seiner Aussage eine klare Ansage der Umweltministerin provozieren, gibt er offen zu. „Sie ist nicht bereit, in den Tierschutz zu investieren.“ Um die Reptilienauffangstation zu retten, geht es derzeit zunächst um eine Summe von 200 000 Euro. Der Verein hat in Neufahrn ein Grundstück für einen Neubau gekauft, nun müssen die Erschließungskosten gezahlt werden. 25 Millionen Euro soll das Neubau-Projekt insgesamt kosten. Eine nicht unerhebliche Summe, doch die Abgeordneten im Landtag hätten den Verein stets ermutigt, sagen die Tierschützer. Eine konkrete Zusage gab es allerdings nie.

Ohne finanzielle Unterstützung würden im Frühjahr rund 1000 Tiere ihr Zuhause und 15 Mitarbeiter ihren Job verlieren.

Wer für die Reptilienauffangstation spenden möchte

Spendenkonto:

Auffangstation für Reptilien, München e.V.

Kontonummer: 988154

Bankleitzahl: 701 900 00

Münchner Bank

IBAN: DE83 7019 0000 0000 9881 54

BIC: GENODEF 1M01

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