Stadt schließt Haftung für Bombe aus

Millionenschäden: Wer bezahlt das alles?

  • Johannes Löhr
    VonJohannes Löhr
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München - Wer bezahlt die Schäden von Schwabing? Betroffene müssen nach der Detonation der Fliegerbombe klären, ob in ihrem Fall die „Kriegswaffenklausel“ greift. Die Stadt schließt eine Haftung aus.

Die Bombe ist hochgegangen, die Folgen für Altschwabing werden begutachtet – wer die Schäden, die in die Millionen gehen, bezahlt, ist nicht letztgültig geklärt. Die meisten Mieter und Hausbesitzer können aber wohl aufatmen: Sie können die Schäden wahrscheinlich bei ihrer Versicherung geltend machen.

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Bei der Bayerischen Hausbesitzerversicherung sei eine Explosion in der Regel eine mitversicherte Gefahr im Rahmen der Feuerversicherung, erklärte Michael Koch von der Hausbesitzervereinigung „Haus + Grund München“ gestern. Dabei sei es unerheblich, ob es sich um eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. „Wenn etwas in die Luft geht, geht etwas in die Luft.“

Feuerball über München: Bombe in Schwabing gesprengt

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Das stimme nicht ganz, sagt Sabine Schaffrath von der Allianz. „Eine Fliegerbombe fällt eigentlich unter die Kriegswaffenklausel und ist damit grundsätzlich von der Versicherung ausgeschlossen.“ Allerdings zahle die Allianz in diesen Fällen seit Jahrzehnten trotzdem. Genauso verfährt die Versicherungskammer Bayern, die etwa 70 Prozent der Wohngebäude im Freistaat versichert hat. Schäden am Haus seien durch die Gebäudeversicherung gedeckt, sagte Sprecherin Claudia Scheerer. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft rät Mietern und Eigentümern, sich umgehend mit ihrer Versicherung in Verbindung zu setzen. Die Kriegswaffenklausel werde von manchen Unternehmen angewandt.

Im Inneren von Gebäuden entstandene Schäden decke die Hausratsversicherung ab, sagte Schaffrath, kaputte Schaufenster die Glasversicherung. Geschäftsleute könnten die „Betriebsunterbrechungsversicherung“ oder eine „Ertragsausfallsversicherung“ in Anspruch nehmen. Bedingung dafür sei aber, dass das Haus beschädigt wurde. Michael Koch erinnert sich: „Als 2007 halb Koblenz wegen einer 500-Kilo-Bombe gesperrt worden war, verklagte ein Gastronom die Stadt wegen entgangenem Gewinn. Er ist über zwei Instanzen gegangen und hat beidemale verloren.“

Laut Bundesgesetz müsste die Stadt nur haften, wenn bei dem Einsatz nicht sorgfältig gearbeitet wurde. Peter Lueg vom Kreisverwaltungsreferat betonte allerdings, Amtshaftungsansprüche gebe es nicht. Die Sprengung sei „nach allen Regeln der Kunst“ erfolgt, Folgeschäden seien unvermeidbar gewesen. Er sprach von einem „Fall höherer Gewalt in Form von Kriegsspätfolgen“. Lueg sicherte eine schnelle Prüfung der rechtlichen Fragen zu.

Letzteres betonte auch ein Sprecher der Hamburgischen Immobilien Handlung, der das Grundstück gehört und die dort bauen will. Für eine „offizielle umfassende Stellungnahme“ sei es aber „noch zu früh“. Dennoch stellte er klar, die Bombe sei nicht bei Bauarbeiten gefunden worden, wie anfangs kolportiert wurde. „Es handelte sich um bauvorbereitende Maßnahmen.“ Dazu gehöre auch die Sondierung des Grundstücks auf Kampfmittel. „Das ist üblich, schließlich kann man bei einem solchen Grundstück nicht einfach drauflos bauen. Das von uns beauftragte Unternehmen hat gezielt nach Bomben gesucht.“

Man fand eine, und deshalb sei der Freistaat ins Spiel gekommen, erklärte ein Sprecher des Bayerischen Innenministeriums. „Als freiwillige Leistung schicken wir dann den Kampfmittelbeseitigungsdienst.“ Wie viel dieser 35-stündige Einsatz, bei dem ein Experte aus Brandenburg hinzugezogen werden musste, gekostet hat, müsse man noch klären. Jährlich gibt der Freistaat 700 000 Euro für die Kampfmittelräumung aus. „Letztes Jahr haben wir in über 1000 Fällen 40 Tonnen Kampfmittel gefunden“, so der Sprecher, „darunter 214 Bomben. Oft handelt es sich aber auch nur um Patronen.“

Johannes Löhr

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Rubriklistenbild: © dpa

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