1. Startseite
  2. Lokales
  3. München
  4. München Zentrum

Brotzeit-Ärger! Biergarten nahe München bricht mit uralter Tradition - „gastfeindlich und unbayrisch“

Erstellt:

Von: Claudia Schuri

Kommentare

In der Schloßallee Haag sorgen selbst mitgebrachte Speisen für Ärger. Jetzt gibt es ein Verbot.
In der Schloßallee Haag sorgen selbst mitgebrachte Speisen für Ärger. Jetzt gibt es ein Verbot. © Lehmann

Es ist eine Tradition: Im Biergarten darf eigenes Essen mitgebracht werden. Doch manche Wirte beklagen Probleme – und in einem Garten sind die Speisen gar nicht mehr erwünscht.

München - Sonnenschein und Osterfeiertage – perfekt für einen Biergarten-Besuch. Also schwangen sich die Münchner Silke Botzenhardt (56) und Werner Riesinger (60) aufs Radl und machten sich auf den Weg in den Landkreis Freising. Ihr Ziel: der Biergarten Schloßallee Haag. „Wir kennen den Biergarten von früher“, sagt Riesinger. „Er hatte immer einen hervorragenden Ruf.“

Doch am Eingang erwartete sie ein Schild: „Der Verzehr von selbst mitgebrachten Speisen und Getränken ist untersagt.“ Botzenhardt und Werner Riesinger hatten eine Brotzeit mit Käse, Brot und Eiern dabei. „Die haben wir dann nicht ausgepackt, sondern im Korb gelassen“, erzählt er. „Wir haben nur etwas getrunken und später daheim gegessen.“ Die Regel ärgert ihn. „In keinem Biergarten in München ist uns bisher so ein gastfeindliches und unbayrisches Verhalten untergekommen“, sagt er. „Auch andere Gäste waren überrascht.“

Werner Riesinger und Silke Botzenhardt nahmen ihre Brotzeit wieder mit nach Hause.
Werner Riesinger und Silke Botzenhardt nahmen ihre Brotzeit wieder mit nach Hause. © Oliver Bodmer

Biergarten-Betreiber beklagt Ausnutzen der Tradition: „Das ist nicht Sinn der Sache“

Alexander Moser, einer der Betreiber, dagegen betont: „Das Schild polarisiert. Aber natürlich darf eine kleine Brotzeit mit einem Stück Käse, Aufschnitt, Brot oder Radieserl weiter mitgebracht und auch gerne gegessen werden.“ Vielmehr ginge es um Gäste, die es übertrieben hätten. Manche seien mit Braten und Knödel in Wärmeboxen angerückt, hätten Buffets an mehreren Tischen aufgebaut, sich Pizzen liefern lassen oder sogar einen Grill mitgebracht. „Das ist nicht Sinn der Sache und auch nicht Tradition“, sagt er. Außerdem weist er darauf hin: „Unsere Stände wollen auch ein Geschäft machen.“

Gäste nutzen Biergarten als „schöne Sitzgelegenheit“ aus

„Es gibt immer wieder Gäste, die den Biergarten nur als schöne Sitzgelegenheit nutzen“, sagt auch Frank-Ulrich John, Sprecher des Bayerische Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. „Da ist es verständlich, wenn der Wirt Einschränkungen macht. Er muss ja auch von etwas leben können.“ Immerhin: „In den allermeisten Fällen funktioniert es gut.“ Dass in Biergärten die eigene Brotzeit gegessen werden darf, geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Damals wurde das Bier vor allem am Isarhochufer gelagert. Viele Wirte hatten nur das Schankrecht – und damit die Leute das Bier besser vertrugen, durften sie ihre eigenen Speisen mitnehmen.

Die Regeln der bayerischen Biergartenverordnung

Heute regelt die bayerische Biergartenverordnung, dass in echten Biergärten eigene Brotzeiten verzehrt werden dürfen. „Damit gemeint sind einfache Speisen“, erklärt DEHOGA-Sprecher Frank-Ulrich John. Voraussetzung: Es handelt sich um einen echten Bier- und nicht um einen Wirtsgarten. Kriterien dafür sind zum Beispiel der Gartencharakter mit großen Bäumen und unbefestigtem Boden sowie Selbstbedienung. „Dann darf der Wirt abends auch länger öffnen“, erklärt John. Festgelegt für Biergärten ist eine Zeit von 7 bis 23 Uhr. Macht der Wirt von diesem Sonderrecht nicht gebraucht, könne er theoretisch alle mitgebrachten Brotzeiten verbieten. „Es gehört zum Hausrecht zu sagen, dass nur dort gekaufte Speisen verzehrt werden dürfen.“

Münchner Biergärten handhaben die Sache auf ihre Art: „Bei uns gibt es deswegen gar keine Probleme“

In vielen Münchner Biergärten mit Selbstbedienungsbereich wird die Tradition aber weiter gepflegt. „Bei uns gibt es deswegen gar keine Probleme“, sagt Silja Schrank-Steinberg vom Hofbräukeller. „Die meisten bringen zum Beispiel einen Salat mit und kaufen dann bei uns sowieso noch was ein. Ich finde es ganz nett, wenn die Gäste zum Beispiel ihr Tischdeckerl auspacken.“ Auch in der Hirschau darf die Brotzeit mitgebracht werden. „Das macht einen Biergarten ja auch aus“, findet Wirt Lukas Spendler. „Aber es sind sowieso nicht so viele Gäste, die das machen. Und die Getränke werden selbstverständlich dann vor Ort bei uns gekauft.“

Petra Vogler vom Augustiner-Keller betont ebenfalls: „Wir hegen und pflegen die schöne Tradition, dass im selbstbedienten Bereich die Gäste ihre Brotzeit mitnehmen können.“ Was sie aber ärgert: „Immer mal wieder kommt es vor, dass Gäste versuchen, auch etwas zum Trinken einzuschmuggeln.“ Diese Erfahrung hat auch Johann Eichmeier vom Hirschgarten gemacht. „Dann sprechen wir die Leute an“, sagt er. Essen darf mitgebracht werden. Ärgerlich sei aber, wenn der Müll dagelassen werde.

Regelmäßig, kostenfrei und immer aktuell: Wir stellen Ihnen alle News und Geschichten aus München zusammen und liefern sie Ihnen frei Haus per Mail in unserem brandneuen München-Newsletter. Melden Sie sich sofort an!

Auch interessant

Kommentare