Stadt plant weitere Flüchtlingsunterkunft

München - In einem Altbau an der Lindwurmstraße sollen ab kommendem Frühjahr bis zu 20 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterkommen. Dadurch soll eine intensive Rund-um-die Uhr-Betreuung gewährleistet werden.

Die Stadt plant ein Wohnheim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) in Sendling. Im kommenden Jahr sollen in dem Altbau an der Lindwurmstraße 189 rund 20 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 21 Jahren unterkommen. Den großen Bedarf an Betreuungsplätzen wird die Stadt damit aber nicht decken können.

Immer mehr unbegleitete jugendliche Flüchtlinge kämen nach München, sagt Thomas Gangkofner, Leiter von „Just M“, dem Jugendhilfeverbund der Stadt. Im vergangenen August waren 882 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in München. Davon leben aktuell 663 in Jugendhilfeeinrichtungen. Der Rest wartet momentan noch auf eine Abklärung.

Das Haus an der Lindwurmstraße gehört einem privaten Eigentümer. Der Mietvertrag sei vorbereitet, aber noch nicht unterschrieben. Wenn alles klappe, würden die neuen Bewohner im Frühjahr 2012 einziehen, so Gangkofner. Sie sollen dann zu zweit oder dritt in den Wohnungen leben, einer Ausbildung oder einer geregelten Arbeit nachgehen und von „Just M“ auf dem Weg in ein selbstständiges Leben in Deutschland begleitet werden. Nur einen knappen Kilometer entfernt, an der Implerstraße 51, gibt es bereits eine ähnliche Einrichtung. Der Bezirksausschuss will sich in seiner kommenden Sitzung mit dem Thema befassen.

Die meisten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sind männlich. Sie kommen aus Somalia, Afghanistan und dem Irak. Sie haben ihre Eltern und Geschwister in der Heimat zurückgelassen und sich alleine nach Europa durchgeschlagen. Wenn sie in München landen, bringt die Regierung von Oberbayern sie zunächst in der Erstaufnahmeunterkunft in der ehemaligen Bayernkaserne unter, wo sie auf ihr Asylverfahren warten.

„Dort werden sie eher verwaltet als betreut“, sagt Niels Espenhorst, Sprecher des „Bundesfachverbands für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ (B-UMF) mit Sitz in München. Die Jugendlichen seien oft schwer traumatisiert und bräuchten eigentlich eine intensive Rund-um-die Uhr-Betreuung.

Im Idealfall bleiben die Jugendlichen nicht länger als drei Monate in der Bayernkaserne. Weil adäquate Plätze fehlen, wird daraus aber meist ein längerer Aufenthalt. Erst dann geht es in eine der rund 50 Jugendhilfeeinrichtungen, wo die Flüchtlinge individuell betreut werden sollen.

Doch selbst wenn ein Betreuungsplatz gefunden ist, sei dieser nicht unbedingt geeignet, betont Espenhorst. „Weil es kaum Unterbringungsplätze gibt, packt man die Jugendlichen in irgendwelche Einrichtungen, egal, ob die zu ihnen passen, oder nicht.“ Manche würden dort unterversorgt, andere überversorgt. Espenhorst: „Ein 16-Jähriger, der selbstständig ist und gut zurecht kommt, muss nicht unbedingt um zehn im Bett sein."

Anna Schmid

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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