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Schwer lädiert: Der Milchbar-Gast nach der Tat. foto: privat

Streit ums Trinkgeld: Besucher in Milchbar verprügelt

München - Weil ein Besucher der „Milchbar“ nach dem Klogang kein Geld gab, gingen Toilettenfrau und Türsteher auf ihn los - und müssen nun eine Geldstrafe zahlen

Eigentlich wollte Michael M. (24, Name geändert) nur mal auf die Toilette. Mit Kollegen war er in der „Milchbar“ nahe dem Stachus feiern, hatte einiges getrunken. Doch was er wenige Minuten später im Treppenhaus des Clubs erlebte, beeinträchtigt ihn bis heute: Michael M. wurde verprügelt - von der Toilettenfrau und einem Türsteher. Der Auslöser: Das fehlende Trinkgeld für die Frau. Beide Täter sind nun in zweiter Instanz vom Landgericht München I zu Geldstrafen wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Noch im Gerichtssaal überreichten sie Michael M. zudem jeweils 600 Euro Schmerzensgeld.

Der Vorfall, um den es geht, liegt mittlerweile fast zwei Jahre zurück. Am 19. Dezember 2011 ging der Vertriebsangestellte Michael M. mit seinen Arbeitskollegen zunächst aufs Winter-Tollwood, danach in die Milchbar. „Gegen drei Uhr morgens ging ich zum dritten Mal an diesem Abend auf die Toilette“, erinnert er sich. Die Toilettenfrau sei wütend gewesen, weil er ihr - wie schon bei den beiden Malen zuvor - kein Trinkgeld gab. „Sie ist mir hinterher gelaufen und hat mich gepackt. Als ich mich umdrehte, hatte ich schon ihre Faust im Gesicht.“ Er wehrte sich mit einem Schlag, das Gericht ging später davon aus, dass er die 32-jährige Toilettenfrau dabei mit seinem Glas im Gesicht verletzte. Sie behauptet, er habe zuerst zugeschlagen. Nun kam einer der Türsteher dazu. Ein kräftiger Mann, damals 22 Jahre alt. Er zerrte Michael M. durch eine Nebentür ins Treppenhaus des Clubs an der Sonnenstraße. Die Toilettenfrau ging hinterher - und gemeinsam traten sie auf den Gast ein. Mindestens drei Mal trafen sie ihn am Kopf. „Ich hatte danach einen Schuhabdruck an der Stirn“, sagt Michael M. Tatsächlich sind der Abdruck und weitere blaue Flecken und Kratzer am nächsten Tag deutlich zu erkennen (siehe Foto). Michael M. konnte einige Tage nicht arbeiten gehen - und erstattete Anzeige gegen die beiden Mitarbeiter der Milchbar.

Eine erste Entscheidung fiel im Januar dieses Jahres: Das Amtsgericht München verurteilte sowohl den Türsteher als auch die Toilettenfrau zu jeweils acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Toilettenfrau verlor deshalb ihren Job in der Milchbar, auch der Türsteher wechselte das Metier und ist heute Dachdecker - weil er, so sein Anwalt, „nie wieder so einen Ärger haben wollte“. Weil aber beide Verurteilten in Berufung gingen, landete der Fall nun vor dem Landgericht.

Dort ließ der Richter gestern schnell durchblicken, dass er bereit wäre, die Haftstrafe in eine Geldstrafe umzuwandeln - sofern die Angeklagten einen Täter-Opfer-Ausgleich leisten und Michael M. jeweils 600 Euro Schmerzensgeld zahlen. Darauf waren die beiden von ihren Anwälten vorbereitet worden: Noch in der Verhandlung überreichten sie das Geld in bar. Anschließend verurteilte der Richter die Toilettenfrau, die derzeit von Sozialhilfe lebt, zu 90 Tagessätzen á 13 Euro (1170 Euro) und den dachdeckenden Ex-Türsteher zu 90 Tagessätzen á 25 Euro (2250 Euro). Das Gericht wertete es zu ihren Gunsten, dass Michael M. die Frau vor der Prügelei möglicherweise provoziert hatte. Der große Vorteil für die beiden Angeklagten: Diese Verurteilung wird nicht in ihrem Führungszeugnis auftauchen - anders wäre es bei der Bewährungsstrafe gewesen.

Auch Michael M. kann mit diesem Urteil leben. Er hat sich von seinen Verletzungen erholt - doch wenn er seither in einem Club auf die Toilette geht, geht er nicht allein. „Ich bin vorsichtiger geworden“, sagt er.

Ann-Kathrin Gerke

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