Im besetzten Audimax der LMU forderten Studenten vor gut einem Jahr unter anderem eine Reform der neuen Bachelor-Studiengänge. Foto: Klaus Haag

Studie: Noch immer Reformbedarf beim Bachelor

München - Viel wurde am Bachelor gebastelt. Mit Erfolg, so eine Studie des Freistaats. Aber es besteht weiter Reformbedarf: So lassen sich Uni und Job noch immer schwer verbinden.

Sie haben die Studenten im Herbst 2009 auf die Barrikaden gebracht: Die überfrachteten und überhastet eingeführten neuen Bacherlorstudiengänge. Eine Reform der Bologna-Reform war die Folge, deren Früchte nun reif werden. Erfolge bescheinigt ihr eine Studie des bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung (IHF). Einiges liege aber noch im Argen, so ein aktuelles Zwischenergebnis der Untersuchung, mit der der Freistaat die Einführung der neuen Studiengänge untersuchen lässt.

Zur Überraschung vieler kritisiert die Studie die Reduzierung der Prüfungen auf eine pro Modul, in dem mehrere Lehrveranstaltungen zusammengefasst sind. Diese Empfehlung hatte die Konferenz der Kultusminister auf dem Höhepunkt der Proteste gegeben. „Weniger ist nicht gleich besser“, hieß es auf einer Expertentagung im IHF.

Das sagen in der Studie auch knapp drei Viertel der Dozenten, die in den 20 untersuchten Studiengängen den Bachelor koordinieren. Eine ähnliche Aussage treffen die entsprechenden Fachschaften, deren Aussagen aber bisher nur gut zur Hälfte ausgewertet sind. „Seltene und große Prüfungen sind nicht unbedingt entlastend“, so Sandra Mittag vom IHF. Man könne stattdessen auch Prüfungen über das Semester verteilen.

An der Münchner LMU zeigt man sich zufrieden mit der Reform der Reform. Das Studium sei entschlackt und flexibler, sagt der Bologna-Beauftrage der LMU, Oliver Jahraus. Weniger wichtigen Stoff habe man herausgefiltert und setze stärker auf Kompetenzvermittlung. Die Studenten können ihre Lehrveranstaltungen flexibler wählen.

Mit der Empfehlung der Kultusminister fahre man aber gut. Flächendeckend heiße der Grundsatz an der LMU jetzt: Eine Prüfung pro Modul, in dem mehrere Veranstaltungen zusammengefasst sind.

In der IHF-Studie fällt auf: Die Studenten äußern sich grundsätzlich recht zufrieden mit dem Bachelor, wie er heute ist. Mängel sehen sie aber bei der Informationspolitik: Die Satzungen für das Studium seien oft schwer zu durchschauen oder teils nicht aktuell. Dieser Kritik schließt sich das IHF an. Internet-Auftritte geben auch häufig Anlass zu Kritik, weil sie Infos zu Studiengängen oft schwer verständlich und unübersichtlich präsentieren.

Probleme gebe es auch immer noch bei der Anerkennung von Studienleistungen aus dem Ausland. Das Ergebnis sei „ernüchternd“, die Bologna-Vorgaben seien nicht konsequent umgesetzt. Manche Unis verlangen, dass die Studieninhalte im Ausland den gleichen Inhalt haben sollen wie daheim. Auch wird offenbar noch häufig verlangt, dass die Studenten beweisen, ob die Leistungen anerkennungsfähig sind.

Zudem fordert das IHF reguläre Teilzeitstudiengänge. Zurzeit ist es nur schwer möglich, zu studieren und gleichzeitig zu arbeiten. Laut den Autoren der Studie sind für Teilzeitstudiengänge „bei Bologna Chancen drin, die noch gar nicht ausgeschöpft sind“. Der Bedarf ist da: Laut Deutschem Studentenwerk haben 66 Prozent der Studenten im Erststudium einen Nebenjob.

An der LMU dreht sich das Thema Bachelor weiter. 2010 hat eine Kommission Vorschläge erarbeitet, über die am Montag die erweiterte Hochschulleitung entscheidet. Dazu gehört, dass der Bachelor grundsätzlich weiter drei Jahre dauern soll, der Master zwei. Ausnahmen sollen aber möglich sein.

Kolja Kröger

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