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Leben im Wagen, zu jeder Jahreszeit. Katrin füttert am Standplatz in der Tumblingerstraße die Hühner.

Weg aus dem Schlachthofviertel

Wagenburg Olga zieht nach Obersendling

München - Bis zum 15. Juli muss das alternative Wohnprojekt "Olga" mit seinen bunten Wagen den bisherigen Standort an der Tumblingerstraße verlassen. Das Kommunalreferat will der Gruppe nun eine Fläche in Obersendling vermieten. Doch dagegen rührt sich Widerstand.

Wohin zieht die Wagenburg Olga? Die Zeit drängt. 20 Erwachsene und sechs Kinder leben seit September 2014 in der Wagenburg am Rande des Schlachthofviertels in ausgebauten Bau-, Last- und Zirkuswagen. Das Wohn- und Kulturprojekt, das „einen Beitrag zur Vernetzung und zum Miteinander“ leisten will, existiert bereits seit sechs Jahren in München. Nun wird es eng für die Gruppe. Sie muss das Grundstück an der Tumblingerstraße räumen, weil dort in Kürze der Bau einer neuen Grundschule startet.

Die Brache an der Boschetsrieder- und Aidenbachstraße ist bereits seit längerem im Gespräch als Ausweichquartier. Doch zuletzt schien sich eine Fläche in Ramersdorf als neue Heimat herauszukristallisieren. Zumindest hieß es im April, die Verhandlungen zwischen dem Stattpark Olga und der Stadt stünden kurz vor dem Abschluss. Doch daraus wurde nichts, die Pläne platzten.

Dass das Kommunalreferat nun in Richtung Obersendling umschwenkt, sorgt dort für gemischte Gefühle. Und nicht nur dort. Auch im Stadtrat wird um den neuen Standort gerangelt. Richtig sauer ist der CSU-Stadtrat Michael Kuffer: „Die Stadt ist nicht verpflichtet, für solche Projekte Grundstück zu suchen.“ Das sei den Bürgern nicht mehr plausibel vermittelbar. „Das stadteigene Grundstück könnte auch in anderer Hinsicht sinnvoll genutzt werden“, ärgert sich Kuffer – etwa als Spiel- und Freizeitfläche für Kinder und Jugendliche.

In Stadtratskreisen war zuletzt zu hören gewesen, dass die Stadt die endgültige Entscheidung vom Votum des Obersendlinger Bezirksausschuss abhängig machen wolle. Im zuständigen Bezirksausschuss stellten gerade Vertreter von Olga ihr Wohn- und Kulturprojekt vor. Eine vertrauensbildende Maßnahme, die auch Bernhard Fuchs vom Kummunalreferat unterstützte: „Wir haben nur gute Erfahrungen mit dem Projekt gemacht.“

Trotzdem gelang es nicht, der CSU die Wagenburg schmackhaft zu machen. Sie forderte, das Grundstück Kindern und Jugendlichen zur Verfügung zu stellen. Für diese gebe es kein Angebot im Viertel. Viele turnten deshalb auf dem benachbarten Dach der Park-and-Ride-Anlage herum, so die CSU-Stadträtin Manuela Olhausen.

Grüne und SPD, sprachen sich dageben mehrheitlich für den Umzug Olgas nach Obersendling und für die Vermietung der rund 2500 Quadratmeter großen Teilfläche aus. „Wir sehen in dem Projekt eine sehr positive sozio-kulturelle Bereicherung des Ortsteils“, so unter anderem die Begründung.

Viel Wind um eine Übergangslösung. Denn klar ist schon jetzt, dass die Gruppe ihre bunte Wagenburg auf der Schotterfläche ohnehin nur zwei Jahre aufstellen könnte. Denn dann startet auch dort etwas ganz anderes: der Bau einer Grundschule und die Umgestaltung des Ratzinger Platzes.

Brigitta Wenninger

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