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Shopping am zweiten Adventssamstag in der Münchner Innenstadt.

Weihnachtsgeschäft

Der Handel wartet noch aufs Christkind

Die Halbzeitbilanz des Münchner Weihnachtsgeschäfts fällt durchwachsen aus. Die Kunden waren am zweiten Adventssamstag eher zurückhaltend. Einzelhandelsvertreter klagen, Textil- und Wintersportartikel lägen wie Blei in den Regalen.

Die Temperaturen milde, das Wetter sonnig – da klingt es fast paradox, wenn Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbandes Bayern (HBE), sagt: „Es ziehen Wolken auf.“ Ohlmann meint das freilich im übertragenen Sinne, bezogen auf die Auswirkungen fürs Weihnachtsgeschäft. Der psychologische Faktor spielt hier nämlich eine Rolle. Winterliche Stimmung mit Schnee kurbelt die Kauflaune an, regnerisches Schmuddelwetter oder warme Temperaturen eher nicht. Diese Erfahrungen seien belegbar, sagt Ohlmann. Insofern hegt der HBE-Sprecher einen Wunsch: „Hoffentlich kommt bald der Winter.“ Denn: „Der Münchner Einzelhandel ist bislang vom Christkind enttäuscht.“

Prinzipiell sind die Erwartungen der Wirtschafts-Auguren nicht schlecht. In München rechnet der Handelsverband Bayern mit einem Umsatzplus von mindestens zwei Prozent, in absoluten Zahlen etwa zwei Milliarden Euro. Laut einer Umfrage der Münchner Hochschule für Ökologie und Management (FOM) steigen in Bayern die Ausgaben der Konsumenten für Weihnachtsgeschenke um 3,1 Prozent auf durchschnittlich 495 Euro pro Kopf. Für Ohlmann ist klar: „München liegt aufgrund ihrer hohen Kaufkraft tendenziell nochmal über diesem Wert.“

Sollte der Winter aber ausbleiben, würden vor allem der Textilhandel und Sportgeschäfte leiden, sagt Ohlmann. Man dürfe sich nicht davon täuschen lassen, dass die Innenstadt auch am zweiten Wochenende „rappelvoll“ gewesen sei. Die Kauflaune habe dies nicht befördert. „Die Leute haben eher an Biergarten als an Weihnachten gedacht.“ Gut sei das Geschäft im Segment Parfüm, Uhren und Schmuck verlaufen.

Ähnlich äußert sich Wolfgang Fischer, Geschäftsführer der Stadtmarketinggesellschaft „City Partner“. Die Einschätzung Ohlmanns über die bisherigen Verkaufsschlager sowie die zögerliche Haltung bei Textil- und Wintersportartikeln teilt er, genauso wie die negative Auswirkung der warmen Temperaturen auf die Kauflaune. „Es ist noch Luft nach oben, wir liegen etwas unter dem Vorjahresniveau.“

Allerdings macht Fischer der verhaltene Auftakt noch nicht nervös. Es sei auch in den vergangenen Jahren zu beobachten gewesen, dass die Frequenz in der Innenstadt sehr hoch war, aber die Kunden zunächst eher gebummelt und sondiert hätten. „Die Verbraucher kaufen immer später.“ Eine Tendenz, die die FOM-Studie belegt. Demnach besorgen 70 Prozent der Bayern erst im Dezember ihre Weihnachtsgeschenke, Männer sowieso. Sie seien meist viel später dran als Frauen.

Traditionell gut laufen Spielwaren und Unterhaltungselektronik. Das Weihnachtsgeschäft macht in dieser Branche 40 Prozent des Jahresergebnisses aus. Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels (BVS), ist optimistisch: Zu Weihnachten rechnet der BVS mit einer starken Nachfrage, etwa nach interaktiven Dinosauriern und Einhörnern: „Spielzeugklassiker wurden technisch aufgemotzt. Ob Kamera-Drohne oder Hightech-Autorennbahn – das moderne Kinderzimmer ist Hightech.“

Der Online-Handel spielt unterdessen eine immer größere Rolle, aber nicht so, dass es für die stationären Geschäfte existenzbedrohlich wäre. „Die großen Häuser haben sich mit Online-Shops darauf eingestellt, aber in der Breite gibt es sicher Nachholbedarf“, sagt Ohlmann. Ein Trend sei offensichtlich: „Immer mehr Münchner kaufen online ein.“ Etwa zehn bis zwölf Prozent des Gesamtumsatzes von zwei Milliarden Euro machen Internet-Einkäufe aus – Tendenz steigend.

Ohlmann hofft nun auf den Endspurt im Weihnachtsgeschäft: „Es wird schwer, die avisierten zwei Prozent Umsatzsteigerung zu erreichen.“ Ein Hoffnungsschimmer sei der Kalender. So folgen nach dem vierten Adventswochenende noch drei Werktage und der 24. Dezember selbst. Was immer geht auf den letzten Drücker: der Gutschein.

Klaus Vick

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