Justitia
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Vor Gericht musste der junge Otterfinger klein beigeben. (Symbolbild)

Richter gewährt noch Jugendstrafe

19-Jähriger tritt gegen Polizeitür und beleidigt Beamte

Er trat gegen Tür der Polizei Holzkirchen, beleidigt Beamte und stellte noch mehr an. Jetzt wurde ein Otterfinger (19) vor Gericht verurteilt.

Holzkirchen – Seiner Wut auf die Polizei hat ein 19-Jähriger aus Otterfing so richtig freien Lauf gelassen. Vor dem Miesbacher Jugendgericht bekam der junge Mann nun die Quittung für gleich drei Straftaten serviert: versuchte sowie gemeinschädliche Sachbeschädigung und Beleidigung.

Das war passiert: Im Februar soll er laut Anklage mächtig mit seinem Fuß gegen die Eingangstür der Holzkirchner Polizeiinspektion getreten haben. Nur drei Monate später soll er wiederum mit seinen Füßen gegen eine S-Bahn in Altomünster getreten und mit Glasflaschen auf diese geworfen haben, wodurch ein Schaden von rund 2500 Euro entstand. Die angerückten Beamten soll er daraufhin unter anderem mit „Arschlöcher und Fehlgeburten“ beleidigt haben.

„Schlechte Laune“ habe er gehabt, sagte der Angeklagte nun vor Gericht aus. Seine Taten rechtfertigte das freilich nicht. Auch nicht, „dass ich mich nicht erinnern kann, Flaschen geworfen zu haben“. An was er sich aber erinnern konnte, war, dass er am Tattag Streit mit seiner Mutter und seinem Stiefvater hatte. Mehr hatte der 19-Jährige nicht zu sagen.

Ganz im Gegensatz zu einem Beamten (26) der Holzkirchner Polizei. Dieser war beim ersten Vorfall dabei und sagte aus, „dass wir ein mehrfaches lautes Knallen am Haupteingang hörten“ – ausgelöst durch den Otterfinger. „Ich habe gesehen, wie er mit Anlauf mehrfach gegen die Tür getreten hat“, sagte der Beamte. „Er hat auch nicht aufgehört, als er uns gesehen hat.“ Einen Schaden an der Tür verursachte der Täter jedoch nicht. Erst als der 26-Jährige den Angeklagten zu Boden brachte und ihn in Sicherheitsgewahrsam nahm, sei Ruhe eingekehrt. Dass der 19-Jährige eine gewisse Wut auf die Polizei hat, entging dem Beamten nicht. „Er sagte zu mir, dass er sein Leben hasst und mit seiner Gesamtsituation unzufrieden ist, wofür die Polizei mitverantwortlich sei.“

Diesen Hass bekam auch eine Obermeisterin (30) der Polizei München zu spüren, die eine der Beamten war, die beim S-Bahn-Vorfall in Altomünster dabei waren. „An der S-Bahn konnte man Schäden wahrnehmen“, erklärte sie. Zudem sollen am Boden zerbrochene Glasflaschen gelegen haben. Als die Beamten den Mann mit ins Dienstfahrzeug nahmen, soll er besagte Beleidigungen ausgesprochen haben. „Er wirkte sehr stark betrunken und war höchstaggressiv“, erinnerte sich die 30-Jährige, die auch folgende Worte vernahm: „Er sagte, dass er auf den Staat und die Polizei scheißt.“

Der Staatsanwalt zeigte sich schockiert vom Verhalten des 19-Jährigen und forderte ihn auf, sich bei beiden Zeugen zu entschuldigen. Von alleine wäre der Otterfinger nicht auf Idee gekommen. Und mehr als ein genuscheltes „tut mir leid“ nach sekundenlangem Zögern war ihm nicht zu entlocken. Die Staatsanwaltschaft wertete die Aussage des Otterfingers als Geständnis und erkannte gutmütig seine Entschuldigungen an die Beamten an. Ein Pluspunkt war zudem, dass der 19-Jährige noch keine Vorstrafen hatte. Auch deshalb wollte der Jurist Gnade vor Recht ergehen lassen und es bei einer Jugendstrafe belassen: 30 Sozialstunden plus fünf Beratungsgespräche beim Verein für Jugend- und Familienhilfe.

Zu genau dieser geforderten Strafe verurteilte Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid den Otterfinger dann auch – wegen versuchter Sachbeschädigung an der Tür der Polizei, Beleidigung und gemeinschädlicher Sachbeschädigung an der S-Bahn. „Sie haben die Polizei für Ihre Lebenssituation verantwortlich gemacht“, konstatierte Schmid und belehrte den 19-Jährigen eindringlich: „Man sollte zu schätzen wissen, was die Polizisten tagtäglich für uns tun.“ Zudem meinte er, dass der Otterfinger dann beim nächsten Wutanfall lieber „Liegestützen oder einen Dauerlauf und eben nicht so einen Schmarrn“ machen sollte.

Von Philip Hamm

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