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„Es ist ein Abenteuer“

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Männlich, jung, selbstständig im Bereich Kinderbetreuung: Max Balser (26) geht seinen eigenen Weg. © kn

Osterwarngau - Als Mann in einer Frauendomäne ist Max Balser (26) schon sein ganzes Berufsleben lang eine Seltenheit. Jetzt wagt der Kinder- und Heilerziehungspfleger aus Osterwarngau noch einen neuen Schritt: Er macht sich selbstständig.

Weiblich und trotz großer Verantwortung nicht besonders gut bezahlt: So sieht das Berufsbild Kinderbetreuung meist aus. Max Balser bricht aus diesem Bild aus. Der Kinder- und Heilerziehungspfleger aus Osterwarngau macht sich selbstständig. Wenn er in der evangelischen Kita Hollerbusch in Holzkirchen, wo er seit acht Jahren arbeitet, Feierabend hat, macht „Maxi’s Kinderbetreuung“ auf. Für Hochzeiten oder Kindergeburtstage, für Wochenenden und als Urlaubsbetreuung, für Kinder mit und ohne Handicap. Wir sprachen mit dem 26-Jährigen über seine Gründe und seinen Beruf.

Sie haben als Kinderpfleger den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Wie kam’s denn dazu?

Ich wollte das immer schon anfangen, auch als Nebenverdienst. Mein Punkt ist, Eltern zu entlasten, die Hilfe benötigen. Es wird schwieriger mit der Kinderbetreuung neben dem Beruf. Man muss das auch einmal aus der Sichtweise der Eltern sehen. 

...die immer wieder mit Öffnungszeiten von Kitas Probleme haben?

Richtig. Vor allem in den Ferienzeiten im August und im Winter. Ich will besonders Familien unterstützen, die diese zusätzliche Kinderbetreuung benötigen, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können, und es sich nicht immer leisten können, die Kinder in allen Ferien daheim zu lassen und nicht zu arbeiten. 

Und wie sieht das in der Praxis aus? 

Ich biete zum Beispiel Urlaubsbetreuung an. Und wenn Eltern mal am Wochenende eine Auszeit brauchen und mal wegfahren wollen. 

Was ja gerade für Eltern von Kindern mit Behinderung wichtig sein kann, sich auch mal eine kleine Auszeit zu nehmen, um Kraft zu tanken.

Genau. Dafür bin ich spezialisiert mit der Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. 

Wie sieht Ihr Angebot denn aus? 

Noch habe ich Sparten – also Hochzeits- und Geburtstagsbetreuung und Urlaubsbetreuung. Wenn sich das mal festigt und die Nachfrage groß genug ist, kann ich mir vorstellen, vielleicht mehrere Leute an der Hand zu haben – wie ein mobiler Erzieherdienst, mit festen Mitarbeitern für jede Familie. 

Und was unterscheidet Ihre Dienste zum Beispiel von einer Tagesmutter? 

Ich biete das nicht unter der Woche an, ich bin ja berufstätig und mache das neben meiner Tätigkeit im Hollerbusch. Dort bin ich schon in der Ausbildung sehr unterstützt worden, und das ist auch jetzt noch so. 

Hatten Sie für dieses Modell ein Vorbild, oder ist das ein echtes Abenteuer?

Ja, das ist ein Abenteuer. In der Form hab’ ich das noch nirgends gesehen. Ich möchte mich von den Eventmachern abheben. Ich will einfach auch für das Kind da sein. Zum Beispiel, wenn ein Kind krank ist. Oder die Mutter oder der Vater erkrankt. Dazu habe ich als Heilerziehungspfleger ja auch einen Bezug. 

Sie sind also den ganzen Tag in der Kita und betreuen in der Freizeit dann auch noch Kinder – da gehört aber schon Herzblut dazu, oder?

Ja, das kann man Herzblut nennen. Der erste Grund ist für mich, dass ich meinen Beruf wahnsinnig gerne mache. Ich kann mir nichts anderes vorstellen. Und der zweite Grund ist: Wenn man als Erzieher eine eigene Familie will – und das will ich irgendwann – muss man natürlich überlegen, wie man das vom Verdienst her bewältigen kann. Ich kann mir damit etwas dazuverdienen. 

Wie schauen die Kosten für die Eltern denn aus?

Das ist ganz individuell. Das ist ja noch ganz neu, ich bin momentan noch in der Findungsphase. Und ich möchte auch den Gestaltungsspielraum haben, dass es in dringenden Fällen nicht am Geld scheitert, wenn Familien in Notlagen geraten. Aber wenn jemand eine Hüpfburg möchte, muss ich die natürlich auch erst bezahlen. 

Die Betreuung findet ja nicht bei Ihnen in festen Räumen statt. 

Nein, entweder bei den Leuten zu Hause oder außerhalb, quasi „unter freiem Himmel“. Das ist auch wegen der Auflagen sonst nicht darstellbar. Das ist Neuland, aber ich probier’ das jetzt mal. Meine Freundin, Katharina Weber, unterstützt mich dabei, gerade auch organisatorisch. 

Sie ist also auch schon „angesteckt“ worden?

Ja. Und das ist auch wichtig. Es braucht Vertrauen und Verständnis in diesem Beruf, man hat ja auch viel mit Frauen zu tun. Meine ganze Familie ist im sozialen Bereich tätig. Meine Mama ist Tagesmutter in Holzkirchen, ein Bruder wird gerade Erzieher in Louisenthal, meine Schwester ist Kindergartenleiterin in München, und mein älterer Bruder ist Altenpfleger. 

Der Beruf ist Ihnen also quasi schon in die Wiege gelegt worden?

Ja, ich wusste das immer schon. Wobei ich mal Altenpfleger werden wollte. Ich habe schon mit 16 im St.-Anna-Heim in Holzkirchen mitgeholfen, weil meine Mutter bei der Nachbarschaftshilfe aktiv ist. Aber um die Ausbildung anzufangen, war ich nach der Schule zu jung. Deshalb bin ich dann doch in die Kinderbetreuung gegangen. Ich habe gemerkt: Kinder liegen mir besser.

Von Katrin Hager

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