Hinein ins Abenteuer: Hajo Netzer aus Reitham hat bereits 35 Expeditionen rund um den Globus geleitet. Auf dem Bild stapft er durch ein Hochmoor in Papua Neugiunea, wo seine jüngste Tour hinführte.

Bergführer Hajo Netzer

Ein Abenteurer, der gerne plant

Reitham - Seine Welt ist das Abenteuer – das geplante Abenteuer. Hajo Netzer (59) aus Reitham ist Bergführer. Seine Ziele sind Alaska, Südamerika, Australien und Nepal. Dort begleitet er Gruppen auf Berge. Bei seiner jüngsten Reise in Papua Neuguinea gab es mal wieder ein Problem.

Manche Teilnehmer überschätzen sich. Das passiert auch bei der dreiwöchigen Expedition in Papua Neuguinea: Hajo Netzer macht mit einer Gruppe eine anstrengende Tour, sie startet im Dschungel und endet auf der 4884 Meter hohen Carstensz-Pyramide, dem höchsten Berg Ozeaniens. Nach dem vielen Regen müssen sich die Bergsteiger durch Schlammmassen kämpfen, später in der Höhe wird es sehr kalt. Eine Tagesetappe dauert acht bis zehn Stunden. „Das stellen sich die wenigsten so vor wie es tatsächlich ist“, sagt der 59-jährige Bergführer. Vor der Carstensz-Pyramide musste eine der sieben Teilnehmerinnen umkehren. „Sie war der Tour nicht gewachsen“, erklärt Netzer.

So etwas kommt öfters vor. „Keiner möchte umdrehen“, sagt er. „Einige geraten aber an ihre Grenzen und wollen das dann in den seltensten Fällen wahrhaben.“ Aber Netzer erkennt sofort, wenn es soweit ist.

Denn Netzer, 59, aus Reitham spricht aus Erfahrung. Seit vielen Jahren ist er Bergführer. 35 Expeditionen hat er bereits hinter sich und dabei viele menschliche Höhen und Tiefen miterlebt. Er war unter anderem auf dem gut 6000 Meter hohen Mount McKinley in Alaska, dem 8200 Meter hohen Cho Oyu in Tibet und eben auf der Carstensz-Pyramide in West-Papua, das heute politisch zu Indonesien gehört.

Netzer liebt seinen Beruf. „Er macht mich sehr glücklich, denn so lerne ich selbst immer wieder neue entlegene Ziele auf der ganzen Welt kennen“, sagt der 59-Jährige.

Die Teilnehmer seiner Expeditionen sind – trotz unterschiedlicher Kenntnisse und Trainigszustand – meist sehr gut vorbereitet. Begleitet wird eine solche Bergsteigergruppe – die aus gut zehn Leuten besteht – in der Regel von einigen Helfern und Trägern. Dabei handelt es sich oft um Einheimische. „Da kommen schnell zwei bis drei Tonnen Gepäck zusammen“, erklärt Netzer. Denn: „Heute sind ja alle so gut ausgestattet.“ Die besondere Herausforderung bei seinen extremen Touren ist, dass er nicht nur für sich selbst, sondern eben für die Mitstreiter verantwortlich ist. Und das in gefährlichen Situationen.

Auf seinen Touren sind daher immer zwei Bergsteiger zusammen und beobachten sich gegenseitig. „Es ist wichtig die ersten Anzeichen der Höhenkrankheit sofort zu erkennen.“ Im Fall der Fälle muss Netzer dann präzise Entscheidungen treffen und darf seine Gruppe nicht gefährden. „Wenn jemand unter der Höhenkrankheit leidet, ist das definitiv das Aus für den weiteren Aufstieg“, erklärt Netzer.

Der 59-jährige Single und Vater einer Tochter denkt noch lange nichts ans Aufhören: „Ich erfülle mir mit jeder Expedition einen weiteren Traum“, schwärmt er. Mit Ausdauertraining beim Joggen oder Radeln bereitet er sich körperlich auf seine Expeditionen vor. Was die Tücken der Berge angeht, informiert er sich zuvor im Internet und später vor Ort bei Spezialisten. Es gebe viele Bergsteiger, die immer wieder mit ihm aufsteigen wollen, sagt Netzer. Jedes Mal an einem anderen Ende der Welt. „Es freut mich, und zeigt, dass die Menschen mir vertrauen.“ Bis zur nächsten Expedition überbrückt der Bergführer den Winter mit Skitouren. Mal ganz alleine und mal als Bergführer. „Unsere Berge sind ja auch sehr schön.“

Ein Wunsch-Ziel fehlt dem Bergführer Netzer allerdings noch: Neuseeland. Doch das wird wohl leider ein Traum bleiben, befürchtet der Reithamer. Denn: „Das ist so weit weg und dort gibt es so viele gute Bergführer“, sagt er. „Da braucht man mich nicht.“

Von Kathrin Suda

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zu nah amHeiligen Abend: Budenzauber fällt wieder aus
Wieder wird es nichts mit einem Otterfinger Christkindlmarkt: Wie schon im Vorjahr findet der Budenzauber vor dem Rathaus auch heuer nicht statt.
Zu nah amHeiligen Abend: Budenzauber fällt wieder aus
Ab sofort verfügbar: Gemeinde macht neues E-Auto mit besonderer Aktion schmackhaft
Holzkirchen biegt ein ins Elektro-Zeitalter: Ab sofort steht den Bürgern ein E-Auto zum Ausleihen zur Verfügung. Auf die ersten 100 Nutzer wartet ein besonderer Anreiz.
Ab sofort verfügbar: Gemeinde macht neues E-Auto mit besonderer Aktion schmackhaft
Spektakulärer Unfall: Fahrzeug überschlägt sich - Fahrerin hat riesiges Glück
Zu einem spektakulären Unfall ist es am Abend zwischen Otterfing und Kreuzstraße gekommen. Ein Fahrzeug hat sich überschlagen - die Fahrerin hatte großes Glück.
Spektakulärer Unfall: Fahrzeug überschlägt sich - Fahrerin hat riesiges Glück
Wohnen überm Parkplatz: Steht so ein Haus bald auch in Holzkirchen?
Freie Flächen in und um Holzkirchen sind rar und teuer. Die Marktgemeinde sucht beim Wohnungsbau daher das Heil in der Höhe. Nun öffnen sich neue Perspektiven: Wohnen …
Wohnen überm Parkplatz: Steht so ein Haus bald auch in Holzkirchen?

Kommentare