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Aggressiver Pilz setzt Bäumen zu

Der Kogel ist bedroht

Holzkirchen - Der Kogel hat einen Feind: Das Falsche Weiße Stengelbecherchen setzt dem Eschen-Bestand des kleinen Waldhügels zu. Bis zu 30 Bäume müssen gefällt werden.

Der niedliche Name täuscht. Das Stengelbecherchen ist ein Pilz, der gnadenlos über Eschen herfällt. „Seit sieben oder acht Jahren bereitet uns dieses Eschentriebsterben große Probleme“, erklärte Wiechmann am Donnerstag bei einer Begehung, die der Bund Naturschutz (BN) angeregt hatte. Etwa ein Dutzend Interessierte nahm an der Begehung des kleinen Wäldchens teil.

Befiel der Pilz zuvor nur abgestorbenes Laub, breitet er sich jetzt auch auf den Bäumen selber aus. Die Esche reagiert mit Nottrieben unterhalb des Totholzes, die Abwehrkräfte sind geschwächt. Unter den über zehn Baumarten im Kogel machen Eschen fast ein Drittel aus. Etwa 30 Bäume hat Wiechmann markiert, der Bauhof wird sie entnehmen. „Wir entfernen nur das Allernötigste“, sagt der Förster. Man habe die Hoffnung, dass einige Eschen resistent sind gegen den Parasiten. „Wir setzen darauf, dass junge Bäume nachwachsen.“ So bitter im Extremfall ein Totalverlust des Eschenbestands auch sei, „der Kogel wird sich immer selber regenerieren“, betont Wiechmann, „künstlich gepflanzt wird hier nichts.“

Der Kogel, ein 1,5 Hektar großer Wald auf einem Moränenrücken, steht unter genauer Beobachtung. Er gehört der Gemeinde, zweimal im Jahr besieht sich Wiechmann als von der Gemeinde beauftragter Förster den Bestand vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die darin verweilenden Naherholer nicht gefährdet sind. „Der Kogel gilt als Erholungswald der Intensitätsstufe 1“, erklärt der Förster, „das erschwert jede Art der Rodung.“

Zusätzlichen Schutz genießt das Wald-Ensemble seit über 50 Jahren durch das Prädikat „Naturdenkmal“ (wir berichteten). „Damals gab es noch kein Waldgesetz, das für Schutz sorgt“, sagt Wiechmann. Er vermutet, dass seinerzeit die Steindl-Allee, die zum Wäldchen führt, und der Kogel womöglich als ein Objekt gewertet wurden. „Der Kogel wurde damals zusammen mit der Steindl-Allee als Park angelegt“, wusste Georg Sigl, der an der Begehung teilnahm.

Der Naturdenkmal-Status bedingt, dass sowohl die Allee als auch der Kogel der Verkehrssicherungspflicht des Landkreises unterliegt. „Naturdenkmäler sind meistens Einzelbäume“, sagte Wiechmann, „einen ganzen Wald haftungsrechtlich im Auge zu behalten, ist problematisch.“ Dies gelte umso mehr, da die Gemeinde Wege angelegt und Parkbänke aufgestellt habe. Nicht zuletzt thront auf dem Hügel seit Urzeiten ein kleines Hütterl – ursprünglich wohl gebaut als Witterungs-Unterstand. Sogar einige Trekking-Biker nutzen offenbar die Wege. „Biker wollen wir hier aber nicht“, betont Wiechmann.

Der Landkreis denkt darüber nach, die aufwändige Haftungsverpflichtung für den Kogel (nicht für die Steindl-Allee) abzugeben. „Es gibt Stimmen, die sagen, dass sonst das Hütterl weg muss oder das Kogelfest nicht mehr stattfinden kann“, wusste Wiechmann. Unabhängig davon sei angedacht, einen Teil der Wege zu schließen. „Es geht jetzt darum, einen Kompromiss zu finden.“

Die Sorge mancher Südspangengegner, dass die Entwidmung als Naturdenkmal das Terrain bereite für eine Straße oder Bebauung, ist laut Wiechmann unbegründet. Der Schutzstatus sei auch nach einer Entwidmung hoch. BN-Vorsitzender Fred Langer betonte, dass das Wäldchen sogar als Biotop kartiert ist. „Den Kogel bedroht nichts und niemand“, sagte Wiechmann, „mit Ausnahme des Stengelbecherchens.“

Von Andreas Höger

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