Arbeitgeber mit Zukunft: Das AMW beschäftigt unter anderem vier Auszubildende (kaufmännische Angestellte und Chemie-Laboranten), die gute Chancen haben, übernommen zu werden. Unser Bild zeigt Ausbildungsleiterin Petra Menter (r.) mit den Lehrlingen (v. l.) Marina Wimmer, Dominik Meindl, Bettina Leitner und Sebastian Veit. foto: Thomas Plettenberg

Ein Unternehmen, das unter die Haut geht

Warngau - Unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit hat sich im Warngauer Gewerbegebiet Birkerfeld ein Pharma-Unternehmen etabliert: Das Arzneimittelwerk Warngau (AMW) bringt demnächst sein erstes Produkt auf den Markt. Noch ist das Unternehmen auf Investoren angewiesen, doch die geizen nicht mit Millionen.

Der Kopf hinter dem jungen Unternehmen ist im Landkreis nicht unbekannt: Wilfried Fischer war mit seiner 1997 in München gegründeten Novosis AG im Jahr 2000 nach Miesbach gezogen. Bis 2008 hatte Fischer als Vorstandsvorsitzender das Unternehmen mit 150 Mitarbeitern zum zweitgrößten Hersteller von „transdermalen Systemen“ in Europa ausgebaut - also von Wirkstoff-Anwendungen, die über die Haut in den Körper gelangen. Seit dem Verkauf an die schweizerische Schweizerhall-Gruppe firmiert das Unternehmen als Acino AG.

Kaum war Novosis verkauft, gründete Fischer in Warngau ein neues Start-Up, das im selben Markt angesiedelt ist - der Entwicklung und Herstellung technologisch anspruchsvoller Wirkstoff-Abgabesysteme. Sechs Jahre nach der Gründung beschäftigt die AMW GmbH bereits 26 Mitarbeiter. „Bis Ende 2017 wollen wir weitere 30 Mitarbeiter anstellen“, sagt Peter Boehnert, kaufmännischer Leiter. Ein Grundstück für die Erweiterung ist vorhanden.

Als neues Unternehmen muss AMW eine Durststrecke überwinden. „Die Entwicklung und Zulassungsverfahren sind aufwändig und langwierig“, erklärt Boehnert. Doch der Markt ist lukrativ. Der Umsatz sprang 2012 erstmals auf über eine Million Euro. „Das Ziel wollen wir auch heuer erreichen“, sagt Boehnert. Der Trend, Wirkstoffe über die Haut zu verabreichen, verspricht besonders in den Bereichen Krebs- und Schmerztherapie gute Umsätze. „Die Nachfrage für Pflaster- und Implantat-Systeme wächst dynamisch und bewegt sich derzeit weltweit bei rund 30 Milliarden Dollar“, sagt Otto Hopfner, Investmentmanager der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft (BayBG), die ebenfalls am Warngauer Unternehmen beteiligt ist, „AMW ist auf diesem Wachstumsmarkt hervorragend positioniert.“

Die Altgesellschafter, zu denen neben Investment-Gesellschaften und der KfW auch Geschäftsführer Fischer gehört, brachten 1,4 Millionen Euro ein. Drei weitere Investoren steuerten in einer zweiten Runde noch einmal 3,6 Millionen Euro bei. Bei der aktuellen Finanzierungsrunde wird das Kapital um insgesamt fünf Millionen Euro aufgestockt. „Damit können wir das Marketing forcieren und unsere steuerbare Transdermaltechnologie in den Zulassungsprozess bringen“, sagt Fischer.

Das Bahnbrechende an dem Produkt: Die Wirkstoffabgabe der Pflaster wird elektronisch gesteuert. Dieses System wollen die Warngauer auch selbst vermarkten, während andere Entwicklungen teils an größere Unternehmen verkauft werden.

Noch befindet sich das Unternehmen in der Entwicklungsphase, die viel Geld verschlingt. Gewinne gibt es nicht, scheinen aber absehbar. „Wir stecken in roten Zahlen, weil viele Vorleistungen zu erbringen waren“, sagt Boehnert. Doch Investoren würden kaum so zahlreich einsteigen, wären die AMW kein großes Versprechen. Boehnert hofft, 2016 schwarze Zahlen zu schreiben.

Von Andreas Höger

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