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Der Aufbau beginnt auch in Holzkirchen. Hier die Traglufthalle in Gilching.

Traglufthalle im Moarhölzl

Asylbewerber bekommen Kochcontainer

Holzkirchen - Der Zeitplan steht: Am 28. Januar startet der Aufbau der Traglufthalle im Moarhölzl. Ende Februar sollen die ersten von 320 Flüchtlingen die Sammelunterkunft südlich von Holzkirchen beziehen. Die Asylbewerber können in einem benachbarten Container selber kochen – was die Gemeinde erleichtert zur Kenntnis nimmt.

Frost und Schnee sind für die Experten von Paranet kein Problem. Das Unternehmen aus Berlin, bundesweit gefragter Marktführer in Sachen Traglufthallen, wird in gut einer Woche im Moarhölzl beginnen, rund 180 Bodenanker zu setzen. Im Abstand von gut 1,20 Meter werden die Anker 1,80 Meter tief im Boden versenkt, sie fixieren später die aufgeblasene Halle. „Die Firma nutzt Spezialbohrer, die auch gefrorenen Boden durchdringen“, weiß Birger Nemitz, Sprecher des Landratsamts. Der Landkreis hat die Halle (36 mal 72 Meter) bestellt und ist für den Betrieb zuständig, die Gemeinde stellt das Grundstück zur Verfügung. Die Kosten trägt der Freistaat. 

Fünf bis sieben Werktage braucht das Team von Paranet-Chef Jürgen Wowra für die Verankerungen. Mitte Februar folgt der Hallenaufbau, zwölf Tage sind dafür angesetzt. „Für das Aufblasen sind wir auf passendes Wetter angewiesen“, sagt Wowra. Zwei bis drei Tage sollte es nicht stürmen, regnen oder schneien. Stehe die Konstruktion einmal, sei die Halle aber absolut schnee- und sturmsicher. Am 28. Februar ist laut Zeitplan die Inneneinrichtung fertig; es gibt Wohnkapseln, Aufenthaltsbereiche, Spielecken und sogar Gebetsräume. Neben der Halle platziert das Team elf Container mit Duschen und WC. 

Kochcontainer waren ursprünglich nicht vorgesehen. Der Landkreis hatte bei Paranet ein Gesamtpaket bestellt: Traglufthalle mit Sicherheitsdienst und Caterer, der dreimal täglich Essen ins Moarhölzl liefert. Eine nicht sehr glückliche Lösung, fanden Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) und die Verantwortlichen des Holzkirchner Helferkreises Asyl. Löwis setzte sich dafür ein, dass die Asylbewerber selber kochen (wir berichteten) – schon um die Menschen zu beschäftigen und um Konflikte zu vermeiden, die der Essensqualität geschuldet sind. „Viele Unruhen in den Hallen lassen sich auf Probleme mit dem Essen zurückführen“, bestätigt Wowra. 

Laut Nemitz kam der Landkreis der Bitte der Holzkirchner nach. „Obwohl der Markt fast leergefegt ist, konnten wir sechs Küchencontainer organisieren.“ Sie sollen ebenfalls bis Ende Februar betriebsbereit sein. 23 Kochstellen und ein dazugehöriger Aufenthaltsraum mit 168 Sitzplätzen stehen zur Verfügung. Außerdem werden einige Dutzend Kühlschränke aufgestellt. 

„Wir sind erleichtert, dass es jetzt doch Kochcontainer gibt“, sagt Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch (SPD), die den erkälteten Löwis vertritt. So seien die Flüchtlinge beschäftigt, erhalten das Essen, das ihnen schmeckt, und kommen beim Kochen untereinander und am besten auch mit Helfern ins Gespräch. Nicht zuletzt müssen sie zum Einkaufen regelmäßig in den Ort. „Die Kochcontainer sind der erste Schritt in die Integration“, glaubt Dasch. Um sich Lebensmittel zu besorgen, bekommen die Flüchtlinge einen Essensgeld-Aufschlag (141,85 Euro) zu ihrem Taschengeld ausbezahlt. 

Zu den ersten Bewohnern der Traglufthalle werden laut Nemitz die 35 Flüchtlinge zählen, die derzeit in der Föchinger Turnhalle wohnen. „Es gilt die Vereinbarung mit der Gemeinde, dass die Turnhalle geräumt wird, wenn die Halle steht“, sagt er. Ein Entgegenkommen dafür, dass die Gemeinde eigenen Grund im Moarhölzl zur Verfügung stellt. „So haben wir fürs Erste verhindert, dass der Landkreis Holzkirchner Turnhallen in Beschlag nehmen muss“, sagt Dasch. Sie geht davon aus, dass sich die Quoten erhöhen und weitere Standorte für Sammelunterkünfte gefragt sind. „Die Gemeinde sucht nach geeigneten Grundstücken.“ Man überlege sogar, selber Unterkünfte zu bauen. „Wir müssen zusehen, dass wir Wohnraum für anerkannte Asylbewerber schaffen“, sagt Dasch, „denn dafür sind wir Gemeinden zuständig.“ Löwis würde dafür gern das alte Polizeigebäude in der Frühlingstraße nutzen. Erste Gespräche mit dem Freistaat gab es bereits.

Von Andreas Höger

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