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Kunstrasenplatz am neuen Gymnasium

Betreten für Fußballer noch verboten

Holzkirchen - Der Kunstrasenplatz am neuen Gymnasium ist längst fertig – die Fußballvereine dürfen aber nicht drauf. Komplizierte Verträge bremsen sie aus. „Ein Fiasko“, schimpft TuS-Chef Andreas Schmidpeter.

Gut 30 Zentimeter Neuschnee verhüllen aktuell das nagelneue Kunstrasen-Geläuf zwischen Gymnasiums-Neubau und Nordspange. Für die Fußballer der SF Föching, des TSV Hartpenning und vor allem des TuS Holzkirchen ist das ein schwacher Trost. Kunstrasenplätze können theoretisch bei jeder Witterung genutzt werden. Während die Schüler des Gymnasiums und der Fachoberschule längst auf dem Platz trainieren, ist den Kickern der Zutritt noch verwehrt – und das auf unbestimmte Zeit.

Dabei hieß es im Herbst, dass die Freigabe im Dezember erfolgt; zuletzt war von Anfang März die Rede. „Ein konkretes Datum kann ich nicht nennen“, sagt Gabriele Dorby, Pressesprecherin des Landratsamts, „das sind schwierige Verhandlungen.“

Die Zuständigkeit für den Platz ruht auf einem komplizierten Konstrukt. Offizieller Sachaufwandsträger des Schulsportplatzes ist der Landkreis, gebaut und unterhalten wird die Anlage, wie das gesamte Schulgelände, von der Firma SKE. Die Marktgemeinde bezahlte 260 000 Euro für das „Upgrade“ des Naturrasens zu einer Kunstrasenanlage mit Flutlicht, damit die drei Fußballvereine dort trainieren können.

Schon der Vertrag zwischen Landkreis und SKE ist vielschichtig. Laut Dorby geht es um die Höhe der Unterhaltskosten und um die Art und Häufigkeit der Pflege. „Und auch die Erneuerungs-Intervalle spielen eine Rolle.“ Werde der Platz wie geplant intensiv bespielt, müsse er häufiger erneuert werden. „Diese Kosten muss die Gemeinde tragen, dem Landkreis dürfen keine Extra-Kosten entstehen“, betont Dorby.

Konkret heißt das: Diese Absprachen müssen erst in einen Zusatzvertrag zwischen Landkreis und SKE festgehalten sein, dann folgt ein Vertrag zwischen Landkreis und Gemeinde, dann kann die Gemeinde mit den Vereinen Regelungen treffen, etwa zu Mietpreisen und zur Pflege.

„Das tut mir für die Sportler sehr leid, dass das so lange dauert“, sagt Bürgermeister Olaf von Löwis. Es sei vielleicht blauäugig gewesen, angesichts der schwierigen Zuständigkeits-Verflechtungen eine schnelle Nutzung in Aussicht zu stellen.

Frustriert ist vor allem TuS-Chef Schmidpeter, der fest mit dem Holzkirchner Kunstrasen gerechnet hatte. „Für unsere Herren-Teams haben wir gerade noch Termine in Oberhaching bekommen“, sagt der Vorsitzende. Auch der Nachwuchs ab der D-Jugend soll möglichst im Freien trainieren. „Wir verhandeln derzeit, um ein paar Stunden auf dem Kunstrasen in Bad Wiessee buchen zu können.“ Betroffen sind laut Schmidpeter etwa 150 Jugendliche. Ein Kunstrasen vor der Haustür erspare zeitaufwändige Trainingsfahrten, was besonders die Eltern entlaste. „Ich verstehe nicht, warum die Verhandlungen nicht schon im Vorfeld geführt wurden“, sagt der TuS-Chef. Jetzt habe man einen Platz vor der Nase, dürfe den aber nicht nutzen. „Das ist doch dilettantisch.“

Die Gemeinde sei hier unschuldig, wehrt sich der Bürgermeister. Im Gegenteil werde man heuer noch 132 000 Euro für ein Umkleide- und Toilettenhaus am Kunstrasenplatz ausgeben. Um den finanziellen Aufwand etwas zu dämpfen, will die Gemeinde von den Vereinen Nutzungsgebühren für den Kunstrasenplatz verlangen. „Wir müssen den Preis entsprechend unserer Verpflichtungen gegenüber dem Landkreis kalkulieren“, sagt Löwis. Die Vereine signalisierten Bereitschaft, für den Kunstrasen „dahoam“ zu zahlen. In Oberhaching und Bad Wiessee sind laut Schmidpeter 100 Euro pro Stunde fällig. In ersten Gesprächen mit der Gemeinde sei von 30 Euro die Rede gewesen. „Ich hoffe“, sagt Schmidpeter, „dass man sich daran noch erinnern kann.“

Von Andreas Höger

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