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Das Scheitern in einer Kleinbürgerfamilie thematisiert das Volksstück aus der Feder Marieluise Fleißers.

Schloßbergler Valley

Bitterböse Provinzstudie

Valley - Die Schloßbergler Valley bringen „Der starke Stamm“ auf die Bühne des Trachtenheims. Ein Blick in das Stück.

„Volksstück“ nannte die Autorin Marieluise Fleißer ihre bitterböse Provinzstudie über Geldgier und Neid, Erpressung und Eifersucht, Existenzkampf und Scheitern in einer Kleinbürger-Familie aus dem Jahr 1950. Für Regisseur Sepp Floßmann ist der aktionsreiche Vierakter der Ingolstädter Autorin „Der starke Stamm“ eine Charakter-Komödie, die er nun als „realistisch-scharf pointierten Zeitspiegel der ersten Jahre Nachkriegsdeutschlands“ mit der Schauspieltruppe der Valleyer Schloßbergler auf die Bühne des Trachtenheims brachte.

Schon beim Leichenschmaus am Wohnzimmertisch des wunderbar spießigen Witwers Leonhardt Bitterwolf (Wolfgang Neuner) mit Verwandten-Gezänk um Nähmaschine und Leibwäsche der Verblichenen wird klar: Nicht wundern, wenn das Lachen über die präzise zugespitzte Situationskomik im Halse stecken bleibt. Dass Sepp Floßmann (auch Bühnenbild) als Vater zu Recht um die Tugend seiner Tochter, Hausmagd Annerl Schindler (herrlich drall und selbstbewusst: Verena Huber), bangt, stellt sich beim Wettbuhlen von Sattlermeister Bitterwolf und seinem Junior heraus.

Wie sich auch die flugs eingezogene, raffige und zickige Schwägerin Balbina Puhlheller dem abweisenden Witwer zwischen ihren dubiosen Geschäften an den Hals zu schmeicheln versucht, ist ganz große, facettenreiche Schauspiel-Klasse bei Gabi Neuner. Schamlos nutzt sie ihren lebenshungrigen Neffen Hubert (glänzend zerrissen: Michael Wieser) aus, der zwischen Kunstmaler-Berufung, bequemen Einnahmen und Bergwerks-Maloche in Peißenberg und ihren Geschäften mit Spielautomaten, Porno-Bildchen und Wallfahrten zu einem zweifelhaften Marienwunder schwankt. Als ihr schmieriger Bruder agiert überzeugend Sepp Hechenthaler. Je nach Lage wechselnd als Geschäftspartner oder Gegner präsentiert Magnus Epp überaus glaubhaft den verschlagenen Metzgerjackl.

Brillant beleben auch die liebevoll durchgezeichneten Nebenrollen die vielen Handlungsstränge: Maskenbildnerin Bernadette Weber, Souffleuse Regina Huber und Maria Floßmann als einfältige Wallfahrtskundinnen, Sepp Weindl zweimal als ungehobelter Trauergast und als zielstrebiger Gerichtsvollzieher, Simon Epp als pflichtbewusster Polizist sowie Sepp Dittmeyer als geldiger, nur scheinbar trotteliger Erbonkel, den gut beleuchtet und technisch exakt Alois Keppeler und Anderl Weindl unterstützen.

Bis zum turbulenten, unerwarteten Ende ignorieren die vermeintlich so gerissenen Akteure die Folgen ihres Tuns. Das Resultat sollte sich jeder selbst in dem trüben Nachkriegs-Wohnzimmer anschauen, das die Schloßbergler gemeinsam im Trachtenheim eingerichtet haben. Der ausgiebige Premieren-Applaus bewies: Auch dieses Ensemble ist ein starker Stamm.

Weitere Vorstellungen 

Die Schloßbergler Valley zeigen „Der starke Stamm“ im Trachtenheim noch zu folgenden Terminen: 10., 12., 17., 18. und 31. Januar jeweils um 20 Uhr sowie am 19. Januar um 13.30 Uhr.

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