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„Die Kundenfrequenz hat abgenommen“: Christina Heiler muss ihr Blumengeschäft am Holzkirchner Marktplatz nach knapp 21 Jahren aufgeben. Sie setzt künftig auf einen verstärkten Lieferservice über Internet und Telefon.

„Ich bin die Nächste“

Blumenladen am Marktplatz schließt

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Holzkirchen - Fehlende Parkplätze vor der Tür, das HEP und große Einrichtungshäuser in der Region hätten ihr das Wasser abgegraben, sagt sie: Deshalb wird Christina Heiler ihren Blumenladen am Marktplatz noch heuer schließen. Damit verschwindet ein weiteres Traditionsgeschäft im Ortskern.

Traurigkeit und Ärger schwingen in ihrer Stimme mit: „Die Kundenfrequenz hat stark abgenommen“, sagt Christina Heiler. Auch die Mitarbeiterzahl sei von sieben auf zwei geschrumpft. „Ich bin die Nächste.“ Voraussichtlich noch in diesem Halbjahr wird die 60-Jährige ihr Geschäft Christinas Blumen in Holzkirchen zusperren. Nach knapp 21 Jahren. Bis dahin aber werden sie und ihr Team wie gewohnt für die Kunden da sein, betont sie. 

Mit dem Blumenladen am Marktplatz macht ein weiteres Traditionsgeschäft im Holzkirchner Ortskern zu. Wie berichtet, schließen beziehungsweise schlossen relativ zeitgleich vier Geschäfte rund um den Oskar-von-Miller-Platz. Die betroffenen Betreiber gaben überwiegend persönliche Gründe an, nur Thomas Fremerey von Ella Young Fashion beschwerte sich unter anderem über fehlende Parkplätze, was Kunden ferngehalten hätte. 

Die Standortförderung im Rathaus hingegen verwies auf ausreichend Parkplätze in der näheren Umgebung, die fußläufig erreichbar seien. Dass bei den anderen nur persönliche Gründe eine Rolle spielten und sonst alles rosig lief, glaubt Heiler nicht. „Man muss das Ding beim Namen nennen“, findet sie. 

Erst kam der Euro, sagt sie. Dann gruben ihr der Internethandel und große Einrichtungshäuser in der Region das Wasser ab, die ihre Deko- und Gartenbauabteilungen ausbauten. Viel einschneidender sind in Heilers Augen aber Faktoren in Holzkirchen. Zum einen der Parkplatzmangel: „Bei dir kann man nicht vor der Türe halten“, sagen Kunden oft zu ihr. „Ein Blumenkunde latscht nicht zur Tiefgarage in der Baumgartenstraße“, meint Heiler. Auch wenn ihr Team meist die Ware ins Auto tragen würde, wie sie betont. „Der Kunde ist immer mehr aufs Auto fixiert.“ Mit dem Rad komme kaum einer, schon gar nicht von außerhalb. 

Gerade ältere Leute und Mütter mit kleinen Kindern fahren laut Heiler lieber ins Holzkirchner Einkaufsparadies (HEP), wo sie im Trockenen parken und aussteigen und ihre Einkäufe auf einmal erledigen können. „Das HEP hat uns wehgetan“, klagt Heiler. Es würde die Kunden regelrecht absaugen. Bevor das HEP im Sommer 2010 seine Pforten öffnete, stemmte sich Heiler mit dem damaligen Wirtschaftsforum Holzkirchen gegen den Standort. Sie hätte das Einkaufszentrum lieber an einem zentraleren Ort, vielleicht am Herdergarten gesehen, sagt sie. 

Die Standortförderung im Rathaus hingegen sieht das HEP nicht als Problem an: „Das ist eine ergänzende Sache“, heißt es. Im HEP gebe es viele Ketten. Im Ortskern hingegen individuelle Einzelhändler, die ihre Kunden gut kennen und persönlich beraten. Die Standortförderung empfiehlt den Einzelhändlern zudem einheitliche Öffnungszeiten. Das wiederum habe das Wirtschaftsforum vor zehn Jahren vorangetrieben, entgegnet Heiler. Mittlerweile aber sei der Trend wieder rückläufig. „Weil oft nichts los ist“, erklärt sie. 

„Wir planen, den Lieferservice auszubauen“, sagt die 60-Jährige. Ohnehin laufe bereits jetzt schon 50 Prozent des Umsatzes über eine Bestellung per Telefon oder Internet. Ihre Tochter Verena Heiler-Loth, die vor Kurzem ihr Amt als CSU-Gemeinderätin aufgab (wir berichteten), werde sich verstärkt um die Neuausrichtung kümmern. Voraussichtlich in kleineren Räumen. Was mit der 160 Quadratmeter großen Ladenfläche, die Heiler bisher gepachtet hat, passiert, steht noch in den Sternen.

Von Marlene Kadach

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