Aus dem Amtsgericht: "Viel Blut am Boden, Holzstücke lagen herum"

Glaubensstreit zwischen Flüchtlingen eskaliert

Holzkirchen – Prellungen, Schnittwunden, Trommelfell-Verletzung: Ein Streit zwischen muslimischen und christlichen Flüchtlingen endete blutig. Letztere standen am Montag vor Gericht.

Ein Glaubensstreit in Verbindung mit Alkoholkonsum – diese Kombination soll Auslöser einer heftigen Auseinandersetzung gewesen sein, die sich im September 2015 in der damaligen Asylbewerberunterkunft in Föching zugetragen hat. Vier Christen aus Eritrea sollen damals mit Stöcken und Feuerhölzern auf mehrere Muslime losgegangen sein, weil diese sich mit einer abwertenden Geste über den christlichen Glauben äußerten. Nun musste sich das Quartett im Alter von 19, 22, 25 und 28 Jahren wegen gefährlicher sowie vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten.

Angeklagten leugnen - bis auf einen

„Wir haben gar nichts gemacht“, sagten drei der Angeklagten unisono, von denen heute zwei in einer Holzkirchner und einer in einer Gmunder Flüchtlingsunterkunft leben. Nur der momentan im Tegernseer Tal untergebrachte 22-Jährige gab zu, einem Kontrahent mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen zu haben. Und zwar so fest, dass sein Gegenüber zu Boden ging und eine schwere Trommelfell-Verletzung erlitt. Wie der Geschädigte als Zeuge erklärte, „kann ich heute noch nicht richtig hören“. Das Ganze geschah vor den Augen einer damaligen Holzkirchner Polizistin, die die heftige Ohrfeige bestätigen konnte.

"Viel Blut am Boden, Holzstücke lagen herum"

Als die Beamtin am Tatort eintraf, war die Schlägerei aber schon fast vorbei. „Es war viel Blut am Boden, Holzstücke lagen herum und keiner wollte mit uns reden“, schilderte sie im Amtsgericht ihre Eindrücke vom Tatort in der Föchinger Turnhalle.

Vor Gericht zeigten sich wenigstens die Geschädigten redseliger. Sie wiesen den Vorwurf zurück, den Streit angezettelt zu haben. „Sie kamen zu uns ins Zimmer, waren betrunken, schalteten das Licht aus und haben einen Eimer kaltes Wasser über uns geschüttet“, sagte einer der somalischen Muslime, der zu diesem Zeitpunkt in einem Hochbett lag. Als der mit Wasser Übergossene aufstand, um das Licht wieder anzuknipsen, bekam er mit einem Stock einen Schlag in den Nacken und auf den Rücken. Seine zur Hilfe eilenden Kollegen sollen ebenfalls mit den Hölzern geschlagen worden sein. Das Resultat: Nicht unerhebliche Prellungen im Kopf-, Becken- und Rippenbereich sowie Nasenbluten und eine Schnittwunde am Schienbein.

"Konnte nicht mehr ertagen, dass sie unsere Religion verspotten"

Die Angeklagten wiesen jedoch weiterhin jegliche Schuld von sich. Einer meinte, „dass ich es einfach nicht mehr ertragen konnte, dass sie unseren Glauben und unsere Religion so verspottet haben“. Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid schloss sich dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an. Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte er den 28-jährigen Holzkirchner und den 25 Jahre alten Gmunder zu einer einjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zusätzlich müssen die beiden 60 Sozialstunden ableisten.

Den 22-jährigen Eritreer, der jetzt im Tegernseer Tal untergebracht ist, traf es etwas härter: Für seine folgenschwere Ohrfeige wurde er wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt und muss nun eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verbüßen; zusätzlich hat er 70 Sozialstunden abzuleisten.

Der 19-jährige Holzkirchner kam, wegen Anwendung des Jugendstrafrechts, mit einem zweiwöchigen Dauerarrest davon.

hph

Rubriklistenbild: © dpa

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