Ein voller Saal: Fast alle Gemeinderäte, Vertreter von Feuerwehren und Rettungsdienst, sogar 15 Polizisten in Uniform waren nebst 250 Bürgern zur Tetrafunk-Bürgerversammlung gekommen. Moderiert wurde die Diskussion von Andreas Höger (Holzkirchner Merkur). Foto: Thomas Plettenberg

Holzkirchner senden ihre Bedenken

Holzkirchen - Der Druck hat die Tetrafunk-Befürworter aus der Deckung geholt: Vertreter von Diginet und Telent standen den Holzkirchnern bei einer Sonder-Bürgerversammlung Rede und Antwort.

Der geplante Sendemast für den digitalen Funk, den „Blaulichtorganisationen“ wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst nutzen, bewegt die Gemüter. Etwa 250 Holzkirchner wollten sich dazu aus erster Hand informieren. Ungeklärt blieb die Frage nach den gesundheitlichen Risiken - und wo der Sendemast letztendlich aufgestellt wird.

Die Gemeinde sitzt zwischen den Stühlen. Sie muss einerseits einen Standort vorschlagen, wenn sie nicht riskieren will, dass der Freistaat ein Grundstück mitten im Ort wählt. Andererseits schlägt dem Projekt massiver Gegenwind aus der Bevölkerung entgegen. Die Bürgerinitiative (BI) Tetrafunkfreies Holzkirchen sammelte 2200 Unterschriften. Auf ihren Druck hin entschied sich der Gemeinderat für die Bürgerversammlung, bei der sich Kritiker und Befürworter am Montag gegenübersaßen.

Die BI kritisiert vor allem, wie der Tetrafunk eingeführt werden soll. BI-Sprecher Robert Regner fasste zusammen: Warum warte man nicht die bis Ende 2013 laufenden Gesundheitsstudien ab, warum setze man die Gemeinden unter Druck, warum habe man nicht von Anfang an offen informiert? „Es gibt keine Vertrauensbasis“, warf Reinhard Lohmann von der BI Miesbach den Verantwortlichen vor. Und die Wissenschaftler „streiten sich wie die Hölle“, wie schädlich Funkstrahlung sei. „Wir fordern ein Moratorium“, erklärte Klaus Müller von der BI.

„Es ist nicht die Frage, ob Tetrafunk kommt, sondern wann“, stellte Andreas Gebhart von Diginet klar. Diese Projektgruppe im Innenministerium steuert den Aufbau des Netzes, das sich einmal über Europa spannen soll; mit der Ausführung hat der Freistaat die Firma Telent beauftragt. Deren Sprecher Ulrich Wittfeld sieht keine Gesundheitsgefahr; man bleibe weit unter dem gesetzlichen Grenzwert. Die Entscheidung für Tetratechnik sei gefallen, weil diese auf die Bedürfnisse der Blaulichtorganisationen zugeschnitten sei, erklärte Gerhard Schusser, Digitalfunk-Experte der Polizei.

Die Bürgerinitiative überzeugt das nicht. Die Leistung sei zwar recht gering, aber die Frequenz werde gepulst, meinte Theo Schneider vom Bund Naturschutz: „Es gibt Wissenschaftler, die sagen, das wirkt während des Tiefschlafs in die Gehirnfrequenz rein.“ Diese grundsätzliche Skepsis wurde im Publikum immer wieder laut. „Wir müssen uns doch auf die Meinung von Experten verlassen, die unabhängig sind“, entgegnete Gebhart von Diginet. „Die Bundesnetzagentur ist für uns unabhängig - die werden nicht von der Industrie bezahlt, sondern von uns allen.“ Die Verantwortung für die richtigen Grenzwerte wollte Telent-Sprecher Wittfeld nicht übernehmen, die liege beim Gesetzgeber.

Den Vorwurf, man setze die Kommune unter Druck, ließ Schusser nicht gelten. Der Tetrafunk werde 2015 flächendeckend an den Start gehen. Wenn Holzkirchen dann ohne Sender „im toten Bereich liegt, das geht doch nicht“.

Die Angst der Bevölkerung vor Funkstrahlen, sie nahm Zweiter Bürgermeister von Löwis aus der Versammlung mit. Der Gemeinderat werde nicht umhinkommen, über einen Standort-Vorschlag zu diskutieren. „Ich vernehme aus der Bürgerschaft, dass die Gemeinde lenkend eingreifen und aktiv nach Standorten suchen soll.“

Katrin Hager

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