Sufferloher Weiher unter einer Schneedecke
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Der Weiher bei Sufferloh hat sich in der faunistischen Analyse als wichtig erwiesen.

Alternativen zur Südspange

Bund Naturschutz: „Naherholungsräume vor Haustür erhalten“

  • Marlene Kadach
    VonMarlene Kadach
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Die Diskussion zur Südspange flammt wieder auf. Wie berichtet, rät das Staatliche Bauamt von zwei weiteren Trassen ab. Das freut Fred Langer vom Bund Naturschutz.

Herr Langer, das Staatliche Bauamt Rosenheim rät von zwei weiteren Trassen ab. Jubelt der Bund Naturschutz jetzt?

Nein, wir jubeln nicht, aber wir freuen uns darüber. Allerdings hat uns das Ergebnis nicht überrascht. Wir wussten schon lange, dass die beiden Varianten nicht rechtssicher sind.

Was halten Sie davon, dass die CSU weiter an der durchgefallenen Trasse Nummer drei festhält?

Das verstehe ich absolut nicht. Die CSU hat zur FWG, die die Waldtrasse weiter verfolgen wollte, gesagt, dass sie ein totes Pferd reite. Aus unserer Sicht reitet die CSU auch ein totes Pferd. Nur die naturverträglichste und günstigste Variante ist realisierbar, so steht es im Gesetz. In diesem Fall wäre das die Trasse Nummer fünf, also die reine Holzkirchner Umgehung. Der Bund Naturschutz lehnt aber jegliche Umfahrung ab.

Mit welcher Begründung?

Umgehungsstraßen sind insgesamt nicht mehr zeitgemäß. Der BN-Landesverband hat eine Streichliste von Straßen verfasst. Da steht die Holzkirchner Südspange auch drauf. Wir wissen heute – anders als vor ein paar Jahrzehnten – sicher, was der Klimawandel bewirkt. Wir müssen unsere Mobilität verändern. Ein Umdenken in unserer Gesellschaft ist nötig.

Hat Corona dieses Umdenken beeinflusst?

Corona hat gezeigt, wie wichtig der Erhalt von Naherholungsräumen ist, damit wir uns nicht alle in den wenigen „Restreservaten“ wie am Spitzing oder am Tegernsee ballen müssen. Die Frage ist nun, wie wir es schaffen, dass die Naherholungsräume direkt vor unserer Haustür wertvoll bleiben oder werden. Ich hoffe, dass dieses Bewusstsein bei den Leuten jetzt gewachsen ist.

Bei der faunistischen Analyse haben sich der Weiher südlich von Kurzenberg sowie der Löschweiher bei Sufferloh als wichtig erwiesen. Können Sie den Leuten erklären, warum?

Weil dort seltene und geschützte Arten leben. Die dortigen Amphibien zum Beispiel brauchen die Weiher als Kinderstube. Sie laichen und paaren sich dort. Anschließend kehren sie wieder in ihre Habitate, etwa den Wald, zurück. Dafür müssten sie die neue Straße überqueren. Speziell für sie gebaute Tunnel werden von den Amphibien in der Regel nicht so gut angenommen. Bisher hat der BN über den Sufferloher Weiher mehr eigene Informationen, da unsere Helfer jedes Jahr Amphibien über die bestehende Straße tragen. Wir wissen nicht sicher, woher die Amphibien kommen, ihre genauen Wanderwege sind offen. Es wäre daher auch nicht sinnvoll, die von der CSU angestrebte Lösung zu verfolgen (die CSU hält den Teil der Trasse drei, der nördlich von Sufferloh verläuft, weiter für realisierbar – Anm. d. Red.). Davon abgesehen würden durch eine neue Straße Fledermausjagdreviere durchschnitten.

Manche Umgehungsstraßen-Befürworter stellen sich die Frage, warum die Tiere als schützenswerter als der Mensch anzusehen sind. Was sagen Sie dazu?

Dieses Argument – Mensch gegen Tier – stammt aus dem vorigen Jahrhundert. Die Natur überlebt auch ohne uns. Aber wir überleben nicht ohne die Natur. Und wir wissen nicht, welche Auswirkungen es hat, wenn eine Art ausstirbt. Die Zusammenhänge sind sehr komplex. Davon abgesehen erleben wir Natur auch als ein Stück Genuss. Viele freuen sich über einen schönen Schmetterling oder das Vogelgezwitscher.

Haben Sie trotzdem Verständnis für die Sorgen der vom Verkehr geplagten Anwohner, die sich eine Südspange wünschen?

Ich verstehe jeden, der an der Straße wohnt und es ruhiger haben möchte. Aber dafür braucht es nicht unbedingt eine Umgehungsstraße, die es übrigens erwiesenermaßen auch nicht hörbar ruhiger machen würde. Es gibt auch andere, ortsinterne Möglichkeiten.

Welche Alternativen würde der BN vorschlagen?

Zum Beispiel würde innerorts Tempo 30 den Lärm reduzieren. Auch ein Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) könnte helfen. Also eine Ausweitung des MVV-Tarifs sowie eine Taktverdichtung. Damit die Leute aus dem Süden, die momentan zum Holzkirchner Bahnhof mit dem Auto fahren, schon an ihrem Wohnort in die BRB einsteigen. ÖPNV ist Daseinsfürsorge. Außerdem ist eine Stärkung des Rad- und Fußverkehrs wichtig, da 80 Prozent des Verkehrs hausgemacht sind. Eine Einbahn-Ampelregelung könnte hier für Beruhigung sorgen. Dadurch lässt sich die Idee besser umsetzen, die geplante Radschnellroute München-Gmund über die Münchner Straße in Holzkirchen zu führen.

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