Kaputte Windschutzscheiben, Außenspiegel - und ein ganzes Parkdeck

Chaos-Trip durch Holzkirchen: Drei Burschen vor Gericht

Holzkirchen - Laut Anklage sollen sie halb Holzkirchen verwüstet haben. Doch die drei Burschen schweigen beharrlich. Und die Staatsanwaltschaft tut sich schwer - auch nach knapp fast Stunden Verhandlung.

Bislang steht eigentlich nur die Bilanz dieser verhängnisvollen Nacht am 15. November 2015 fest: Abgeschlagene Außenspiegel bei zwölf Autos, teils komplett abgerissen, teils hingen sie noch an den Kabeln herab, dazu kommt viel zerkratzter Lack, ein kaputter Heckscheibenwischer. Weiter gings an der Oberland Realschule. Dort wurden mehrere Lichtleisten und Blitzableiter auf dem Parkdeck herausgerissen und auf den Boden geschmissen. Die geschätzte Schadenssumme: rund 5500 Euro. Ob die drei Angeklagten, zwei Holzkirchner (19 und 20) sowie ein Reichersbeuer (21) dafür verantwortlich sind, lässt sich nach einem langen Prozesstag nicht beweisen. Klar ist nur, dass die drei in jener Nacht von einer Party zur nächsten unterwegs waren. Letzere wurde allerdings aufgelöst. Dann begann der Chaos-Trip.

Und die drei saßen nicht nur wegen dieser Nacht auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts. Dem 20 Jahre alten Holzkirchner wird zudem vorgeworfen, im Dezember 2015 vor einer Tölzer Diskothek einem 21-jährigen Wackersberger so fest mit der Faust ins Gesicht und an die Schläfe geschlagen zu haben, dass dieser rund zehn Minuten lang ohnmächtig war. 

Einfacher gestaltete sich die Sache für Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid und samt Staatsanwaltschaft dadurch nicht. Keiner der Angeklagten wollte auch nur irgendetwas zu den Vorwürfen sagen. In Sachen Körperverletzung in Bad Tölz gab der 21-jährige Holzkirchner immerhin zu, den Wackersberger geschlagen zu haben. Aber nur, weil der einen seiner Kumpels angegriffen hatte.

Reichersbeurer zahlt Schaden - ist sich aber keiner Schuld bewusst

Was die folgenschwere Nacht vom 15. November angeht, bleibt allerdings vieles im Dunkeln: Als erster Zeuge wurde ein Polizeibeamter aus Holzkirchen aufgerufen, der wenigstens ein wenig Konkretes für Schmid parat hatte: „Meine Frau wollte mit dem Auto zu einer Geschäftsreise aufbrechen, musste aber feststellen, dass die Windschutzscheibe eingeschlagen wurde“, erklärt der 49-Jährige. „Zunächst wusste ich nicht, wer es war.“ Dann erfuhr er in der darauffolgenden Woche von einem jungen Mann, der etwas damit zu tun haben könnte. Dabei handelte es sich um den Reichersbeurer. 

Er soll einen Schaden von 500 Euro am BMW des Polizeibeamten verursacht haben. Es folgte ein Austausch mit dem 21-Jährigen sowie dessen Eltern, dass der Schaden in monatlichen Raten von 100 Euro beglichen werde. Bis zur vorletzten Zahlung klappte alles gut, dann jedoch hatte der Vater des Jungen Zweifel an dessen Schuld und stellte die Zahlung ein. Doch warum hätte der Reichersbeurer die Zahlung überhaupt einleiten sollen, wenn er ein völlig reines Gewissen gehabt hätte? Direkt gesehen hat den jungen Mann bei der Aktion jedenfalls niemand.

Bekannter belastet Holzkirchner (19)

Dafür haben Zeugen den 19-jährigen Holzkirchner gesehen. Aber: „So direkt gesehen hab ich ihn dabei nicht. Er stand am nächsten an dem Auto, als ich ein Knacken hörte und der Außenspiegel nur noch an den Kabeln nach unten hing“, erinnert sich ein 20 Jahre alter Otterfinger, der mit dem Reichersbeurer und dem jüngeren Holzkirchner auf dem Weg zu einer Party war. Nach der Spiegel-Aktion rannte er aber davon, da er mit der Sache nichts zu tun haben wollte.

Eine wiederum andere Geschichte ist die, die sich auf dem Parkdeck der Holzkirchner Oberland-Realschule zugetragen haben soll. „Ich habe am Vorplatz mit einem Freund Fußball gespielt, als plötzlich eine Lichtleiste herunterfiel“, erklärt eine 21-jährige Zeugin aus Holzkirchen. Prompt sei sie mit ihrem Kumpel hoch aufs Parkdeck gelaufen und habe noch drei Jugendliche gesehen, die davonliefen. Erkannt habe sie die Burschen aber nicht. Bewiesen werden kann das aber bisher nicht. Ein Urteil fiel nicht. Die Verhandlung wird am 7. September fortgesetzt.

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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