Justitia vor blauem Himmel
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Eine 34-Jährige musste sich jetzt vor dem Miesbacher Amtsgericht rechtfertigen.

„Weil ich dachte, dass man während der Pandemie kostenlos fahren darf.“

Corona als Ausrede fürs Schwarzfahren: 34-Jährige kassiert Geldstrafe vor Gericht

Sie hatte Corona als Ausrede fürs Schwarzfahren benutzt: Jetzt hat eine 34-Jährige vor dem Amtsgericht eine Geldstrafe kassiert.

Holzkirchen – Bis Anfang April durfte man aufgrund der Corona-Pandemie kostenlos mit der Bahn fahren. Das behauptete eine 34-Jährige aus München, die bis vor wenigen Monaten noch in Holzkirchen lebte. Dass ihre Aussage nicht der Wahrheit entsprach, kam jetzt vor dem Miesbacher Amtsgericht ans Tageslicht.

Angeklagt war die Frau wegen Erschleichens von Leistungen mit versuchtem Betrug. Ob sie einfach schlecht informiert war oder sich mit ihrer Behauptung aus der Affäre ziehen wollte, wurde nicht klar. Fakt ist aber: Sie hätte nur 8,30 Euro bezahlen müssen und wäre nicht vor Gericht gelandet.

Anfang April ist die Angeklagte mit der Bayerischen Oberlandbahn von München nach Holzkirchen gefahren – und das ohne gültigen Fahrschein, was den Tatbestand des Erschleichens von Leistungen erfüllt. Der versuchte Betrug stand im Strafbefehl, weil die Münchnerin dem Fahrkartenkontrolleur eine Monatskarte für März zeigte. „Ich kaufe immer eine Monatskarte“, rechtfertigte sich die 34-Jährige, die im April noch in Holzkirchen lebte, nun vor Gericht. Warum hatte sie dann für April keine? „Weil ich dachte, dass man während der Corona-Pandemie kostenlos fahren darf.“ Ein Busfahrer hätte ihr dies erzählt. Dass sie den Kontrolleur beim Zeigen ihrer März-Monatskarte täuschen wollte, stritt die Angeklagte ab. „Ich habe ihm nicht nur die für März gezeigt, sondern noch weitere Monatskarten, damit er sieht, dass ich eigentlich immer eine habe“, erklärte die Frau. Als Beweismittel brachte sie einige ihrer abgelaufenen Monatskarten mit zur Gerichtsverhandlung.

Dass sie jedoch kein gültiges Ticket für besagten Tag hatte, gestand die Münchnerin. Dass Letzteres der Fall war, bestätigte der Mann, der die Frau damals kontrollierte. „Ich glaube, sie zeigte mir die Monatskarte für März, ja“, sagte der 31-Jährige aus Bad Wiessee. Als erfahrener Kontrolleur habe er jedoch schnell erkannt, dass das Ticket abgelaufen war. „Erst dann hat sie das mit Corona gesagt“, so der Zeuge. „Dass es die Regel jemals gab, dass man kostenlos fahren durfte, stimmt aber nicht.“ Als sie auch mit dieser Masche bei dem Wiesseer auf Granit biss, „zeigte sie mir einen Schwerbehindertenausweis“. Dem Kontrolleur reichte es dann und er verständigte die Polizei, „weil sie mir einfach nicht ihren Ausweis zeigen wollte“. Ihren Aufenthaltstitel zeigte die 34-Jährige dann erst den eingetroffenen Beamten, wie ein Holzkirchner Polizist (21) bestätigte. Doch auch bei ihm habe sie es zunächst mit der Monatskarte für März und der Corona-Ausrede versucht.

Da die Angeklagte bereits einen Eintrag im Bundeszentralregister wegen Betrugs hat, fiel es der Staatsanwaltschaft umso schwerer, ihren Aussagen Glauben zu schenken. „Ich halte das, was Sie heute gesagt haben, für Schutzbehauptungen“, befand die Staatsanwältin. Zu Gute hielt sie der Münchnerin allerdings, dass sie das erhöhte Beförderungsentgelt fürs Schwarzfahren in Höhe von 60 Euro bereits bezahlt hat. Dennoch sei eine Geldstrafe von Nöten – in Höhe von 90 Tagessätzen à 15 Euro. Amtsrichter Walter Leitner beließ es bei 70 Tagessätzen zu je 15 Euro und mahnte an, dass dies einer „erfahrenen Regiobenutzerin“, die die Angeklagte sei, nicht hätte passieren dürfen. „Es ist schon unglaublich, für was Corona herhalten muss – jetzt auch noch fürs Schwarzfahren“, resümierte Leitner. „Das macht keinen Sinn, dass man nur deswegen umsonst fahren dürfte. Die haben durch die Pandemie genug Einbußen.“

Von Philip Hamm

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