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Corona-Boom: Kann der Grüne Markt in Holzkirchen wachsen?

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Von: Marlene Kadach

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Käseverkäufer Florian Müller am Wochenmarkt in Holzkirchen
Florian Müller aus Lenggries, alias der Kas Flo, wäre auch gern samstags am Wochenmarkt vertreten. © Thomas Plettenberg

Der Grüne Markt in Holzkirchen boomt seit der Coronakrise. Käseverkäufer Florian Müller etwa möchte sein Angebot ausweiten. Doch das ist schwierig.

Holzkirchen – Mit der Coronakrise kamen mehr Kunden. „Viele Leute arbeiten jetzt im Homeoffice, die Kinder sind zu Hause. Es wird wieder mehr selber gekocht“, sagt Florian Müller. Die Menschen geben mehr Geld für gutes Essen aus. Der „Kas Flo“ aus Lenggries ist einer von den Neuen, er verkauft seit eineinhalb Jahren Käse und Pasta am Grünen Markt in Holzkirchen, bislang nur mittwochs. „Viele Kunden fragen mich, ob ich nicht auch samstags kommen könnte“, sagt der 38-Jährige. Der Samstag sei nun mal der klassische Einkaufstag. Müller fragte bei der Gemeinde an. Doch dort schüttelte man den Kopf.

Fakt ist: Seit Beginn der Coronakrise sind die Kundenzahlen auf Wochenmärkten generell gestiegen. Daher stellt sich die Frage, ob die Gemeinde Holzkirchen das Angebot am Grünen Markt nicht ausweiten möchte.

Standortförderin Eva-Maria Schmitz weiß, dass der Zulauf auf den Wochenmarkt, die Nachfrage nach regionalen Produkten wuchs. Sie erklärt, warum das Rathaus Müllers Wunsch dennoch nicht erfüllen kann. „Es ist derzeit sehr schwer, mehr Kapazitäten anzubieten.“ Zum einen sei der Marktplatz bereits gut bestückt. Aktuell sind es laut Schmitz fünf Fieranten, die an beiden Tagen kommen. Des Weiteren seien sieben nur am Mittwoch und sieben nur am Samstag vertreten. „Und den wenigen Platz, den wir noch haben, geben wir an Saisonverkäufer oder andere Kurzzeitverkäufer.“ Als Dauerstände könnten diese Kapazitäten nicht verwendet werden. Das habe man Müller mehrfach mitgeteilt. Jährlich erreichen die Gemeinde mehrere Anfragen von verschiedenen Fieranten. Auch für diese gibt es momentan keine Chance. Darüber hinaus wolle die Kommune aufgrund von Corona den Markt ein wenig entzerren, „sodass für den Kunden mehr Platz zur Verfügung steht“.

Theoretisch gäbe es zwar am Herdergarten noch Möglichkeiten. Aber dazu sei aktuell nichts in Planung. Auch aus Sicht von Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) gibt es keinen Handlungsbedarf.

Wochenmarkt Holzkirchen mit Mann, der auf der Straße vor dem Marktplatz geht.
Wochenmarkt Holzkirchen: Gegen die Idee, die Straße vor dem Rathaus zu sperren, gab es viele Widerstände. © Thomas Plettenberg

Würde man den Markt ausweiten, gibt es laut Schmitz ein großes Problem: Die Straße zwischen Marktplatz und Rathaus könne während der Märkte nicht gesperrt werden. Ein Testlauf scheiterte, weil es Bedenken wegen der Feuerwehrzufahrt gab. Und von Seiten der Einzelhändler, die um Parkplätze fürchten. Obendrein bevorzugten die Fieranten den Marktplatz. „Weil sie sich vorne an der Straße stärker wahrgenommen fühlen.“ Anders als am rückwärtigen Herdergarten.

Vor über 45 Jahren, als ihr Vater noch das Geschäft führte, und sie als Mädchen hinten am Wagen rumturnte, fand der Markt am Herdergarten statt, erinnert sich Gabriele Bichlmeier vom gleichnamigen Fruchthaus in Holzkirchen. Sie selbst möchte heute aber mit ihrem Stand am Marktplatz bleiben, weil sie da besser gesehen werde. Sie hätte aber kein Problem mit Ständen am Herdergarten. Von der kurz getesteten Idee, auf der Straße am Rathaus Stände zu positionieren, hält Bichlmeier nichts. „Die auswärtigen Kunden brauchen die Parkplätze, die kennen sich sonst nicht mehr aus.“ Gerade beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 geriet Bichlmeier ins Schwitzen, weil die Leute ihr plötzlich die Bude einrannten. Schlossen die Lokale, strömten mehr Leute auf den Markt. „Da musste man erst in die Situation reinwachsen.“ Sie stockte die Ware auf, personell bekommt sie nun mehr Unterstützung aus der Familie. Doch der Stress lohnte sich, denn der Umsatz stieg. Lediglich letzte Woche spürte Bichlmeier einen leichten Rückgang: „Die Leute haben vielleicht Angst vor der neuen Virusmutation.“ Insgesamt ist sie zufrieden: „Die Holzkirchner sind super. Sie warten in der Schlange und halten Abstand.“

Auch Michael Koppenhofer aus Oberlaindern ist ein alteingesessener Händler, seine Familie verkauft seit rund 45 Jahren Fischspezialitäten am Markt. Er berichtet ebenfalls von gestiegenen Kundenzahlen. „Die Leute gehen jetzt eben lieber im Freien einkaufen.“ Er persönlich ist mit den bestehenden Kapazitäten zufrieden. „Wenn etwas gut läuft, soll man es nicht verändern.“ Von solchen Ansichten lässt sich der Kas Flo nicht beirren: „Ich bleibe da dran.“

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