Fahrgäste warten am Holzkirchner Bahnhof auf den Zug
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Ein zuverlässiges Angebot will das Verkehrsministerium den übrig gebliebene Fahrgästen trotz Coronakrise bereitstellen. Daher bleibt der reguläre Fahrplan, obwohl deutlich weniger Passagiere als sonst mitfahren.

70 Prozent weniger Fahrgäste

Corona fegt BRB-Züge leer: Rettungsschirm soll Verluste ausgleichen

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Wegen der Coronakrise zählt die BRB 70 Prozent weniger Fahrgäste. Um die finanziellen Verluste auszugleichen, hofft das Unternehmen auf den staatlichen Rettungsschirm.

Landkreis – Corona fegt die Züge der Bayerische Regiobahn (BRB) mit Sitz in Holzkirchen leer. „Wir verzeichnen seit März 2020 spürbare Rückgänge bei den Fahrgastzahlen“, berichtet Marketingleiterin Sabine Floßmann. Das betreffe alle Netze. Die BRB vermutet, dass neben Ausflüglern auch Berufspendler wegfallen, die sich durch Homeoffice den Weg zur Arbeit sparen. Oder die nun lieber das Auto nehmen. Durchschnittlich seien es seither rund 70 Prozent weniger Passagiere. „Nur im Sommer war es etwas besser.“ Das lag der Rückgang bei 40 bis 50 Prozent. Ein elektronisches Fahrgastzählsystem liefere einen guten Überblick. Auch ein Blick aus ihrem Bürofenster belegt den Trend. Am Pendlerparkplatz am Holzkirchner Bahnhof bekomme man „sonst um 7 Uhr morgens keinen Parkplatz mehr“, sagt Floßmann. Jetzt sei das kein Problem mehr.

BRB in der Krise: Wegen Corona bleiben die Fahrgäste aus

Dafür steht das Eisenbahnunternehmen nun vor einem anderen Problem: Denn die weggebrochenen Fahrgasterlöse haben finanzielle Auswirkungen. Wie hoch die Einbußen sind, dürfe sie aus Wettbewerbsgründen nicht nennen, sagt Floßmann. Ein staatlicher Rettungsschirm soll nun helfen. „Wir sind frohen Mutes, dass wir die Verluste des vergangenen Jahres ausgleichen können.“

Ein Punkt, der erschwerend hinzukommt, ist: Trotz der Rückgänge „fahren wir den vollen Fahrplan“, erklärt Floßmann. Dabei hatte das Unternehmen, wie berichtet, Ende des Jahres mit dem Bayerischen Verkehrsministerium darüber gesprochen, ob der Fahrplan zum Beispiel über die Weihnachtsferien ausgedünnt werden kann. Damals hatte das Ministerium entschieden, alle Verbindungen aufrecht zu erhalten.

Trotz Fahrgast-Verlust: BRB will regulären Fahrplan anbieten

Ein Sprecher erklärt, warum das Ministerium trotz der geringen Auslastung prinzipiell darauf besteht, den regulären Fahrplan anzubieten: „Wegen des weiterhin sehr intensiven Infektionsgeschehens ist und bleibt es wichtig, den öffentlichen Verkehr so sicher wie möglich zu gestalten.“ Dies schließe mit ein, „dass wir für die Menschen, die weiterhin auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind – auf dem Weg zur Arbeitsstelle, zum Arzt oder für notwendige Besorgungen – ein zuverlässiges Verkehrsangebot bereitstellen.“ BRB-Pressesprecherin Annette Luckner ergänzt, dass es auch nicht so einfach sei, Fahrpläne kurzfristig umzustellen. „Das ist oft ein logistisches Problem.“ Denn: „Am Ende des Tages müssen die Züge irgendwo untergestellt werden.“ Damit sie am nächsten Tag wieder reibungslos starten können.

Keine Fahrgäste bei der BRB: Hoffen auf den Rettungsschirm

Zum Thema Rettungsschirm heißt es aus dem Ministerium: „Wie schon 2020 will die Bayerische Staatsregierung auch 2021 den Eisenbahnverkehrsunternehmen, die im Freistaat den Schienennahverkehr betreiben, eine verlässliche wirtschaftliche Perspektive bieten.“ Deshalb werde aktuell an einer möglichen Fortsetzung des Rettungsschirms für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gearbeitet. Dabei setze die Staatsregierung auch wieder auf eine finanzielle Beteiligung des Bundes. „Über die konkrete Ausgestaltung eines ÖPNV-Rettungsschirms 2021 kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts mitgeteilt werden“, erklärt der Sprecher. Wie 2020 soll auch 2021 ein ÖPNV-Rettungsschirm aufgelegt werden, der nicht auf ein konkretes Unternehmen beschränkt ist, sondern allen im Schienenpersonennahverkehr tätigen Verkehrsunternehmen offensteht.

Bislang können in Bayern bis zu 90 Prozent der pandemiebedingten Einnahmeverluste beim ÖPNV ausgeglichen werden, berichtet Luckner. Allerdings hoffe die BRB darauf, dass 100 Prozent ersetzt werden. Das sei in anderen Bundesländern auch der Fall. Die Verhandlungen der BRB für 2020 seien noch nicht abgeschlossen, für 2021 sei das Verfahren noch offen. Trotz der Krise kann ihre Kollegin Floßmann auch Positives berichten. Da der volle Personalstamm ebenfalls weiterhin im Einsatz sei, musste kein Mitarbeiter in Kurzarbeit gehen, und: „Die Aussagen der Politik, dass der ÖPNV nicht sicher ist, können wir nicht bestätigen.“ Dank der geringen Auslastung könnten Abstände im Zug gut eingehalten werden.

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