Bauernhofkindergarten am Asberg in Holzkirchen
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Erzieherin Hester Frieß (r.) und Landwirtin Hanna Müller planen auf dem Asberg in Holzkirchen einen Bauernhofkindergarten. Kälbchen Krümel würden die tägliche Schmuseeinheiten offensichtlich gefallen.

Beschluss im Gemeinderat

Abenteuer Kindergarten: Holzkirchen skeptisch bei Initiative am Asberg

  • VonSelina Benda
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Holzkirchen – Ein Bauernhofkindergarten soll in Asberg entstehen. Die Gemeinderäte sind zunächst skeptisch und fordern Nachbesserungen.

Der Bauernhof von Hanna Müller könnte idyllischer nicht liegen: Oben auf dem Asberg hinter Hartpenning, umgeben von weiten Wiesen und fernab von der Hektik der Stadt. Dort oben möchte die Erzieherin Hester Frieß zusammen mit der Landwirtin einen Bauernhofkindergarten eröffnen. Nun haben auch die Gemeinderäte in Holzkirchen dem Projekt generell zugestimmt.

Der Gedanke ist nicht neu: Schon seit 2017 spielt Frieß, die derzeit in Neuperlach und davor viele Jahre in Holzkirchen in Kindergärten tätig war, mit dem Gedanken, oben auf dem Hof einen Bauernhofkindergarten zu etablieren. Als Müller ihre Weiterbildung zur Erlebnisbäuerin abschloss und 2018 den Hof vom Vater übernahm, hatte Frieß für ihre Idee die perfekte Partnerin gefunden.

Rückenwind aus dem Gemeinderat nötig

Seitdem bieten die Freundinnen gemeinsam Jahreskurse für Kinder sowie Erlebnistage für Besuchergruppen der Lebenshilfe und Regens Wagner sowie Schulklassen und Kindergartengruppen an. Den Jahreszyklus von Flora und Fauna erleben, selbst im Frühjahr anpflanzen und im Herbst ernten, sich um die Pflege der Tiere kümmern oder einfach nur die beruhigende Wirkung der idyllischen Atmosphäre auf sich wirken lassen – „für die Kinder ist das der Wahnsinn“, wissen die beiden aus Erfahrung. Dieses Erleben auch einer festen Gruppe von etwa 20 Kindern das ganze Jahr über anzubieten, wäre der Traum für Frieß und Müller.

Mit dem Projekt haben sich jüngst auch die Gemeinderäte in Holzkirchen befasst, denn die FWG-Fraktion hatte einen Antrag auf Inbetriebnahme eines Bauernhofkindergartens auf dem Asberg gestellt. „Dies soll ein Mutmacher­antrag ohne Zahlungsverpflichtung für die Gemeinde sein“, erklärte der Fraktionsvorsitzende Torsten Hensel. Um den beiden Frauen zu zeigen, dass ihr Projekt erwünscht ist, würden sie Rückenwind aus dem Gemeinderat brauchen.

Keine Regeln für Bauernhofkindergarten

Neu sei der Verwaltung das Vorhaben nicht, wie Johann Löffler, Verantwortlicher für Kindertagesstätten und Schulen, erklärte. Bereits in den Jahren 2017 und 2019 sei man mit Frieß und Müller in Kontakt gewesen, doch immer wieder auf Probleme beim Umsetzen gestoßen. Die Krux an der Sache liege im bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz, in dem bisher keine Grundlagen für einen Bauernhofkindergarten festgelegt sind.

Fest stehe nur, dass Einrichtungen dieser Art immer einen räumlichen Bezug zu einem festen Gebäude bräuchten, das als Kindergarten anerkannt ist, erklärte Geschäftsleiter Robert Haunschild. Sollten diese Räume im Bauernhof liegen, würde es eine Nutzungsänderung der Landwirtschaft brauchen. Für den wirtschaftlich betriebenen Demeterhof auf dem Asberg ist das keine Option, wie Landwirtin Hanna Müller sagt.

Bedenken im Gemeinderat

Generell zeigte sich das Gremium wohlwollend gegenüber der Idee. Sebastian Beil (CSU) und Wolfgang Huber (SPD) lobten die bereits stattfindende hochwertige pädagogische Arbeit, die auf dem Hof stattfinde. „Die gesetzlichen Grundlagen sind da und müssen erfüllt werden“, sagte Karl Bär (Grüne), der eine Zustimmung aber auch als positives Signal für das Projekt sah.

Mehr Bedenken hegte Michael Wohlschläger (CSU): „Die Idee ist nett, aber nicht ausgereift.“ Auch Bürgermeister Christoph Schmid fehlte es an umfangreichen Unterlagen seitens der beiden Frauen: „Nur ein pädagogisches Konzept reicht nicht.“ Mit zwei Gegenstimmen sprachen sich die Gemeinderäte für den Antrag aus.

Verzwickte Situation mit Verwaltung

Für Frieß und Müller liegt tatsächlich noch einiges an Arbeit an, denn um die nötige Bedarfsanerkennung der Gemeinde zu erhalten, sollen sie nun zum pädagogischen Konzept auch einen Finanzbedarfs- sowie einen Bauplan vorlegen. „Erst wenn der Bedarf anerkannt ist, können wir zum Beispiel Fördergelder beantragen“, erklärt die Erzieherin.

„Wir drehen uns im Kreis“, sagt Frieß, denn um eine Betriebserlaubnis vom Landratsamt Miesbach zu erhalten, benötigen die beiden Frauen wiederum die Bedarfsanerkennung der Gemeinde. Einen Elternverein zu gründen, wie es etwa Wohlschläger in der Sitzung vorgeschlagen hatte, komme für sie nicht infrage. „Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist enorm wichtig, macht einen aber auch sehr abhängig“, sagt Frieß.

Start für September 2022 geplant

Das Erziehungskonzept im ganztags betriebenen Bauernhofkindergarten solle sich vor allem auch am Bedarf der Kinder orientieren. Darauf würden dann die Aktivitäten abgestimmt. Als Fachkraft für Inklusion möchte Frieß zwei Integrationsplätze anbieten. „Gerade entwicklungsverzögerte Kinder oder solche aus schwierigen sozialen Verhältnissen profitieren von der therapeutischen Wirkung der Tiere“, erklärt die Holzkirchnerin. Der Kindergartenbereich würde auf einem abgegrenzten Teil des Hofes liegen, aber die Drei- bis Sechsjährigen würden immer wieder auf freiwilliger Basis in die landwirtschaftlichen Arbeiten mit einbezogen. „Das Ausmisten ist für alle Kinder erstaunlicherweise immer das Beste“, sagt Müller.

Entmutigen lassen sich die Freundinnen nicht. Mit zwei hilfsbereiten Damen vom Landratsamt zäumen Frieß und Müller das Pferd nun von hinten auf. Gemeinsam wird geprüft, was auf dem Außengelände des Hofes bautechnisch möglich ist und ein Finanzkonzept erstellt. „Auch wenn die Zahlen darin vage sind, wir schaffen das schon“, ist die Erzieherin überzeugt. Wenn alle nötigen Unterlagen vorliegen, geht es wieder zur Gemeinde. Ein Start des Bauernhofkindergartens auf dem Asberg im September 2022 wäre für die Freundinnen ein Traum. Genügend Interessenten gebe es. sb

Quelle: DasGelbeBlatt

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