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Bundesminister Cem Özdemir besucht Stroblhof in Holzkirchen

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Bundesminister Cem Özdemir besucht Stroblhof in Holzkirchen
Bio-Bauer Max Müller (r.) hofft, dass Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (M.) von dem Besuch auf dem Stroblhof Verständnis für die Kombihaltung mit nach Berlin nimmt. Begleitet haben den Minister unter anderem die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl (l.) sowie die Fraktionssprecher der Landtag-Grünen, Ludwig Hartmann und Katharina Schulze. © Hacker

Holzkirchen – Cem Özdemir (Grüne), aktuell Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, hat sich auf dem Stroblhof in Holzkirchen-Asberg ein Bild von der Kombihaltung gemacht.

Auf Einladung des Holzkirchner Bundestagsabgeordneten Karl Bär hat sich Cem Özdemir als Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft (beide Grüne) den Stroblhof in Asberg bei Holzkirchen angeschaut. Ein konkretes Statement zur Kombihaltung gab es nicht.

Max und Hanna Müller führen den Stroblhof in Asberg in 29. Generation. In Kombihaltung mit Weidegang wird dort seit Ende 2019 Demeter-Heumilch erzeugt, die ab Hof direkt über eine Milchtankstelle vermarktet sowie an die Molkerei Berchtesgadener Land geliefert wird. Was sie und auch viele konventionelle Landwirte vermissen, die diese Haltungsform betreiben, ist ein klares Bekenntnis der Bundespolitik, ob dies auch in Zukunft noch wirtschaftlich möglich sein wird.

Plädoyer für Kombihaltung mit Weidegang

„Was hier zu sehen ist, ist spannend und lässt natürlich das Herz eines Landwirtschaftsministers höher schlagen“, stellte Cem Özdemir beim Blick auf die friedlich grasenden Kühe und die bio-zertifizierte Hofstelle anerkennend fest. Dazu meinte Max Strobl: „Mein Schwiegervater hat den Betrieb noch traditionell betrieben, aber ganz ehrlich hat er eigentlich auch nichts anderes gemacht wie wir und viele andere, auch konventionelle Betriebe, es heute noch tun.“

Das bestätigt Öko-Modellregionsmanagerin Stephanie Stiller, die ein Plädoyer für die Kombihaltung mit Weidegang hielt: „Das trägt nicht nur der Gesundheit und dem Wohl der Tiere bei, sondern ist auch ein entscheidender Faktor zur Biodiversität und dem Erhalt unserer Kulturlandschaft.“ Die Alternative wäre, sagt Stiller, die Wiesen mit immer größeren und schwereren Arbeitsgeräten zu bewirtschaften: „Deswegen, wenn die Möglichkeit besteht, austreiben.“

Tierwohlkennzeichnung hat Vorrang

Marlene Hupfauer, die bis Ende Mai Kreisbäuerin war, forderte deswegen ein Statement von Özdemir zu dieser Haltungsform: „Es geht – bio oder konventionell – um die Zukunft unserer Höfe. Bitte diskutieren Sie jetzt in Berlin nicht lange herum, sondern bringen Sie diese Haltungsform dauerhaft mindestens in Stufe 3 unter.“

Die Bitte an den Minister blieb unerfüllt. Stattdessen wiederholte Özdemir fast mantrahaft sein neues Konzept für ein fünfstufiges staatliches Label zur Tierwohlkennzeichnung: „Ich habe ein über 16 Jahre schlecht geführtes Ministerium übernommen, das ich buchstäblich erst ausmisten musste. Jetzt machen wir zuerst die staatliche Tierwohlkennzeichnung für mehr Sicherheit von Landwirten und Verbrauchern.“

Frust bei Milchwerken Berchtesgadener Land

Özdemir sagte zumindest zu, dass Landwirten zur Kombihaltung mit Weidegang aus Berlin nichts übergestülpt werden soll: „Klar ist, dass wir zeitnah Lösungen brauchen, damit Höfe nicht aufgeben müssen und die auch örtliche Situation berücksichtigen. Zeitnah heißt für mich: in dieser Legislaturperiode.“

Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land, würde mehr erwarten: „Seitens unserer größten Kunden wie Edeka gibt es keine Bemühungen, die Kombihaltung mit Weidegang kaputtzumachen. Solange kein politisches Verbot kommt, ist das absolut okay und salonfähig.“ Er hofft, dass die angestrebte neue staatliche Tierwohlkennzeichnung das zumindest nicht torpediert. Max und Hanna Müller hoffen, dass der Besuch des Bundeslandwirtschaftsministers dazu beigetragen hat, dass sie den Stroblhof an die 30. Generation übergeben können. hac

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