Axel Horn, Gemeinderat in Sauerlach
+
Axel Horn (58), geboren in Bonn, lebt seit 30 Jahren in Sauerlach. Er betreibt das Ingenieurbüro Solar Energie Information, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

„Kommunalpolitik macht Bundespolitik erst möglich“

Seit 18 Jahren im Gemeinderat Sauerlach: Axel Horn über Engagement vor Ort

Sauerlach – Axel Horn sitzt seit 18 Jahren für Bündnis 90/Die Grünen im Sauerlacher Gemeinderat. Im Gespräch erklärt er, was das bedeutet.

Herr Horn, was muss man für die Arbeit im Gemeinderat mitbringen?
Man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass es in den Parteien einen, sagen wir mal so, nach oben strebenden Al­tersdurchschnitt gibt. Die Bereitschaft mitzugestalten, wäre schon gut – und nicht nur die Lust Likes im Internet abzusetzen. Ich wollte zum Beispiel immer Radwege haben. Und auch das ist klar: Kommunalpolitik macht Bundespolitik erst möglich. Denn irgendwo müssen deren Beschlüsse, etwa was die Energiewende betrifft, umgesetzt werden.
Wie und wann kamen Sie zur Kommunalpolitik?
Das ging bei mir sehr früh los. Ich war schon kurz vor meinem Abi­tur, so um 1980, sehr an politischer Arbeit interessiert. Ich wollte wissen, welche Möglichkeiten es gibt, sich vor Ort zu engagieren. Dazu muss man natürlich erst mal an den Sitzungen teilnehmen, um mitzukriegen, wie Kommunalpolitik überhaupt funktioniert. Über den Bund Naturschutz bin ich später in Sauerlach zu den Grünen gekommen. Man muss zwar nicht Parteimitglied sein, um für den Gemeinderat zu kandidieren, aber ich dachte mir: Wenn schon, denn schon. Ich habe übrigens gemeinsam mit Anton Hofreiter vor 18 Jahren angefangen. Er ist dann in den Bundestag gewechselt. Meine politische Karriere war etwas unaufgeregter.
Was hat sich in Ihren drei Legislaturperioden in der Kommunalpolitik geändert?
Im Gemeinderat hat sich einmal geändert, dass anfangs die CSU maßgeblich und entscheidend war. Politik wurde damals noch und vor allem im Gasthaus „Schmuck“ gemacht. Mit zwei Grünen konnte man nicht viel ausrichten und es gab für uns viel Kontra. Das ist ja heute etwas anders, weil die Mehrheitsverhältnisse anders sind.
War das für Sie damals ein schwieriger Lernprozess?
Unbedingt, das war nicht immer schön. Aber man lernt so, andere Meinungen gut auszuhalten und trotzdem seinen Standpunkt zu vertreten. Der wird dann schon mal zur Kenntnis genommen – und das ist ja auch schon was wert. Mitunter konnte ich was bewegen, einfach dadurch, dass ich die entsprechenden Ratsunterlagen hatte und so bestimmte Sachen rechtzeitig mitbekommen habe.
Warum sollte man sich kommunalpolitisch im Gemeinderat engagieren?
Wenn man unter schlechten Entscheidungen leidet, hat man als Gemeinderat bessere Möglichkeiten der Einflussnahme, als wenn man nicht im Gemeinderat sitzt. Schon weil man rechtzeitig an Informationen kommt und eventuell etwas ändern kann, noch bevor es in die Öffentlichkeitsbeteiligung geht. Denn bei diesem Verfahrensschritt sind schon viele Entscheidungen gefällt.
Wie wichtig ist Parteizugehörigkeit in der Kommunalpolitik?
Ich glaube, dass das eher indirekt funktioniert. Also dass man bei einer bestimmten Partei ist, weil man grundsätzlich bestimmte Ansichten hat, die Welt so oder anders haben will. Und das macht sich natürlich bei bestimmten Themen bemerkbar, zum Beispiel, ob man Geschwindigkeitsbeschränkung haben will – oder eben nicht.
Inwieweit spielt die Lust am Rechthaben als Motivation eine Rolle?
Ich stehe in der Tat häufig als der Besserwisser da (lacht), und das nervt sicher manche Leute sehr, nicht nur in der Politik. Aber ich bin sicher nicht die super Führungspersönlichkeit und ich versuche auch nicht, borniert meine Meinung durchzudrücken. Mitunter verzichte ich auch mal darauf, eine Meinung zu haben.
Ist die Zusammenarbeit im Gemeinderat eher vom Zwischenmenschlichen oder vom Parteipolitischen geprägt?
Zwischenmenschlich haben wir alle kein großes Problem miteinander. Aber man merkt natürlich auch, dass eine persönliche Sympathie nicht immer trägt, wenn es darum geht, bestimmte Sachen gemeinsam anzugehen. Das ist mitunter irritierend. Andererseits: Die Welt geht ja nicht unter, wenn ich mich in einer Abstimmung mal nicht durchsetzen kann. Und dann findet man in bestimmten Fragen auch immer wieder quer durch die Fraktionen Verbündete, das geht manchmal wild durcheinander. Ein Beispiel: Ohne meine damalige Intervention würde das Heimatmuseum in Arget heute nur mit fossilem Erdgas beheizt. Und Willi Berthold aus Arget, der inzwischen auch für die UBV im Gemeinderat sitzt, hat es möglich gemacht, dass der Großteil der Wärme klimaneutral aus einer Holzhackschnitzelheizung kommt.
Welche Themen nerven Sie?
Schade finde ich, dass es im Gemeinderat in den vergangenen 18 Jahren noch keine Bereitschaft gab, ein Neubaugebiet als ökologisches Siedlungsprojekt zu planen. Zudem nervt mich das Thema Kunstrasenplatz. Ich halte es für einen absoluten Anachronismus, massenhaft Kunststoff – egal wie umweltfreundlich er hergestellt wurde – für ein Wahnsinnsgeld in die Landschaft zu schütten, um Kinder drüber rennen zu lassen, die sich auch anderweitig in der Natur bewegen können. Es gibt ja noch andere tolle Sportarten außer Fußball. Und ich fände es toll, wenn es zum Beispiel ein Naturschwimmbad in Sauerlach gäbe, was auch günstiger zu betreiben wäre als ein gängiges Bad. Dann könnten Kinder in Sauerlach wieder Schwimmen lernen! Ich halte das für sehr wichtig.
Fehlt es dafür am nötigen Geld?
Wenn man Geld ausgibt für Fußball und Gymnasium und Straßenräumdienste und noch mehr Straßen baut, um neue Siedlungsgebiete zu erschließen, dann reicht es halt fürs Schwimmbad nicht mehr. Dann gehen halt die Kinder unter.
Wie viel Arbeitszeit investieren Sie in ihre Gemeinderatsarbeit?
Es sind mindestens drei Runden: Fraktion, Ausschuss- und Gemeinderatssitzung. Eine Ausschusssitzung kann etwa nach zwei Stunden durch sein, kann aber auch bis Mitternacht dauern. Grundsätzlich sind mindestens anderthalb Arbeitstage pro Monat weg. Die eigentliche Meinungsbildung findet in der Regel zuvor in der eigenen Fraktion statt. Durch die neuen Medien ist mittlerweile auch viel Dynamik in die Arbeit gekommen: Früher hatte man als Diskussionsgrundlage riesige Papierberge. Und wenn der Bürgermeister mal etwas Falsches behauptet hat, suchte man fürs Gegenargument die entsprechende Stelle mühselig in den Unterlagen, wenn man sie dann überhaupt gefunden hat. Heute besteht die Möglichkeit mittels Tablet schnell bei einem Gesetz nachzuschauen oder andere wichtige Informationen abzurufen. Das ist sehr hilfreich.
Sie sind ja mit ihrem Ingenieurbüro selbständig. Hand aufs Herz: Bringt die Gemeinderatsmitgliedschaft Vorteile für ein Unternehmen?
Nein, es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen meinem Beruf und meiner politischen Arbeit. Aber ob mal einer einen Acker hat und den vielleicht zu Bauland ausgewiesen haben will und deshalb im Gemeinderat sitzt – das lässt sich nur vermuten. Wer im Gemeinderat sitzt, hat meiner Erfahrung nach eher Lust daran, etwas zu gestalten. Hier sehe ich die Hauptmotivation fürs politische Engagement und nicht bei eigenen wirtschaftlichen Vorteilen. Man fühlt sich halt wohl, wenn man etwas positiv bewirkt. Ich freue mich zum Beispiel, wenn ich durch Sauerlach gehe und sagen kann, das und das haben wir schon geschafft. So tickt der Mensch.

Gemeinderäte in Bayern

Laut bayerischem Landesamt für Statistik gibt es im Freistaat Bayern aktuell 2.056 Gemeinden. Im Rahmen der Gemeinde- und Landkreiswahlen werden alle sechs Jahre die Gemeinderatsmitglieder gewählt. Zuletzt waren dabei 32.810 Mandate zu vergeben – davon 31.638 in kreisangehörigen Gemeinden und 1.172 in kreisfreien Städten.

Die Anzahl der Gemeinderatsmitglieder hängt jeweils von der Größe der Gemeinde ab. Geregelt ist das in der Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern und dort in Artikel 31. Das Minimum liegt bei acht Vertretern (bis 1.000 Einwohner). Die größten Kommunen haben 60 Räte (200.000 bis 500.000 Einwohner).

Der Gemeinderat in Sauerlach besteht derzeit aus 20 Mitgliedern. Vertreten sind folgende Parteien: UBV (sieben Sitze), CSU (6), Bündnis 90/Die Grünen (4), SPD (2) und FDP (1). Bürgermeisterin ist Barbara Bogner (UBV).

cam

Quelle: DasGelbeBlatt

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare