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Keine neue Kiesgrube in Warngau

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Von: Sandra Hefft

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Lastwagen vor Einfahrt Kiesgrube Warngau
Der Warngauer Gemeinderat hat einen Antrag für eine neue Kiesgrube abgelehnt. Auch vergangene Probleme in der bestehenden Anlage in der Ahornallee spielten dabei eine Rolle. © Benda

Warngau – Der Warngauer Gemeinderat hat einen Antrag zum Bau einer neuen Kiesgrube abgelehnt.


Anträge für neue Kiesgruben bringen immer ein großes Diskussionspotential mit sich. So nun auch in der jüngsten Sitzung des Warngauer Gemeinderates: Denn das Gremium war sich nicht über die angedachten Abgrabungen an der Bundesstraße 318 einig – am Ende fiel die Entscheidung deshalb auch relativ knapp, jedoch gegen eine neue Anlage, aus.

An der Bundesstraße 318 in Höhe Krottenthal wird bereits eine Kiesgrube betrieben. Auf der gegenüberliegenden Seite des Gewerbegebiets – auf einer landwirtschaftlichen Fläche im Außenbereich der Gemeinde Warngau – scheinen wohl auch erhebliche Kiesvorkommen unter der Oberfläche zu schlummern. Denn in seiner letzten Sitzung des Jahres lag dem Warngauer Gemeinderat ein Antrag auf Abgrabung, Kiesgewinnung, Wiederverfüllung und Rekultivierung für besagte Fläche vor.

Bürgermeister Klaus Thurnhuber las dem Gremium gleich zu Beginn des Tagesordnungspunktes die vorgefertigte Stellungnahme der Gemeinde vor – und diese lehnt das Bauvorhaben ab. „Die anvisierte Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet, ohne Anbindung an bestehende Anlagen“, sagte der Rathauschef.

Neben der zu erwartenden Ablehnung durch die Untere Naturschutzbehörde, führte Thurnhuber auch die „starke Verunstaltung des Einfallstors zum Tegernseer Tal“ als Ablehnungsgrund an. An dieser exponierten Stelle würde die Landschaft seiner Meinung nach empfindlich gestört.

„Eine Schönheit ist das nicht“, kommentierte Adolf Schwarzer (CSU) die Umgebung der Bundesstraße in der anschließenden Diskussion. Im Gegenteil: Er befand den geplanten Standort als Vorteil, da die Belastung der Warngauer Ortsstraßen durch Lastwagen damit wegfalle.

Auch einige seiner Ratskollegen sprachen sich pro neue Kiesgrube aus. „Wir bauen viel und brauchen den Kies. Wir reden von Nachhaltigkeit und karren dann aber den Dreck durch ganz Deutschland“, monierte Florian Rank (FWG) das Ablehnungsschreiben der Gemeinde. Zudem müsse der Abraum aus den Baugebieten auch wieder verfüllt werden, dies könne in der neuen Anlage ortsnah geschehen.

Sein Fraktionskollege Max Bauer merkte zudem an, dass eine Kiesgrube vergänglich und demnach Flächennutzung und nicht -verbrauch sei. Laut Bürgermeister würden die Genehmigungen für die Gruben im Zehn-Jahres-Rhythmus verlängert.

Harald Stanke (FWG) erklärte, er hätte im ersten Moment dem Vorhaben zugestimmt. „Aber dann habe ich in den Unterlagen gelesen, mit was die Grube befüllt werden soll“, erklärte er sein Umschwenken. Demnach würde die Wiederverfüllung mit einem Drittel Gleisschotter erfolgen. „Da habe ich schon Angst, dass wir uns damit das Grundwasser verunreinigen“, erläuterte Stanke.

Auch Anton Bader (FWG) äußerte dazu seine Bedenken: „Ich möchte nicht wissen, mit was die Kiesgruben immer so aufgefüllt werden.“ Auf Warngauer Flur würde es zudem bereits eine Anlage „mit Problemen“ geben. „Das reicht für uns“, befand Bader im Hinblick auf die bestehende Kiesgrube in der Ahornallee.

Die Gemeinde ist diesbezüglich ein gebranntes Kind, denn vor sieben Jahren gab es mit der Firma „Result-Recycling“ Probleme. Die Landsberger Rückbau- und Entsorgungsfirma entsorgte und verarbeitete damals nämlich Gleisschotter auf ihrem Teil der Kiesgrube. Die Firma Froschauer aus Weyarn betreibt seit 1994 die Kiesgrube an der Ahornallee und trat im Jahr 2010 eine Fläche an „Result-Recycling“ ab.

Ein großer Aufschrei ging damals durch den Gemeinderat, da das Landratsamt als zuständige Aufsichtsbehörde die Genehmigung zur Asphaltierung einer 3000 Quadratmeter großen Fläche genehmigte, welche für die Lagerung und Verarbeitung des Schotters Voraussetzung war. Und das ohne die Gemeinde in das Verfahren mit einzubeziehen – ein wunder Punkt also in der Geschichte der Kommune.

Den Vorwurf der unsachgemäßen Entsorgung von verschiedensten Materialien, wollte Rank so nicht im Raum stehen lassen. „Ich will nicht, dass die Kiesgruben-Betreiber da in Verruf geraten“, wehrte er sich vehement. Illegale Aktionen, in denen Sondermüll in den Anlagen abgeladen wird, würden längst der Vergangenheit angehören. „Die Zeiten, in denen man jedes Geraffel reingebracht hat, sind definitiv vorbei. Das kann sich kein Betreiber leisten“, stellte Rank klar.

Die Kiesgruben würden stark durch die zuständige Aufsichtsbehörde am Landratsamt überwacht. Umstimmen konnte er damit jedoch seine Ratskollegen nicht. Mit zehn zu sechs Stimmen sprach sich das Gremium am Ende gegen die neue Kiesgrube aus. sb

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