Bouldern
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Mit dem Trendsport Bouldern sollen im KletterZ in Weyarn Depressionen bekämpft werden.

Studien belegen Wirksamkeit

Im KletterZ in Weyarn: Bouldern gegen Depressionen

Weyarn – Der Corona-Lockdown hat auch die psychische Belastung für Betroffene verschärft. Mit dem Trendsport Bouldern sollen in Weyarn nun Depressionen behandelt werden.

Die unterschätzte Diagnose Depression ist Untersuchungen zufolge seit der Corona-Pandemie verstärkt auf dem Vormarsch und Therapieplätze werden immer knapper.

Zwei junge, einheimische Klettertrainerinnen bieten nun die alternative Therapieform „Bouldern gegen Depression“ in Weyarn an. Diese Innovation kombiniert Klettern mit Elementen der Achtsamkeitslehre, welche das Uniklinikum Erlangen in ihren Studien als signifikant hilfreich für Menschen mit depressiven Symptomen belegt.

Trendsport gegen Volkskrankheit

Laut dem Bundesministerium für Gesundheit gehören depressive Störungen zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Schätzungsweise 16 bis 20 von 100 Menschen erkranken irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung.

Die Corona-Maßnahmen haben die Prävalenz einer depressiven Erkrankung erhöht, während sich die Versorgungslage verschlechterte. Jens Baas, Vorstandvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), zeigt sich im TK-Gesundheitsreport 2021 besorgt im Hinblick auf die steigenden Zahlen der psychischen Erkrankungen: „Es zeigt sich, dass die psychosoziale Belastung der Menschen über den langen Zeitraum des Lockdowns stark zugenommen hat. Vor allem durch fehlende Möglichkeiten, die Akkus wieder aufzuladen, bei gleichzeitig anhaltendem Stress. Besonders berufstätige Eltern mit Kindern im Haushalt sind davon betroffen.“

Lockdown verschärft psychische Belastungen

Bereits vor der Pandemie entfiel rund ein Drittel der Fehlzeiten bei der Arbeit auf Depressionen. Die Deutsche Depressionshilfe fordert daher bei künftigen Corona-Maßnahmen negative Folgen auf die Psyche stärker zu berücksichtigen. In ihrem Deutschland-Barometer Depression 2021 berichten sie, dass sich bei der Hälfte der Patienten während des Lockdowns die Depression verschlechtert habe, mehr als jeder fünfte Patient gar keinen Behandlungstermin bekomme und auch die Allgemeinbevölkerung so belastet wie nie zuvor sei.

Über eineinhalb Jahre erforschte das Uniklinikum Erlangen in einer Multicenter-Studie die Wirksamkeit einer manualisierten Bouldertherapie im Vergleich zu einem Fitnessprogramm und der kognitiven Gesprächstherapie bei Patienten mit Depressionen.

Uniklinikum Erlangen bestätigt Wirksamkeit

Die 2020 veröffentlichten Studienergebnisse zeigen eine signifikante und nachhaltige Verbesserung der depressiven Symptome bei den Studienteilnehmern. Das Forscherteam resümiert, dass Bouldern gegen Depression weit besser wirkt als ein Fitnessprogramm und mindestens genauso gut wie die kognitive Gesprächstherapie.

Dieses innovative Angebot gibt es im Oberland im KletterZ Weyarn. In zehn Kurseinheiten erarbeiten die Teilnehmer unter Anleitung spielerisch und in Verbindung mit Elementen der Achtsamkeitslehre Strategien zur Stressbewältigung und Emotionsregulation an der Boulderwand. „Alle, die sich in einer depressiven Episode oder einem Burn-Out befinden, aber auch Menschen, die präventiv etwas für ihre mentale Gesundheit tun möchten, können an dem Boulderkurs im KletterZ teilnehmen“, heißt es in einer Mitteilung.

Informationen zum Kurs und zur Anmeldung gibt es unter www.kletternundtherapie.de. ksl

Quelle: DasGelbeBlatt

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