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Kantine in Holzkirchner Gewerbegebiet sorgt für Diskussionsstoff

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Von: Selina Benda

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Magdalena Klein und Philip Jaeger von „Klein‘er Geschmacks Jaeger“
Magdalena Klein und Philip Jaeger haben einige Pläne mit ihrer Firma „Klein‘er Geschmacks Jaeger“ – unter anderem für ihre Betriebskantine, die sie im Holzkirchner Technologiepark betreiben. © Benda

Holzkirchen – Exklusive Küchenpartys, Kochkurse und Gourmet-Dinner will ein Kantinenbetreiber im Gewerbegebiet Holzkirchen-Nord anbieten. Im Gemeinderat gingen die Meinungen dazu auseinander.

Die Corona-Pandemie hat noch einmal deutlich gemacht: Wer langfristig als Selbstständiger bestehen will, muss um die Ecke denken. Vor allem in der Gastronomie wurde das überaus deutlich. Die Betreiber der Betriebskantine im Gewerbegebiet Holzkirchen-Nord haben sich viele Gedanken gemacht, wie sie auch neben ihrem normalen Tagesgeschäft Einnahmen generieren können. Doch einfach ist der Weg nicht – auch, weil die Gemeinderäte sich nicht einig über deren Pläne sind.

Magdalena Klein und Philip Jaeger haben gemeinsam die Firma „Klein‘er Geschmacks Jaeger“ gegründet und mitten in der Corona-Pandemie die Betriebskantine im Technologiepark Holzkirchen übernommen. Seither versorgen sie rund 250 Personen in der Mittagspause mit Gerichten.

Küchenchefin im Restaurant „Fährhütte 14“

In der Sterne-Gastronomie sind die beiden keine Unbekannten: Beide sind ihren Weg durch die Gourmet-Küchen des Landes gegangen. Klein ist derzeit sogar noch Küchenchefin im Restaurant „Fährhütte 14“ in Rottach-Egern. Doch nur noch bis Oktober, denn dann möchte sie ganz in die gemeinsame Firma mit ihrem Partner einsteigen.

Das Mittagsgeschäft in der Betriebskantine soll weiterhin das Hauptgeschäft der beiden bleiben, aber sie benötigen weitere Einnahmen. Um die Gastronomie neu zu denken, wie Jaeger erklärt, erstellten sie ein Konzept, das die Kantinennutzung um Gourmet-Dinner, Kochkurse und Events erweitert. Dafür beantragte das Paar eine Schank- und Gaststättenkonzession beim Landratsamt Miesbach, denn die lag bei Übernahme der Räume noch nicht vor – und dies war der Punkt, an dem die Gemeinde ins Spiel kam. Denn das Landratsamt bat aufgrund der Umnutzung um eine Stellungnahme der Kommune.

Bebauungsplan 132 für Technologiepark

Der bestehende Bebauungsplan 132 für den Technologiepark ist so gefasst, dass Gastronomie zugelassen ist. Somit wäre eigentlich auch die Umnutzung der Kantine kein Problem. Eigentlich, denn wie Bürgermeister Christoph Schmid in der Sitzung vor der Sommerpause erklärte, war die vorherrschende Meinung im damaligen Gremium, dass dort Gewerbe ohne Gastronomie entstehen soll.

Einzige Ausnahme würden die Kantine und eine Bäckerei als Nahversorger bilden. Doch in den Bebauungsplan wurde dies damals nicht aufgenommen. Eine vertrackte Situation, wie Doris Hötzendorfer vom Bauamt erklärte: Denn sollte der politische Wunsch bestehen, dort weitere Gastronomie zu verhindern, müsste der bestehende Bebauungsplan durch einen Beschluss geändert werden.

Probleme mit Diskothek „Loch“

Die Meinungen zum Konzept der beiden Köche gingen im Gremium jedoch weit auseinander. Während Michael Wohlschläger (CSU) seine Anerkennung für „neue Ideen von durchaus qualifizierten Personen, die es so noch nicht bei uns gibt“, äußerte, erinnerte unter anderem Fraktionskollege Albert Kraml daran, welche Bedenken die damaligen Gemeinderäte hatten. Er wie auch Josef Sappl senior (CSU) befürchten ähnliche Probleme wie im alten Gewerbegebiet mit der Diskothek „Loch“, die nicht nur einmal für massive Beschwerden aus der Bevölkerung sorgte.

Dass ein solches Szenario auch in Föching entstehen könnte, wies Dirk Kreder (FDP) ab: „Die Räumlichkeiten dort sind für eine Wirtschaft oder Disco doch völlig ungeeignet. Da kämpft jemand ums Überleben. Es wäre ein Schildbürgerstreich, einem bestehenden Unternehmen den Hahn zuzudrehen.“

Exklusive Küchenpartys und Kochkurse

Auch Jaeger bestätigt auf Nachfrage, dass eine derartige Nutzung überhaupt nicht im Konzept stünde. Vielmehr planen die leidenschaftlichen Köche exklusive Küchenpartys und Kochkurse sowie Gourmet-Dinner für maximal 25 Gäste – und dies nur wenige Male im Monat, außerhalb der Geschäftszeiten der umliegenden Firmen. Hin und wieder wären auch Firmenfeiern oder Hochzeiten geplant – dann aber ebenfalls nur am Abend oder Wochenende und mit maximal 110 Personen. Zudem sei im Pachtvertrag Art und Umfang der Veranstaltungen festgelegt.

Dass die dann öffentliche Gastronomie eine Konkurrenz zu den innerörtlichen Wirtschaften bilden könnte, sah unter anderem Ulrike Küster (Grüne) als Problem: „Wir haben im Gewerbegebiet viel günstigere Mietpreise als im Ort.“ Diese Aussage betitelte Wolfgang Huber (SPD) als Dipferlscheißerei und warnte: „Da entsteht ein Angebot, wofür ich eigentlich nach München fahren müsste. Ich wäre stolz, wenn es so was in Holzkirchen gäbe. Wenn wir den Bebauungsplan ändern, schießen wir mit Kanonen auf Spatzen.“

Abstimmung endet mit Patt

Als Konkurrenz sieht Jaeger „Klein‘er Geschmacks Jaeger“ ebenfalls nicht: „Diese Art der modernen Gastronomie ist in Holzkirchen einzigartig. Dies wäre ein Zugewinn für die Gemeinde.“ Schade findet er auch, dass weder er noch Klein – die beide der Sitzung des Gemeinderats beiwohnten – zu ihren Pläne befragt wurden. „Dann hätten wir erklären können, dass wir schon darüber nachgedacht haben, ein Restaurant in der Ortsmitte zu eröffnen“, erzählt er. Doch der Kantinenbetrieb müsse erst wirtschaftlich laufen, damit sie die Freiheit hätten, auch diesen Plan zu realisieren.

Wie es weiter geht, bleibt spannend, denn der negativ formulierte Beschlussvorschlag fragte nach keiner Änderung des Bebauungsplans 132 und endete mit einem Patt von 12:12 Stimmen. Wäre der Beschlussvorschlag, wie eigentlich vorgeschrieben, positiv formuliert gewesen, hätte es in diesem Fall eine Änderung gegeben. Ein Fall, den Geschäftsleiter Robert Haunschild zunächst abklären musste.

Neuer Anlauf nach Sommerferien

In der zweiten Sitzung des Gremiums dann die Auflösung: Für die Änderung der Satzung wäre eine Mehrheit erforderlich. Bedeutet eigentlich, dass die Gastronomie im Technologiepark auch weiterhin erlaubt ist. Die Gemeinderäte einigten sich jedoch darauf, dass die Verwaltung den Beschlussvorschlag noch einmal neu – und dann auch positiv – formuliert, und in der Sitzung nach der Sommerpause erneut abgestimmt wird.

Für Jaeger und Klein bedeutet dies nun weiterhin abwarten. Aber den Mut haben sie dadurch nicht verloren. „Wir stempeln das jetzt als Erfahrungswert ab. Keiner weiß, wie es weiter geht, auch mit Corona, aber wir haben genug Pläne und Ideen“, blicken die beiden optimistisch in die Zukunft. sb

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