Visualisierung des neuen Holzkirchner Bauhofs
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So könnte der neue Holzkirchner Bauhof aussehen: Rechts das Verwaltungsgebäude und links die Fahrzeughalle. Beide sind per Tunnelbrücke verbunden.

Investition in Marschall

Neuer Bauhof in Holzkirchen wird 7 Millionen Euro teurer als geplant

  • VonSelina Benda
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Holzkirchen – Holzkirchen plant am neuen Bauhof in Marschall. Der wird teurer als erwartet. Der Gemeinderat unterstützt das Projekt dennoch weiter.

Der neue Bauhof in Holzkirchen soll möglichst allen Ansprüchen gerecht werden. Dies bedeutet aber auch, dass sich die Kosten erhöhen. Noch vor der Sommerpause haben die Gemeinderäte eines der größten Bauprojekte im Jahr 2021 abgesegnet.

Per Videokonferenz waren die zuständigen Planer dem Gemeinderat zugeschaltet und erläuterten den Status quo. Projektleiter Björn Nohe vom Projektplanungsbüro Drees und Sommer erklärte zunächst, dass man im Zeitplan zwar etwas nach hinten gerückt sei, das Projekt jedoch immer noch im Terminrahmen mit Zielumsetzung im Jahr 2023 liege.

Mitarbeiter des Bauhofs beraten

Intensiv hätten sich die beiden Architekten Nicolas Neumann und Giacomo Nüsslein von Arge Studio Corso und Tucher Beratende Ingenieure für ihre Planungen mit den Bauhofmitarbeitern zusammengesetzt. Somit wurde das bereits bestehende Konzept von 2020 nachgeschärft und heraus kam folgende Planung:

Die Fahrzeughalle ist etwa 100 Meter lang und als Hauptkörper des neuen Bauhofs geplant. Dort kommen neben den kommunalen Fahrzeugen auch Werkstätten sowie eine Kalt- und eine Waschhalle unter. Da die Höhe des Gebäudes aufgestockt wurde, konnte nun auch ein großer Teil der Verkehrsflächen integriert und somit zusätzliche Lagerflächen im Obergeschoss gewonnen werden.

Verbindungsbrücke zwischen Gebäuden

Auch der zweite Baukörper profitiert von der neuen Höhe: Unter dem Pultdach des Verwaltungsbaus findet nun neben der Hausmeister- eine weitere Wohnung Platz. Zudem ergeben sich auch dort weitere Lagerflächen. In das kleinere der beiden Gebäude haben die Architekten Büros, einen Besprechungs- sowie einen Aufenthaltsraum, Umkleiden und Sanitärräume eingeplant.

Neu ist auch eine Verbindungsbrücke zwischen den beiden Gebäuden, die gleichzeitig als gemeinsamer Rettungsweg dient. „Somit haben die Mitarbeiter kürzere Wege und es entfällt der eigentlich benötigte Platz für Sanitärräume in der Fahrzeughalle“, erklärte das Architektenduo.

Kosten in Höhe von 27,2 Millionen Euro

Unter der Tunnelbrücke hindurch führt die Zufahrtsstraße in den Innenhof der Anlage. Dort sind die zwei bestehenden Salzsilos, Stellplätze für die Mitarbeiter sowie weitere Außenlagerflächen eingeplant. Ein unterirdischer Tunnel verbindet die Keller der beiden Gebäude miteinander. So sei laut den Planern beim Bau nur ein großer Aushub notwendig.

Für den neuen Bauhof am Amalie-Hohenester-Weg liegt nun eine Kostenschätzung in Höhe von 27,2 Millionen Euro vor – 7,2 Millionen Euro über dem eigentlich schon von der Gemeinde eingeplanten Maximum. Laut Nohe seien dabei aber auch 10 Prozent Reserve als Handlungsspielraum mit eingerechnet.

Grünen-Kritik am Baustoff

„Eine bittere Pille, die wir aber schlucken müssen“, nannte Simon Ammer (SPD) diese Erhöhung. Denn Holzkirchen wachse stetig und der Bauhof benötige zusätzlichen Raum und Ressourcen, um dem nach zu kommen. Ein Ansetzen des Rotstifts, wie von Michael Wohlschläger (CSU) gefordert, sei laut Nohe jedoch nur mit massiven Einschränkungen der Qualität machbar.

Weniger die Kosten, dafür mehr die Wahl des vorherrschenden Baustoffs stieß hingegen der Grünen-Fraktion sauer auf. Robert Wiechmann zeigte sich enttäuscht, dass bei der Planung eine Stahlfachwerkkonstruktion einem ökonomischen Holzbau vorgezogen wurde.

Energiekonzept für Neubau

Laut den Architekten biete diese aber zwei Vorteile: So würde dadurch die natürliche Belichtung im Verwaltungsbau durch Oberlichter erhöht und falle eine zusätzliche Platz raubende Säulenreihe in der großen Fahrzeughalle weg. „Die funktionalen Anforderungen sind hier das wirtschaftlichere Konzept“, erklärte Neumann. Da das Areal jedoch auch ein Blickfang am Ortseingang der Gemeinde Holzkirchen sein wird, sollen beide Gebäude mit einer Holzverschalung versehen werden, erläuterten die Experten in ihrem Vortrag.

Sowohl Projektplaner Nohe als auch Bürgermeister Christoph Schmid betonten, dass vor allem das Energiekonzept für den Neubau ausschlaggebend sei. Dieser soll nämlich auf dem energetisch sehr hohen KfW-Standard 55 gebaut und damit besonders umweltfreundlich sein.

Anschluss an Geothermie

Final wird der Bauhof an das Fernwärmenetz der Geothermie angeschlossen. „Wir können uns dem Netz zwar schon annähern, aber bis zur Fertigstellung des Baus werden wir es definitiv nicht schaffen“, machte der Rathauschef indes klar. Der nächste Knotenpunkt des Fernwärmenetzes liege etwa einen Kilometer weiter weg und ein Meter Fernwärmeleitung koste laut Schmid um die 1.000 Euro. Die Übergangsphase soll laut Nohe mit einem Erdgaskessel mit Biomethangasbetrieb überbrückt werden.

Auf dem Dach der Fahrzeughalle wird eine Photovoltaikanlage für den Eigenbedarf an Strom installiert. Die restlichen 80 Prozent Dachfläche werden für die Installation weiterer Anlagen zwar baulich vorbereitet. Der gewonnene Strom soll jedoch durch Drittanbieter vermarktet werden. Dies könnten laut Schmid vielleicht eine Bürgergenossenschaft der Energiewende Oberland oder die Gemeindewerke Holzkirchen sein.

Weiterer Schritt für Bauhof in Marschall

Dass die Planung in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Bauhofs um Leiter Peter Heiß erfolgte, die der Sitzung als Zuhörer beiwohnten, wurde vom gesamten Gremium gelobt. „Ich finde den Entwurf toll und, wenn der Bauhof sagt, es passt so, dann finde ich das klasse“, meinte Michael Wohlschläger.

Mit einem einstimmigen Votum für die Planung samt Kostenschätzung wurde der Weg für die weiteren Schritte in Richtung neuem Bauhof in Marschall geebnet. sb

Quelle: DasGelbeBlatt

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