Wilma Barth mit Igel in der Hand
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Wilma Barth aus Sauerlach mit einem ihrer Igel-Schützlinge.

Aufzuchtmilch mit Fencheltee

Sauerlacherin pflegt Igel und andere Wildtiere – und das auch nachts

Sauerlach – Wilma Barth aus Sauerlach pflegt Igel und andere Wildtiere. Ein Rund-um-die-Uhr-Job für die 51-Jährige.

Igel haben es Wilma Barth angetan. Aber auch Marder mag die 51-jährige Sauerlacherin. „Die sind so verspielt“, lächelt sie verzückt – eine Eigenschaft, die Marderlaien nicht zwangsläufig als Erstes einfällt. Momentan ist Igelzeit. Heißt: Derzeit werden besonders viele bei Wilma Barth abgegeben. Igelnachwuchs, der seine Mutter verloren hat, unterernährt ist und dann bei ihr und Ehemann Thomas, 52, landet. „Marderzeit ist hingegen immer im Januar und Februar“, sagt sie.

Wilma Barth ist Vorsitzende des Vereins Sauerlacher Tierschutz, der aktuell gerade mal noch aus vier Leuten besteht. Sohn Kevin gehört dazu, eine Freundin und ihr Mann. Gegründet hat sie den Verein im April 2015 – damals noch mit sieben Mitgliedern. Er bildet den formellen Rahmen für das, was die Gründerin ein Waisenhaus für Wildtiere nennt: Neben Mardern und Igeln päppeln die Barths auch Eichhörnchen, Siebenschläfer und junge Vögel auf, die aus dem Nest gefallen sind – wobei Thomas Barth sich eher ums Handwerkliche kümmert.

Kritik an Mährobotern

Doch warum ausgerechnet Wildtiere statt Hunden oder Katzen? „Weil die besonders gefährdet sind“, sagt Wilma Barth – und wird zornig: „Diese Mähroboter etwa, mit denen die Leute auch nachts ihre Zierrasen trimmen, sind für Igel tödlich. Die werden da regelrecht zerstückelt.“ Igel sind nachtaktiv, tagsüber schlafen sie meistens. Barths Garten kennt keinen Mähroboter. Im Gegenteil: Dort wuchert es beschaulich vor sich hin, ein Stückchen Wildwuchs mitten im gängigen Vorzeigegartenidyll.

Schon als Jugendliche hat sich Wilma Barth für Wildtiere interessiert. Inzwischen ist ein Lebens­inhalt daraus geworden. In dem von außen schwer einsehbaren Grundstück stehen allerlei geräumige Käfige für die Tiere. Aus dem Großraum München, Bad Tölz und Rosenheim stammen Marder & Co. Jüngst erst wurden junge Igelwaisen aus Dachau abgeliefert. Manche sind gerade mal eine Woche alt. Alleine und ohne Mutter hätten sie keine Chance. Manchmal schicken auch Tierärzte die kleinen Patienten direkt zu Wilma Barth. Gut 50 Igelkinder sind es pro Jahr.

Keine Füchse oder Rehe

Die Fürsorge hat gleichwohl Grenzen: „Füchse oder Rehe darf ich nicht aufnehmen“, sagt die 51-Jährige. Sie ist auch so ausgelastet, Igelbetreuung ein Rund-um-die-Uhr-Job. Alle zwei Stunden steht Barth nachts auf, um die Kleinen mit der Flasche zu füttern. Katzenaufzuchtmilch mit Fencheltee gibt es dann. „Igel sind laktoseintolerant“, sagt sie und sorgt auch dafür, dass die Igelkinder alsbald lernen, Insekten oder Würmer zu fangen, indem sie diese in die Käfige gibt.

Bei alldem geht es nicht ohne Bürokratie: Für jeden Igel gibt es ein Pflegeprotokoll, in dem alle relevanten Daten des Tieres notiert werden. So könne man prima studieren, wie die kleinen Säuger gedeihen. Diese Intensivpflege gehe aber auch ins Geld: Gut 1.500 Euro im Monat würden zum Beispiel Spezialfutter und Entwurmungsmittel kosten. „Manchmal gibt es eine Tierarztbehandlung auch gratis, aber die Medikamente muss ich dann trotzdem bezahlen“, sagt Wilma Barth. Geld, das sie fast ausschließlich aus eigener Tasche bezahlt.

Käfigtür auf für Freiheit

Trotzdem: Die Mühe lohne sich, sagt Wilma Barth. Wenn die Igel nach ein paar Monaten wieder fit für die Freiheit sind, macht sie einfach die Käfigtür auf und die Tiere verschwinden im Grün. Für die Igelmama vielleicht der schönste und gleichzeitig schwerste Moment.

Wer helfen möchte, findet weitere Infos unter tierschutz-sauerlach.de. cam

Quelle: DasGelbeBlatt

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