1. Startseite
  2. Lokales
  3. Holzkirchen
  4. DasGelbeBlatt

Paradies für die Rente: So entstand das Seniorenheim für Pferde in Arget

Erstellt:

Kommentare

Lydia Böck mit Wallach Serro
Lydia Böck mit Wallach Serro im Stall Marina in Arget. © Camehn

Sauerlach – Den Stall „Marina“ in Arget betreibt Lydia Böcks seit 20 Jahren. Dort können Pferde ihre Rente verleben.

Jetzt also erst mal Altherren-Gymnastik: Lena holt Serro aus seiner Box. Striegeln und ein paar Krauleinheiten – dann geht es raus auf den Außenplatz direkt neben dem Stall. Serro ist 31 Jahre alt. Das ist für Pferde eine Hausnummer. Vergnügt trottet der Wallach neben Lena her. „Ich mach jetzt Bodenarbeit mit ihm“, sagt die Zwölfjährige. Heißt: Er muss auf Lenas Kommandos hören, stehen bleiben, wenn sie stehen bleibt, weiter gehen, wenn sie weitergeht – und auch auf Ansage rückwärts oder seitwärts treten. Mehrmals die Woche kümmert sich Lena so um ihren Serro, der Stallchefin Lydia Böck gehört. Sie weiß: Auch alte Pferde wollen nicht nur gefüttert werden. Sie brauchen Ansprache, eine Aufgabe, was für den Kopf.

Lokaltermin im Stall Marina gleich hinter Arget bei Sauerlach. Er hat im Landkreis einen guten Ruf – vor allem als Seniorenpension, was nicht ganz korrekt ist. Denn das jüngste Pferd, Don Camillo, ein dunkelbrauner Wallach, ist acht Jahre jung. Das älteste, Stute Samba, 33 Jahre alt. Aber richtig ist auch: Viele Pferde, die aufgrund von Alter oder Krankheit nicht mehr sportlich geritten werden können, genießen dort einen guten Lebensabend. Insgesamt ist Platz für 14 Tiere. So viele Paddock-Boxen stehen in dem luftigen, hellen Stall zur Verfügung. Paddock-Box heißt: Jedes Pferd kann jederzeit von seiner Box raus in ein umzäuntes Areal ins Freie treten – wenn sie nicht gerade eh auf der Koppel stehen. Zwischen 8 und 14 Uhr sind sie auf der Weide. „Danach müssen sie rein, schon wegen der ganzen Bremsen und Mücken“, erklärt Lydia Böck.

Pferdeparadies zwischen Wiese und Wald

Die 57-Jährige betreibt den Stall seit gut 20 Jahren. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Robert Herrmann hält sie ein idyllisch gelegenes Pferdeparadies zwischen Wiese und Wald am Laufen. „Ich bin ein Naturmensch“, sagt sie. Stall Marina? „Habe ich nach meiner Tochter benannt.“ Das mit dem Rentnerhof oder Gnadenbrotstall war nie geplant: „Aber viele Pferde sind eben schon so lange hier – das beeinflusst ganz klar die Altersstruktur.“

Zuvor war die gelernte Floristin im Trabrennsport erfolgreich. Auf der Rennbahn in Daglfing konnte man damals, Anfang der 1990er Jahre, noch gutes Geld verdienen. „3.000 Mark gab es für den Sieger – und auch wer nicht als Erster durchs Ziel ging, gewann leicht mal 500 Mark“, erinnert sie sich. Die Pferde verdienten quasi ihre Unterhaltskosten selber. Lange her.

Lydia Böck, geboren in Johanneskirchen, hat irgendwann ihr Hobby zum Beruf gemacht, sagt sie. Dem geht sie mit viel Leidenschaft nach. Der Stall ist tipptopp gefegt, die Einstreu in den Boxen – wahlweise Stroh oder Späne – sauber und reichlich. Dreimal täglich werden die Pferde gefüttert. Im monatlichen Pensionspreis sind Heu, Stroh und Kraftfutter enthalten, Koppelgang sowieso. Wer etwas Spezielles für seinen Vierbeiner will, muss es selber hinstellen. „Ich füttere, was die Pferdebesitzer wünschen. Alles eine Sache der Absprache“, sagt Böck. Aber sie achtet auch darauf, ob die Pferde zu dick oder zu dünn sind, schaut nach dem Rechten. Eigentlich 24 Stunden am Tag, da sie gleich direkt am Stall wohnt.

Hagelschaden beschädigt Stalldach

Lydia Böck kümmert sich. Am späten Vormittag, wenn noch alle Pferde auf der Koppel sind, die Boxen ausgemistet und der Hof gefegt ist – das sind für Böck auch immer die schönsten Momente des Tages: „Ein gutes Gefühl, wenn alles gemacht und in Schuss ist“, lächelt sie. Sie sorgt auch dafür, dass die Vierbeiner nach dem Winter vorsichtig angegrast werden, jeden Tag ein paar Minuten mehr, bis sie sich an das frische Gras gewöhnt haben. Angrasen heißt dieses Prozedere, denn Pferde haben einen empfindlichen Verdauungstrakt, da droht schnell mal eine Kolik, die tödlich enden kann.

Wer Pferdebesitzer fragt, warum sie ihre Pferde dort einstellen, bekommt immer ähnliche Antworten: der gepflegte Stall, die Fürsorge seiner Betreiberin, Verlässlichkeit im Stall-Management und auch die Möglichkeit der weitverzweigten Ausreitwege. Komfort trifft Idyll, damit kann Stall Marina prima punkten. Ärger im Paradies scheint es selten zu geben: „In den 20 Jahren konnten nur zwei Pferde nicht bleiben – die ließen sich einfach nicht in die Gruppe beim Weidegang integrieren“, erzählt Böck. Und aktuell muss das Stalldach repariert werden. Hagelschäden. „Das kostet leicht mal wieder 10.000 Euro.“ Aber muss ja. cam

Auch interessant

Kommentare