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Wie BRB-Mitarbeiterinnen die männerdominierte Eisenbahnwelt erleben

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Gleichstellung bei der BRB
Wie weit ist die Gleichstellung von Frauen bisher vorangekommen? Sechs BRB-Mitarbeiterinnen haben sich anlässlich des Tags der Gleichstellung mit der Frage beschäftigt. © BRB/Kaufmann

Holzkirchen – Rein rechtlich sind Frauen und Männer in Deutschland gleichgestellt. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Die BRB hat zum Tag der Gleichstellung nachgefragt.

Sechs Frauen unterschiedlichen Alters und in unterschiedlichen Bereichen bei der Bayerischen Regiobahn (BRB) tätig, haben zum Tag der Gleichstellung von Frauen am Donnerstag, 26. August, einen Fragebogen ausgefüllt – nicht repräsentativ, aber durchaus interessant, teilt das Unternehmen mit Sitz in Holzkirchen mit.

Auf der Internetseite der Bundesregierung heißt es zum Thema: „In Deutschland ist die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht. An der tatsächlichen, alltäglichen Gleichstellung arbeiten wir noch. Weltweit gibt es bei der Gleichstellung Fortschritte. Dennoch bestehen immer noch erhebliche Barrieren. Ziel der nachhaltigen Entwicklung ist es, das bis 2030 grundlegend zu verbessern.“

Das wäre dann innerhalb der nächsten neun Jahre. Viele Punkte stehen auf der Agenda: keine Lohnunterschiede für gleichwertige Arbeit zwischen Frauen und Männern, mehr Frauen in Führungspositionen, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Wertschätzung und bessere Verteilung unbezahlter Pflege- und Hausarbeit, keine Gewalt gegen Frauen, klischeefreie Berufs- und Studienorientierung und vieles mehr.

Viele Männer im Eisenbahnsektor

Doch wie ist die Sicht von Frauen, die bei der BRB arbeiten? „Ich habe mit großem Interesse den Fragebogen gelesen, den eine Frau entworfen hat, und mit noch größerem Interesse habe ich die Antworten der Mitarbeiterinnen gelesen, denn auch wir und unsere Branche allgemein haben noch einiges zu tun“, sagt Geschäftsführer Fabian Amini, der den kaufmännischen Bereich verantwortet. Für den technischen ist ebenfalls ein Mann in der Geschäftsführung zuständig: Arnulf Schuchmann.

Fairerweise müsse erwähnt werden, dass der Eisenbahnsektor im technischen Bereich überwiegend von Männern geleitet werde und auch fast nur Männer dort arbeiten. Im Verwaltungsbereich sehe das anders aus und in der obersten Führungsebene komme die BRB immerhin auf einen Frauenanteil von knapp 40 Prozent, was laut Amini kein Zufall sei.

Kollegiales Miteinander auf Augenhöhe

Übereinstimmung herrschte bei allen Befragten, dass die Gleichstellung noch nicht erreicht sei. Bei der Frage, welche Tätigkeit sie ihrem Partner überlassen würden, wurde mehrmals das Stichwort „Reifenwechsel“ genannt. Allerdings mit dem Zusatz, dass man auch dies lernen könne, wenn es sein müsse.

Doch was raten die Frauen anderen, die am Beginn ihres Arbeitslebens stehen? „Sich nicht reinreden lassen und seinen eigenen Weg gehen. Hinfallen ist nicht schlimm, solange man wieder aufsteht.“ Und: „Tue das, wozu du Lust hast, und nicht das, was vernünftig ist oder andere dir raten.“ Gleiche Bezahlung und gleiche Chancen in der Arbeitswelt sind für Frauen ein Zeichen von Gleichstellung, aber auch kollegiales Miteinander auf Augenhöhe. Keine Vorurteile haben, alle gleich behandeln, egal, welchen Geschlechts, welcher Orientierung oder Abstammung.

Interesse an Vielfalt und Diversität

Das decke sich mit dem, was sich Fabian Amini für die BRB wünsche: „Ich habe großes Interesse an Vielfalt und Diversität im Unternehmen. Egal, ob Frau oder Mann, ob branchenfremd oder mit Erfahrung im Eisenbahnsektor, egal aus welchem Land und mit welchem kulturellen Hintergrund, die richtige Mischung macht ein gutes Unternehmen aus und bringt uns vorwärts.“

Doch beispielsweise Service-Elektronikerinnen oder Mechatronikerinnen zu finden, sei deutlich schwieriger als männliche Kollegen. Es gebe sie viel zu selten. „Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir aber schon, eine gute Mischung hinzubekommen“, sagt Fabian Amini.

Portion Gelassenheit und Humor

Zu lesen ist in vielen Antworten das Problem, Kinderbetreuung und Vollzeitstelle zu organisieren, sich im Arbeitsleben zu behaupten, aber auch das nötige Selbstbewusstsein zu erlangen, um sich durchzusetzen, seinen eigenen Weg zu finden und diesen zu verfolgen. Das klappe bei der BRB ziemlich gut, denn in all den Antworten schwinge auch immer eine Portion Gelassenheit und Humor mit.

Den typischen Merkmalen ihres Geschlechts setzen die Frauen Individualität entgegen, denn den Mann oder die Frau gebe es als solches gar nicht. Oder vielleicht doch ein bisschen: Was ist typisch Frau? „Reden über alles und jeden.“ Und typisch Mann? „Reden über alles und jeden und so tun, als wäre das typisch Frau.“

Keine Lohnunterschiede bei der BRB

Was sagt Fabian Amini zum Tag der Gleichstellung? „Wir versuchen, auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter einzugehen, unabhängig vom Geschlecht. Besonders im Schichtbetrieb ist das nicht immer einfach, denn der Zug muss pünktlich fahren. Darauf muss sich der Fahrgast verlassen können, egal, ob die Triebfahrzeugführerin ein krankes Kind zu Hause hat oder der Kundenbetreuer eine zu pflegende Mutter. Das ist der Spagat, in dem wir uns als Unternehmen befinden. Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es bei unseren Fahrpersonalen nicht. Wir zahlen nach Tarif.“

Und für den besagten Reifenwechsel, also den Radsatztausch an den Zügen, seien bei der BRB die Mitarbeiter in den Bahnbetriebswerken in Augsburg und Lenggries zuständig, sagt Fabian Amini mit einem Augenzwinkern – und da seien fast ausschließlich Männer beschäftigt. Manchmal bestätigen sich Vorurteile dann doch. ksl

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