Abriss Gebäude Säggasse 10 in Holzkirchen
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Beschlossene Sache: Das 115 Jahre alte Gebäude an der Säggasse in Holzkirchen wird abgerissen.

Das Türmchen fällt

Holzkirchen: Gemeinderat beschließt Abriss des Taubenhauses

  • VonSelina Benda
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Holzkirchen – Das marode Wohnhaus an der Säggasse 10 in Holzkirchen soll abgerissen und neu erbaut werden. Der Gemeinderat hat das nun final beschlossen.

So wirklich davon trennen will sich eigentlich niemand, doch wirtschaftlich gesehen ist es das Beste: Das 115 Jahre alte markante Haus an der Säggasse 10 in Holzkirchen wird abgerissen. Dafür sprachen sich nun die Gemeinderäte final aus. Für wen der neue Wohnraum dort dann geschaffen wird, ist indes noch nicht ganz klar.

Über 100 Jahre hat das markante Haus mit seinem Erker und kleinen Türmchen das Bild an der Säggasse geprägt. Doch schon seit einigen Jahren ist das Gebäude in einem fragwürdigen Zustand, wie Johann Kellner vom Bauamt kürzlich im Gemeinderat berichtete. 350 Quadratmeter umfasst das gesamte Grundstück neben der Grundschule.

2001 wirtschaftliche Beurteilung

Fünf Wohnungen befinden sich im Haus. Nur noch eine davon ist derzeit bewohnt. Es gibt keine Zentralheizung. Holzschädlinge haben es sich im Dachstuhl bequem gemacht. Der Keller ist feucht und schimmelig. Die Stahlträger im Untergeschoss sind stark verrostet. Die Mängelliste könnte Kellner so weiter führen.

Bereits 2001 führte der Bayerische Kommunale Prüfungsverband eine wirtschaftliche Beurteilung durch und wurde dabei klar: Das nicht denkmalgeschützte Haus zu sanieren, würde um die 900.000 Euro kosten. Ein Neubau an dieser Stelle könnte aber bereits für 1 Million Euro umgesetzt werden. Für die Mitglieder des Hauptausschusses, die das Thema bereits vorab auf dem Tisch hatten, war klar, dass ein Abriss und Neubau die wirtschaftlichere Variante wäre. So empfohlen sie dies auch einstimmig den Gemeinderäten.

Holzkirchner Gemeinderäte unentschlossen

In deren Sitzung wurde klar, dass viele Herzen an dem Gebäude hängen. Josef Sappl senior (CSU) bat darum, den Gedanken an eine Sanierung noch nicht beiseite zu legen: „Das schöne Haus zu retten, wäre mir ein Anliegen. Man könnte es vielleicht an einen einheimischen Handwerker verkaufen und der richtet es dann her.“ Er forderte einen weiteren Ortstermin, um noch einmal den Zustand des Hauses genau zu beurteilen.

Bürgermeister Christoph Schmid betonte, dass er sich und auch den Gemeinderäten nicht zutraue, den wirklichen Zustand des Hauses fachlich beurteilen zu können: „Da würden wir definitiv einen externen Sachverständigen benötigen.“ Er habe das Gebäude ebenfalls besichtigt und bei toten Tauben unter dem Dach, kaputter Elektronik überall und einem modrigen Keller gäbe es bei ihm nicht mehr viel zu überlegen, dass das Haus nicht mehr zu retten sei.

Zwar liege das markante Gebäude auch ihnen am Herzen, doch Elisabeth Dasch (SPD) und Ulrike Küster (Grünen) rieten beide davon ab, gemeindliches Eigentum an einer derart exponierten Stelle aus der Hand zu geben.

Seit 1970 im Besitz der Marktgemeinde

Im Jahr 1970 erwarb die Marktgemeinde das Haus samt Grundstück. „Seither wurde nichts in das Haus investiert“, berichtete Kellner. Den Fehler, gemeindliches Eigentum über Jahre nicht zu sanieren und damit einen ökologisch eigentlich nicht guten Abriss herauszufordern, bat Anita Gritschneder (Grüne) in Zukunft nicht mehr zu machen.

Die Empfehlung der Verwaltung wie auch des Hauptausschusses sah einen Abriss und Neubau an der Säggasse 10 vor. Der Neubau solle dann eventuell als ein Haus für Leben im Alter, mit Wohnungen und Gemeinschaftsräumen für Senioren realisiert werden, erklärte Kellner. Kathrin Simmel (SPD) empfand ein derartiges Wohnkonzept an einer zentralen Stelle im Ort als viel Platzverschwendung.

Beschluss zu Taubenhaus an Säggasse 10

Auch Michael Wohlschläger von der CSU-Fraktion empfahl, diesbezüglich in eine andere Richtung zu denken: „Wir haben so viele Anfragen für bezahlbaren Wohnraum von Unter-30-Jährigen. Wir sollten dort schnell etwas für jüngere Leute schaffen.“ Er könne sich dort auch ein neues Gebäude in Holzmodulbauweise vorstellen, mit mehreren 1-Zimmer-Appartements – etwa für Studenten. Ein genaues Konzept für den Neubau wird also noch für Diskussionen sorgen.

Mit drei Gegenstimmen sprachen sich die Gemeinderäte aber nun final für den Abriss des historischen Gebäudes an der Säggasse 10 in Holzkirchen aus. sb

Quelle: DasGelbeBlatt

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