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Trauung auf dem Misthaufen: Die „leicht verbrauchte“ Braut (2.v.l.) und der „überstandene“ Bräutigam (l.).

Bettelhochzeit

Bis dass der Aschermittwoch sie scheidet

Unterdarching - Der Burschenverein Unterdarching-Laindern hatte nach zehn Jahren wieder eine Bettlhochzeit organisiert. Eine riesige Gaudi.

Gerade noch vor dem Mittagsläuten ist der Bund auf dem parfümierten Misthaufen beim Angerer-Hof von Anton Stempfel in Unterdarching besiegelt. Die „Standesbeschlampte“ Christian Hofstetter nimmt den beiden Heiratswütige das Eheversprechen ab: „Du sollst dich mit Kasandra gut vertragen, sie auf den Arm nehmen und auf Füßen tragen, dass sie nicht vergammelt“ mahnt er den „überstandenen“ Bräutigam. Und die „leicht verbrauchte“ Braut solle stets dem Manne dienen. „Mach ihm Mut, ist er auch kein Streber, so trainiert er doch die Leber und sollte ihm einmal dein Fraß nicht munden, macht das nichts, dafür wurden Imbissbuden erfunden.“ Endlich steckt Hofstetter dem Brautpaar die „Fangeisen“ an die Ringfinger. Braut und Bräutigam geben sich das Versprechen, sich zu „vermehren, so lange es sich durch Kindergeld und andere Fördermittel rentiert“. Die knapp 300 Hochzeitsgäste jubeln.

Und das war davor geschehen: Für den Burschenverein Unterdarching-Laindern, der die Bettlhochzeit in Unterdarching organisiert hatte, begann der Tag schon um fünf Uhr mit dem Wecken des Brautpaares. Statt Böllerschüsse gab es mit Gas gefüllte Luftballons, die platzten. Gestärkt mit einer Morgensuppe beim Kirchenwirt machte sich das bunte Völkchen am Samstag um 9.69 Uhr auf den Weg. Angeführt von der Unterdarchinger Blasmusik Blech und Krach bewegte sich der Hochzeitszug durch den Ort. Noch genossen Braut „Kasandra Langelatten (Kaspar Riesenberger), Mogamillebairin von da Keltenschanz“, begleitet von ihren Zwillingskindern „Augus-Tina“ und „Paul-Ana“, sowie ihr Bräutigam „Ignaz Wackel (Michael Cyllok), Hodgschwoineoarimsackel, Goasbockzüchter von Hoitniasmai“, den Tag. Ernster wurden die Mienen, als Modeschöpfer und Paradiesvogel Karl Lagerfeld (Bernhard Hagn) mit Sonnenbrille und silbergrauem Haarschopf als Hochzeitslader das „neugierige Gaffervolk, Landräte und solche, die es werden wollen, und Spaßkassengeschädigte“ begrüßte. „Unserm Brautpaar ist der wahnsinnige Wunsch nicht mehr zu nehmen.“ Er vergaß nicht den Hinweis: „Lieber Ignaz, es ist noch nicht zu spät, aber einen Rücktritt vom Amt, das tat ich dir nicht anraten“ und spielte damit auf die Ergeignisse in der Landkreispolitik an. Auch für Musik war gesorgt: Drei Pianisten ließen ihre Hosen herunter, um dann ihre besten Stücke am Piano vorzuführen.

Der Bund fürs Leben ist aber nur eine kurze Angelegenheit - bis der Aschermittwoch das Paar wieder scheidet. Offenbar kein Grund zur Trauer: Denn es wurde Mitternacht beim Kirchenwirt gefeiert.

Siggi Niedergesäss

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