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Um Radler zu vertreiben, soll entlang des Kulturhauses eine Fußgängerzone entstehen, die vor dem Eingang (Tröge) beginnt und bis zum Ende des Amphitheaters verläuft.

Am Kultur im Oberbräu soll sie entstehen

„Die kleinste Fußgängerzone der Welt“

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Holzkirchen - Radler nutzen gern den Durchgang entlang des Kultur im Oberbräu, um zum Holzkirchner Marktplatz zu gelangen. Damit sie nicht mehr die Gäste des Kulturhauses und die Bedienungen gefährden, will man sie vertreiben. Mit der wahrscheinlich kleinsten Fußgängerzone der Welt.

Ingrid Huber, Kulturmanagerin im Kultur im Oberbräu in Holzkirchen, macht sich Sorgen. „Die Radfahrer fahren knapp an den wartenden Gästen vorbei.“ Vor und nach den Veranstaltungen oder in den Pausen sei die Unfallgefahr besonders groß, vor allem im Eingangsbereich. Gleiches gelte für die Sommermonate, wenn die Bedienungen mit ihren Tablets vor dem Kulturhaus herumsausen. „Gott sei Dank ist noch nichts passiert“, meint Huber. Damit das auch so bleibt, soll sich nun was tun. 

Mit der Errichtung einer Fußgängerzone an der Südseite des Kultur im Oberbräu hat sich jetzt der Verkehrsausschuss beschäftigt. Hintergrund war ein Ortstermin, bei dem auch Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) dabei war. 

Es handle sich um den Bereich kurz vor dem Haupteingang des Kultur im Oberbräu bis zum Ende Amphitheaters, erklärte der Rathauschef in der Sitzung. Man wolle künftig verhindern, dass die Radler, die die Strecke als schnelle Verbindung Richtung Marktplatz nutzen, durchfahren. Nachdem angebrachte Schranken ihre Wirkung verfehlt hatten – weil sie defekt waren, und Radler einfach durchschlüpften –, sei die Idee einer Fußgängerzone mit stichprobenartigen Kontrollen aufgetaucht. „Das täte Holzkirchen nicht schlecht und hätte einen charmanten Werbeeffekt.“ Auch wenn sie nur knapp 80 Meter lang wird. Eine Fußgängerzone hätte den Vorteil, dass nur eine Beschilderung nötig sei – und kein Schilderwald. Außerdem seien alle Sanktionsmöglichkeiten damit erfüllt. Der Lieferverkehr habe noch freie Zufahrt. 

Allerdings müsse man sich mit den Folgen auseinandersetzen: „Die Frage ist, inwieweit wir den Radverkehr lenken können.“ Vor allem die Schüler. Als Alternative könne man die Hafnerstraße ertüchtigen, die acht Längsparkplätze dort stellten ohnehin eine Gefahr dar, meinte Löwis. Eventuell könne man diese auflösen, um die enge Situation zu entzerren. 

Weil dort das Parken auf eine Stunde begrenzt sei, könnten Autofahrer auf die Tiefgarage ausweichen, wo die erste Stunde ebenfalls gratis ist. „Die Tiefgarage liegt in circa 200 Metern Entfernung“, betonte Löwis. „Das müsste im menschlichen Ermessen möglich sein, das zu laufen.“ Auch wenn er um ein Problem weiß: Je kleiner ein Ort ist, desto geringer sei die Bereitschaft zu Fuß zu gehen. 

„Mit der Fußgängerzone machen wir uns lächerlich“, befürchtete Sebastian Franz (CSU). Kathrin Simmel (SPD) nickte. „Das Wort Fußgängerzone ist in dem Fall zu hochtrabend.“ Irmi Ammer (SPD) pflichtete ihr bei: „Ich musste bei dem Wort Fußgängerzone zuerst auch grinsen“, meinte sie. „Aber wenn das die beste Möglichkeit ist, den Durchgang von Radlern freizuhalten, dann nennen wir das eben so.“ Simmel hielt mehr von einem Nebeneinander zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmern, „nette Schilder“ sollten gegenseitige Rücksichtnahme fordern. 

Karl Bär (Grüne) war für eine Fußgängerzone: „Ich finde das sympathisch“, meinte er. „Auch wenn es vielleicht die kleinste Fußgängerzone der Welt wird“, scherzte der Grüne und bemerkte: „Radler sind wie Wasser. Sie suchen sich immer den schnellsten Weg.“ Auch dem Radbeauftragten Hartmut Romanski gefiel die Idee. Obwohl er sich als „Radfahrer-Lobbyist“ bezeichnete, plädierte er dafür, die Radler dort zu vertreiben. 

Was die Ausweichroute betrifft, gingen die Meinungen weiter auseinander. Genau wie Martina Neldel (Grüne) könnte Ammer gut auf die acht Parkplätze an der Hafnerstraße verzichten. Ein Problem seien zudem die Linksabbieger, die von der Tölzer Straße in die Hafnerstraße einbiegen – hier staue es sich oft. Martin Taubenberger (FWG) sah an der Stelle ein anderes Problem: „Das dauert gefühlte zehn Minuten, bis die Ampel umschaltet.“ Albert Kraml (CSU) plädierte für den Erhalt der Parkplätze: „Das tut den Geschäften gut.“ Franz schlug einen Weg über den Brunnenhof vor. 

Löwis bemerkte, dass die gesamte Situation an der Hafnerstraße noch „einiges an Gehirnschmalz“ erfordere. Daher schlug er vor, das Thema aufzuschieben und dem Verkehrsexperten Ralf Kaulen zu übergeben. Vorerst ließ er den Verkehrsausschuss über eine Fußgängerzone abstimmen. Das Gremium votierte mehrheitlich dafür, Kraml und Franz waren dagegen.

Von Marlene Kadach

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