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Mit der digitalen Zukunft der Schulen beschäftigt sich Sudas Vortrag am Holzkirchner Gymnasium. 

„Viele sitzen im analogen Elfenbeinturm“

Interview: Digitalberater über die Lernmittel der Zukunft

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Holzkirchen – Über Handy, Facebook und Co. spricht Digitalberater Ralph Suda (50) am Gymnasium Holzkirchen. Er war einer der Grooveminister, die 1995 die Charts stürmten. Ein Gespräch.

Herr Suda, Sie haben drei Kinder. Haben die schon ein Handy? 

Ralph Suda

Ralph Suda: Die Älteste ist 13 und hat ein Handy, der Mittlere ist neun und will keines, und der Jüngste ist fünf und denkt, er hätte eines... (er lacht). 

Also sind Sie da nicht so streng... 

Ralph Suda: Das ist wie mit den Süßigkeiten, das kann man nie ganz verbieten. Es geht nicht darum, Handys zu verteufeln, sondern den Umgang damit zu reglementieren. Natürlich sollten die Kinder nicht schon morgens vor dem Fernseher sitzen oder ständig Videospiele anschauen. 

Aber? 

Ralph Suda: Die Digitalisierung ist kein vorübergehendes Phänomen. Sie ist ein Trend, den man nicht aufhalten kann. Und unsere Kinder werden ihr in der Arbeitswelt später begegnen. Wir müssen sie darauf vorbereiten. 

Was heißt aus Ihrer Sicht Digitalisierung eigentlich? 

Ralph Suda: Digitalisierung hat mittlerweile unsere ganze Lebenswelt erfasst. Vom Parkautomaten über die Digitaluhr bis hin zur Zeitschrift, die man digital liest. Unsere Kommunikation hat sich verändert. Sie findet über E-Mail, Whats App oder Facebook statt. Auch Bewegungen wie das Car-Sharing, das Teilen, gehören dazu. Digitalisierung ist nichts Besonderes mehr, sie macht unser Leben einfacher, aber auch komplexer. Deshalb fühlen sich viele Menschen damit überfordert. 

Suda und die Grooveminister: "Das hamma wir uns verdient."

Welchen Beitrag können Schulen da leisten? 

Ralph Suda: Auch wenn das Gymnasium in Holzkirchen da schon recht fortschrittlich ist: Viele Schulen sitzen noch im analogen Elfenbeinturm. Zunächst einmal müssen sich die Lehrer damit auseinandersetzen, was da draußen passiert und sich mit digitalen Kanälen beschäftigen. Und man sollte im Unterricht stärker und selbstverständlicher mit Computern, Tablets und iPads hantieren. Damit kann man nicht nur schreiben, sondern recherchieren, malen, kommunizieren und interagieren. Ich bin der festen Ansicht, dass es in fünf bis sieben Jahren keine Hefte mehr in Schulen geben wird.

Tablets sind allerdings teuer... 

Ralph Suda: Natürlich sollte man dabei auch die wirtschaftliche Seite betrachten. Aber: Viele Schüler haben zuhause einen Computer, dürfen ihn aber nicht in die Schule mitnehmen. Das könnte sich ändern. Und man sollte das Fach Informatik in die heutige Zeit übersetzen, von überflüssiger Theorie befreien und lebensnaher gestalten. 

Die moderne Schule 2020 – wie sieht sie aus? 

Ralph Suda: Auf jeden Fall mit Touchscreenwand statt Tafel. Die zweite Ebene ist: Mehr Arbeitsgruppen, weniger frontal. Kreativität und Innovation fördern. Themen und Fächer verbinden, also zum Beispiel Mathematik mit Englisch und Bio mit Sport. Eine klare Botschaft gilt allerdings für die digitale Zukunft: Sichere Prognosen haben ausgedient.

Die Veranstaltung

„Schule in der digitalen Welt? Einblicke in das künftige digitale Universum unserer Kinder“ findet am Donnerstag, 23. Juni, von 19 bis 21 Uhr, im Staatlichen Gymnasium Holzkirchen statt. Nach dem Vortrag von Ralph Suda präsentieren Schüler und Lehrer ihre Beiträge zur digitalen Schule der Zukunft. Es gibt eine Podiumsdiskussion, bei der das Partnergymnasium Kirchheim beteiligt ist.

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